Blut im Urin, hat man noch eine Chance ? (kont. Neoblase)

Meine Geschichte /Ablauf der OP , Eindrücke im Krankenhaus


Es war im Sommer 2004, Juni / Juli


Kurze Vorgeschichte:


Im April 2004 bemerkte ich erstmalig Blut im Urin. Dieses Blut kam immer im Reststrahl, also dann kurz bevor man mit dem Pinkeln fertig war. Es war nicht viel Blut, eher sehr wenig, ich bemerkte es an der leichten Rotfärbung des Urinstrahls. Da ich Biker bin und schon im März mit meiner VMAX unterwegs war dachte ich erstmal an eine Art von Blasenentzündung. Das Blut verschwand dann auch wieder kam aber nach einer Woche umso heftiger wieder. Jetzt ging mir langsam der Hintern auf Grundeis.


Erstmal zum Hausarzt, der meinte Biker = Blasenentzündung, Antibiotika aufgeschrieben, 30 Hammertabletten, 3 mal täglich eine, das Blut im Urin
blieb, mal mehr, mal weniger, mal ganz weg, dann wieder da. Wieder zum Hausarzt, Überweisung zum Uro. Der meinte, tja, da hat Ihnen der Hausarzt wohl was falsches aufgeschrieben, wieder ein neues Antibiotika, wieder 20 oder 30 Pillen, das Blut blieb, mal mehr, mal weniger.


Wieder hin zum Uro, Ultraschall, Urinabgeben, im Ultraschall nix zu sehen, im Urin kein Blut. ??


Ich nach Hause, frohen mutes , dann nach einer Woche wieder Blut im Urin. Wieder Termin beim Uro gemacht, jetzt den ganzen Harnapparat mit Kontrastmittel geröngt. Wieder nix zu sehen, Nieren frei, Harnleiter durchgängig, kein Blut im Urin. Langsam fing ich an an mir zu zweifeln, ich dachte schon der Uro meint ich komme so gerne. Mit dem Uro ausgemacht das wenn wieder Blut kommt wird ein neuer Termin gemacht zur Blasenspiegelung, so kam es dann auch.


Erst bei der Blasenspiegelung wurde ein Flachwandiger Tumor in der Blasenwand ca. 3 mal 5 cm endeckt. Jetzt ging auf einmal alles zügig. 8 Tage später lag ich schon im Krankenhaus, TUR-B , vermutet wurde ein pT1-2, G3. 4 Tage nach der TUR-B gings nach Hause. Ich war ja der Meinung das das Thema gegessen sei. Der Tumor wurde ja entfernt und das wars. Pustekuchen, nach 14 Tagen rief mich der Uro zu Hause an und meinte ob mich das Ergebnis denn überhaupt nicht interessieren würde ? Ich zum Uro hin, Besprechung, pT2a G3, Blase muss raus. Das hat mir den Atem verschlagen und fast vom Stuhl gehauen.

14 Tage später lag ich im Krankenhaus... und hier gehts weiter.


Tag 1


Heute gegen 08:00 Uhr ging es ab ins Eschweiler Krankenhaus. Meine Gefühle waren äußerst mulmig, ja ich hatte richtig Schiss. Erst einmal die übliche Prozedur, Sono, Prostata vermessen, EKG gemacht, Blut aus dem Ohr. Alles bestens, keine Auffälligkeiten. Das war es dann für heute. Gegen Mittag gab es eine braune Brühe (sollte eine Ochsenschwanzsuppe sein) und 1 Flasche Astronautennahrung (schmeckte wie Vanille Milch). Ich hab das Zeug runtergewürgt, anderes gab es nichts. Meine beiden Bettnachbarn waren ein Türke und ein Italiener, beide sprachen kaum Deutsch. Auf dem Zimmer roch es nach Knoblauch und südländischem Essen. Deren Frauen schleppten Frauen Körbeweise das Essen an. Salate, Krabben, Fladenbrot..Knoblauchquark und was weiß der Geier.


Sorry Jungs, ich hielt diese Grüche mit meinem leeren Magen nicht aus und ging aus dem Zimmer nach unten ins freie.


Tag 2


Heute um 7:15 Uhr aufgestanden. Erst einmal geduscht und bei den Schwestern eine Tasse Kaffee abgestaubt. Um 9:00 Uhr gab es wieder diese braune Brühe und so eine Flasche von dieser komischen ekligen Milch. In meinen Gedanken male ich mir drei Brötchen aus, Nutella, 2-3 Eier. Nun, was nicht ist, ist eben nicht. Man macht sich Gedanken, bei jedem Toiletten gang fühlt man intensiv die Blase, beobachtet genau den Urinstrahl, prüft ob noch Blut darin ist. Je näher der Tag x kommt, desto ruhiger werde ich. Man fängt an sich innerlich von seiner Blase zu verabschieden. Ich weiß, wenn sie drin bleibt, bringt sie mich um. Ansonsten ist heute fast nichts gelaufen. Noch ein bisschen Fernseh geschaut, von der Nachtschwester eine Schlaftablette ergattert und geschlafen.


Tag 3


Wieder das gleiche Frühstück (es gab seit 3 Tagen immer nur das gleiche). Morgen ist der große Tag. Morgen kommt der Krebs raus und ich bekomme eine neue Blase. Irgendwie werde ich immer ruhiger, kann ich selber nicht verstehen.
Gegen Mittag kam die Schwester an und stellt mit 4 Flaschen a. 1 Ltr. Klare Flüssigkeit hin. So sagt sie, die müssen nun innerhalb der nächsten 4 Stunden getrunken werden. Es handelt sich hier um KLEANPREP. Sehen sie zu, dass sie immer eine Toilette in der Nähe haben. Naja, ich zog mir mal die erste Flasche auf ex rein. Schmeckte irgendwie glitschig und salzig. Und nach ca. 15 Min. ging’s los. Ab auf die Toilette, da kam ich die nächsten 30 Minuten auch nicht mehr runter. Die zweite Flasche ging langsamer rein, bei der dritten bekam ich schon Würgegefühle, die vierte war grausam.


Hinterher war ich auf jeden fall leer, leerer ging es nicht mehr. Gegen 17:00 bekam unser Türke wieder Besuch. Da kamen immer so um die 10-15 Personen gleichzeitig. Dann kam der Italiener Besuch, irgendwie kam ich mir vor wie auf dem Basar. Um 18:00 Uhr kam die Schwester mit einem eigenartigen Gerät vorbei. So, Herr Günzel, jetzt machen wir einen Hebe –Senk – Einlauf.. Ich sag noch, doch nicht hier auf dem Basar.. Doch, sie schickte die ganze Truppe raus und begann mit der Prozedur.. ätzend.. aber musste wohl sein. Danach kam der ganze Besuch wieder rein, einige waren voll am grinsen. Naja, egal, ich ging wieder raus, zurück gegen 20:00 Uhr, Fernseh, bisschen mit dem Handy gespielt, Schlaftablette (heute 2), und geschlafen.


Tag 4 (OP Tag)


So, nun ist der Tag X da. Ich hab noch mal schnell geduscht, mir das Leichenhemd übergezogen, Frühstück gab es nicht mehr, gegen 9:00 Uhr wurde ich im Bett nach unten in den OP gefahren. Man legte mir einen Rückenmarkskatheder um dort Morphine einzubringen, dann krabbelte ich noch auf den OP Tisch, und urplötzlich, innerhalb einer zehntel Sekunde gingen alle Lampen aus. Ich wachte wohl so gegen 18:00 Uhr wieder auf der Intensivstation auf. Meine liebe Frau und meine Tochter waren zu Besuch. Ich wurde noch künstlich beatmet, so konnte ich mich nur durch Augenzwinkern und Handheben bemerkbar machen. Meine Frau sagte mir später dass innerhalb der nächsten 5 Minuten am gleichen Tag die künstliche Beatmung entfernt wurde.


Ich bekam von dem allem nichts mit. Mir kam es so vor, dass sie mich kurz vor dem Besuch angeschaltet haben, wenn der Besuch weg war, wurde ich wieder ausgeschaltet. So hab ich von der Intensiv maximal 2 Stunden in Erinnerung.


Tag 5 (1. Tag nach der OP)


Noch Intensivstation, kann mich erinnern dass man mir ein Schnapsglas voll Wasser reichte. Das war ja das höchste was ich dort erleben durfte. Dann gingen die Lichter wieder aus. Meine Tochter zählte mal die Schläuche. Es waren 14 Stück wo was rein oder raus lief.


Tag 6 (2. Tag nach der OP)


Nachdem die Lampen wieder angingen, brachte man mich auf die normale Station. Musste in mein anderes Bett umsteigen. Man oh man, war ich Schlapp. 7 Beutel hingen an mir dran. Auf jeden Fall war ich froh das ich von der Intensiv runterkam. Auf der normalen Station konnten sie mich nicht dauernd an und ausschalten. Ich kam auf ein Einzelzimmer. Hatte richtige Bauchschmerzen, bekam Schmerzinfusionen und ein Schlafmittel. Habe dann bis zum nächsten Tag geschlafen.


Tag 7 (3. Tag nach der OP)


Wieder ein Tag weiter, das kann nur besser werden. Heute wurden 2 Schläuche und somit auch 2 Beutel entfernt. Aus 2 Wunddrainagen kamen die Dinger raus. War schon mal eine kleine Erleichterung. Jetzt hatte ich noch je einen Schlauch im linken und rechten Arm, einen Schlauch der direkt in die Brust ging (ZVK= Zentraler Venen Katheder), einen Schlauch direkt in die neue Blase durch die Bauchdecke, 2 Schläuche von den Nieren weg durch die Blase durch aus den Bauch heraus (Harnleiterschienen), und noch einen direkten Blasenkatheder. Da war
noch reichlich Plastik in mir drin. Es gab noch nichts zu essen, dafür aber schon reichlich zu trinken.


Tag 8 (4. Tag nach der OP)


Bin noch reichlich Schlapp, mache aber schon mit den Beinen ein paar Übungen. Hab mich dann aufgerafft und bin mit meinen ganzen Beuteln zur Toilette gewankt. Erfolgreich.. !! Die Schwester hätten das nicht sehen dürfen, die hätte wahrscheinlich getobt das ich allein aufgestanden bin. Fernseh geschaut, Besuch ist gekommen, mäßig geschlafen. Ich kann mich nicht auf die Seite drehen, diese ganzen Schläuche in mir drin bringen mich fast um. Ich hab inzwischen tierische Rückenschmerzen.

Tag 9 (5. Tag nach der OP)


Soweit alles klar, bis auf die Rückenschmerzen. Gegen Mittag schwillt mir der Hodensack auf das dreifache an. Das rechte Bein auf fast das doppelte. Kommt von der OP meinen die Ärzte, geht irgendwann wieder von allein weg. Naja, wers glaub wird selig. Neben kalten Schweißausbrüchen (kommt wohl von den Schmerzmittel Novalgin) geht es mir soweit ganz gut. Hab heute das erste Mal was zu essen bekommen.

Tag 10 (6. Tag nach der OP)


Man oh man.. das war eine lausige Nacht. Erst Darmkoliken ohne Ende, dann diese Schmerzen mit den Harnleiterschienen, hab nach der Schwester geklingelt, Schmerzmittel geben lassen, dann gab es wenigstens noch 3 Stunden Schlaf. Wenig gefrühstückt, wenig Mittag gegessen. Abführmittel bekommen. Nach ca. 40 Minuten ging’s los. Leute wenn Ihr so eine kleine Flasche mit 4 Tabletten bekommt, könnt Ihr euch warm anziehen. Die Toilette gehört euch für die nächsten 4 Stunden. Nach den 4 Stunden ging es meinem Darm besser. Ich war völlig erschöpft von dem Toilettengang
und zog mir erst einmal eine kalte Cola rein (war offiziell verboten). Aber egal, irgentwas musste ich mir gönnen.


Heute wurde aus 4 Beuteln 2 gemacht. Die beiden Harnleiterschienen und der Zystofix wurden in einen Beutel der mir auf dem Bauch geklebt wurde zusammengefasst. Von diesem kleinen Beutel floss der Urin dann in einen großen Beutel. Das war schon mal eine kleine Erleichterung. Jetzt hatte ich nur noch 2 Beutel mit rumzuschleppen. Das konnte man aushalten.


Tag 11 (7. Tag nach der OP)


In der Nacht ist der kleine Beutel undicht geworden. Ich wachte völlig nass von oben bis unten auf. Erst dachte ich „Mein Gott, was schwitzt du so“ , dann bemerkte ich es. Ich klingelte nach der Schwester die beide Hände über dem Kopf zusammenschlug. Dann ging’s los. Alten Beutel ablösen, alle Verbände ab, neuer Beutel drauf. Alles neu verbunden. T-Shirt ausziehen, ich ging duschen so weit es eben ging. Bett wurde völlig neu bezogen und dann wieder rein in die Heia. Hab danach gut geschlafen. Am Morgen kam der Pfleger und sagte, er habe schon gehört was da nachts los war. Er schaute sich den neuen Beutel an und meine der wäre auch undicht. (Recht hatte er, ich hatte es nur noch nicht bemerkt) Also, Beutel wieder ab, neuer Beutel dran. Aua, aua, diese Beutel kleben auf der Haut wie mit Sekundenkleber angebracht. Nach ca. 1 Stunde stellte ich dann fest, das dieser neue Beutel an der Plastiknaht ebenfalls undicht war. Also die ganze Prozedur noch einmal. Dieser Beutel sollte dann ein paar Tage halten.


Dann kam der ZVK raus. Tat absolut nicht weh. Wieder ein Stück weniger Plastik in mir. Hab etwas trainiert, bin die Flure auf und ab gelaufen, hab mal ein paar Treppen genommen, ging alles ganz gut.

Tag 12 (8. Tag nach der OP)


Endlich mal eine Nacht durchgeschlafen. Mit einer roten Pennpille und einer Buskopan war die Nacht gerettet. Das Frühstück hab ich komplett gegessen, insgesamt ging es mir heute recht gut. Es zwickt mal hier, sticht mal dort, egal da muss ich durch. Der Pfleger machte mir heute die Hälfte der Tacker raus. Denke darüber nach ob ich es wagen soll mal nach draußen zu gehen. Gesagt getan. Geduscht soweit es ging mit den Beuteln. Umgezogen, die Beutel in eine Umhängetasche gepackt, ab zum Aufzug und raus.


Erst einmal 60 Min. Sonne genossen. Joau, ich lebe noch. Hurra. Als ich wieder oben war läuft mir ein Arzt übern Weg, er meinte er müsse mit mir sprechen. Ich sag ihm er soll mal mit der Sprache rausrücken was los ist. Dann sagte er es mir mitten auf dem Flur. !! Herr Günzel, ich darf Ihnen mitteilen dass Sie vollkommen Tumorfrei sind. Die Histologie konnte keinen weiteren Metastasen oder Streuungen im umliegendem Gewebe oder in den Lymphknoten feststellen.


Das hat mich auf dem Flur umgehauen. Ich musste mich stützen, der Arzt brauchte mich aufs Zimmer. Ich musste mich erst einmal über diese frohe Botschaft beruhigen, ich rief dann meine Frau an, diese kam abends noch mit neer guten Flasche Rotwein an. Wir haben etwas gefeiert.


Tag 13 (9. Tag nach der OP)


Mäßig geschlafen, immer noch kein Stuhlgang, egal, biss Mittags gewartet, nach dem Essen gut geduscht, die Beutel in eine schwarze Tragetasche, ab zum Aufzug und ab nach unten. Jetzt stand ich vor der Frage.. ja oder nein.. Ich tendierte zu ja.. ab in den Kiosk, eine Packung Reval und ein Feuerzeug. Dann schnell in die Kantine, eine Cola gezapft und ab nach draussen. Puhh, fast 14 Tage nicht geraucht, voller Vorfreude die Packung auf, Feuer dran, ein tiefer Zug.. mano, war das geil.. voll geil sogar.


Tag 14 (10. Tag nach der OP)


Heute um 04:00 Uhr aufgestanden. 2 Kaffee getrunken, auf dem Gang auf und ab gegangen, mit der Nachtschwester etwas geredet. Konnte nicht mehr schlafen. Mit diesen Harnleiterschienen kann ich mich nicht nach links oder rechts drehen. Die Dinger liegen wie Drahtrollen in einen drin. Kreuzschmerzen ohne Ende.


Gegen 08:00 kommt so ein Jungspunt von Arzt und will bei mir Blut saugen. Ich gab ihm drei versuche, danach hab ich ihn weggeschickt. Der konnte es echt nicht. 15 Min. später kam eine Kollegin vom ihm und es ging raz faz. Gut gefrühstückt, mir machte Sorgen das es mit dem Stuhlgang nicht funktionierte. Der Pfleger kam, machte die restlichen Klammern raus und meinte der Zystofix kann auch raus. Einerseits war ich froh, aber andererseits die ganze Prozedur mit dem Beutel. Der musste nämlich ab um an das teil heranzukommen. Egal dachte ich mir, wieder ein Stück Plastik raus.


Tag 15 (11. Tag nach der OP)


Heute mal wieder gut geduscht. Ist ein lästiges Unternehmen mit den Beuteln. Jetzt sind aber alle Tacker raus, der Verband ist runter und das mit dem Duschen geht jetzt von Kopf bis Fuß. SUPER..!!!


Immer noch kein Stuhlgang, ich press was die Muskeln hergeben, meine Augen stehen vom drücken 5 cm weiter draußen, es geht aber nichts. Shit !!


Dann höre ich das die mir gegen Mittag beide Schienen anspülen wollen. Ich verstehe nicht warum. Der Urin läuft wie warme Butter in die Beutel aus beiden Schienen. Das würde bedeuten, Beutel wieder ab.. Als der Pfleger kommt beschwöre ich Ihn, das spülen zu lassen. Das Spülen tat nämlich höllisch weh. Zwar nur für einen kurzen Augenblick, aber ich hab es schon mal mitgemacht und mir langte das. OK, meinte er, wenn einer fragt sagte ich ihm, er hätte gespült. So bin ich da noch mal dran vorbei geschrabt.


Gegen Nachmittag kam ein anderer Pfleger und meinte ich müsse noch mal ein Abführmittel einnehmen. Mir stand der Angstschweiß auf der Stirn. Zum Glück war es ein anderes sanfteres Mittel. Den Rest des Tages verbrachte ich ganz gut. Gegen Abend stellte man bei mir leichtes Fieber
fest (38,5).


Tag 16 (12. Tag nach der OP)


Eine Shit Nacht gehabt. Trotz Abführmittel ging nichts. Bei der Visite sagten Sie dass heute eine Schiene rauskommt. Der Pfleger machte dies locker und sanft. Zwar wieder Beutel ab, aber ein Stück Plastik weniger in mir. Mein Gott, war das Teil lang, ich glaube so um die 40 cm. Hurra ich bin es los. Aus beiden Schienen wurde vorher noch Urin gezapft.


Gegen Nachmittag musste ich noch mal in den sauren Apfel beißen. Ich bekam das hammerharte Abführmittel. Danach gehörte die Toilette für mindestens 4 Stunden mir. Danach war ich wieder völlig fertig aber leer.


Irgendwie freute ich mich, eine Schiene war raus und ich probierte gleich aus ob ich mich auf diese Seite legen konnte. Hurra es klappte!! super. Die Kreuzschmerzen ließen nach.

Tag 17 (13. Tag nach der OP)


Heute sieht die Welt schon wieder etwas besser aus. Fieber ist weg (36,3), frisch geduscht, gecremt, frische Klamotten, so lässt es sich leben. Heute soll die zweite Schiene raus. Hurra. Das vorletzte Stück Plastik raus. Ich kann mich wieder drehen und wenden im Bett wie ich möchte. Das ist fast wie 6 richtige im Lotto.


Bei der Visite sag ich denen dass die mittleren 3 Zehen vom linken Fuß ständig eingeschlafen sind. Leichtes Schulterzucken war die Antwort. Das ist nicht so wichtig und soll angeblich irgendwann von allein weggehen. Lassen uns mal überraschen. Gegen Mittag kam der Pfleger und zog die Zweite Schiene raus. Hurra, Hurra. (Was ist eigentlich eine Harnleiter Schiene??) Das hab ich mich auch die ganze Zeit gefragt: Das ist ein Plastikröhrchen, ca. 2 mm dick, ziemlich stabil welche durch die Bauchdecke in die neue Blase, von da innen in den Harnleiter bis hoch zum Nierenbecken geht. Dadurch wird in den ersten Tagen die neue Blase vom Harn entlastet weil dieser durch das Röhrchen geht.


Tag 18 (14. Tag nach der OP)


Super gut geschlafen. Konnte mich drehen und wenden wie ich wollte. Das war ein tolles Gefühl beim Einschlafen. Fast wie neu geboren. Die Nieren funktionierten einwandfrei, der Urin lief durch die neue Blase ab in den letzten Beutel. Hurra, wir scheinen es geschafft zu haben.


Tag 19 (15. Tag nach der OP)


Super gut geschlafen. Bei der Visite sagte man mir dass ich morgen eventuell übermorgen nach Hause kann. Super !! Innerlich war ich echt aufgeregt. Bin noch relativ schlapp in Armen und Beinen, aber egal, Hauptsache raus hier. Morgen soll der allerletzte Katheder raus gezogen werden. Ich freue mich darauf endlich ohne Beutel durch die Gegend ziehen zu können. Gegen Nachmittag setze ich mich runter in die Kantine und schlürfe erstmal in Ruhe eine große Cola. Plötzlich steht so ein Weißkittel vor mir und fragt ob ich Herr Günzel bin. Ich bejahe, er meint ich hätte mir hier im Krankenhaus einen multiresistenten Krankenhauskeim zugezogen und ich solle doch bitteschön sofort auf mein Zimmer gehen und diese nicht mehr verlassen.


GLÜCKWUNSCH, so ein Mist, scheint als kann ich meinen Entlassungstermin vergessen. Eine Stunde später erscheint ein Arzt total vermummt im Grünkittel mit Gummihandschuhen und Mundschutz und meint ich müsse wohl doch noch mindestens 3-4 Tage länger bleiben.


Das zog mich tief, unendlich tief nach unten. Ich hätte alles an die Wand hauen können. Danach kam ein vermummter Pfleger und nahm Abstriche aus dem Rachen und der Nase. Auf das Ergebnis müsste ich mindestens 3 Tage warten, und! wenn da nix ist, könne ich nach Hause.


Tag 20 (16. Tag nach der OP)


Nix besonderes los. Absolut langweilig hier, darf das Zimmer nicht verlassen, der Besuch muss sich umziehen und vermummen. Absolut hirnrissig das ganze. Pfleger und Schwestern lassen sich hier selten bis gar nicht sehen. Sogar mein Bett muss ich mir selber machen. Die haben keine Lust sich umzuziehen.


Tag 21 (17. Tag nach der OP)


Gut geschlafen, 8 Stunden am Stück. Das Frühstück muss ich mir an der Tür abholen. Ich komme mir vor wie in Einzelhaft, voll ätzend. Voll langweilig hier, ich lese viel, schaue Fernseh, ab und zu kommt draußen mal ein Vogel vorbei der aber auch nicht grüßt weil es dem wohl Shitegal ist wer da liegt und was er hat.


Tag 22 (18. Tag nach der OP)


Wieder gut geschlafen, wohl aus Langeweile. Bei der Visite bleiben sie bei mir alle an der Tür stehen und rufen mir zu. Heute wird es wohl noch nichts, die Ergebnisse sind noch nicht da. Als wenn die nicht wüssten wie lange so was dauert. Aber die überbringen wohl lieber schlechte Nachrichten häppchenweise.


Total langweilig hier, fange schon an im Kreis zu gehen.


Gegen Nachmittag klopft eine Schwester UND !! oh Wunder, sie kommt ohne Vermummung rein. Sie bringt die frohe Botschaft dass ich keimfrei bin. Die Isolation ist aufgehoben. Endlich und Hurra. Ich hab mich sofort umgezogen und bin erstmal sofort nach draußen. Dann musste ich schnell nach unten, der letzte Katheder sollte raus. Endlich. Unter Durchleuchtung ging das ruck Zuck, es tat nicht weh und
das Wasser lief, ich konnte keinen Tropfen aufhalten. Also erstmal eine Vorlage rein und ich war erstmal frei.


Tag 23 (19. Tag nach der OP)


Super geschlafen, halte noch keinen Tropfen auf. Hab in der Nacht 2-mal die Vorlagen gewechselt. Egal denke ich mir, das kommt schon wieder das wird trainiert und wird in ein paar Wochen wieder funktionieren. Heute darf ich das Krankenhaus endlich verlassen. Gegen 10:00 Uhr holt mich meine Frau ab.


Ich war der Meinung das ich einigermaßen fit war, Zuhause aber war mir jeder Grashalm zuviel. Innerhalb weniger Tage war ich aber wieder einigermaßen fit, hab 2 KG zugenommen und das mit dem Wasserhalten klappt immer besser.

Ich war den Krebs los, zwar zog es noch hier und da, die Narbe schmerzte immer etwas, mal mehr mal weniger, aber es geht, es ist zum aushalten.


Einige Tage später ging es ab in die AHB (Anschlussheilbehandlung)

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