Das Kondom-Urinal

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  • Das Kondom-Urinal


    Das Kondom-Urinal ist ein Hilfsmittel, welches - bisher - nur von männlichen Patienten bei einer Harninkontinenz verwendet werden kann.


    ( Anm.: Allerdings bekam ich letzte Woche - am Mittwoch, dem 09.04.08 - den Anruf einer Herstellerfirma, in welchem mir mitgeteilt wurde, dass wohl in Kürze ein "weibliches Kondomurinal" auf den Markt kommen würde.
    Nachtrag vom 22.12.12 : Das ist wohl nix geworden.......
    )


    Es hat die Form eines Kondoms mit einer Anschlussmöglichkeit für einen Schlauch.


    Für die Versorgung der männlichen Harninkontinenz stellen Kondom-Urinale eine sinnvolle Alternative sowohl zu aufsaugenden Hilfsmittel wie Vorlagen oder Windeln als auch zum Dauerkatheterismus dar. Voraussetzung ist, dass der Anwender seine Blase ohne signifikante Restharnmengen entleeren kann. Eine gesunde Penishaut und ausreichende Penislänge und –umfang sollten vorhanden sein. Für Patienten mit retrahierendem Penis werden spezielle Produkte angeboten.


    Wichtig ist die individuelle Anpassung. Der Fachhandel bietet hierzu Meßschablonen bzw. Maßbänder an. Kondom-Urinale werden in unterschiedlichen Arten und Größen angeboten.


    Viele Kondom-Urinale besitzen ein Reservoir, um bei einem schwallartigen Harnverlust diesen Harn aufzufangen und dann abzuleiten


    Wenn der Betroffene die richtige Form und Größe verwendet, bieten die heutigen Kondom-Urinale in Verbindung mit einem Bein- oder Bettbeutel eine sichere und hygienische Anwendung. Die korrekte Anlage bedarf einer gewissen Fingerfertigkeit, ist diese eingeschränkt, kann die Anlage auch durch eine Fremdperson erfolgen.


    Kondom-Urinale werden aus Silicon oder Latex hergestellt.


    Wegen einer möglichen Latex-Allergie sollten Kondom-Urinale aus Silicon bevorzugt verwendet werden.


    Auf dem Markt werden unterschiedliche Varianten der Befestigung angeboten :


    Erstens das Kondom-Urinal, welches mittels eines aufzubringenden Hautklebers oder eines Haftstreifens am Glied befestigt wird und zweitens das gebrauchsfertige Kondom-Urinal, welches mit einem Hautkleber versehen ist.


    Latex Kondom-Urinale sollten wegen des Risikos einer Latex-Allergie nur vorübergehend und wegen möglicher Hautschädigungen nicht länger als einen Tag getragen werden.


    Kondom-Urinale aus Silicon können zur Langzeitversorgung bis zu 48 Stunden verwendet werden, da das verwendete Silicon besonders hautfreundlich ist.


    Bei Kondom-Urinalen mit Hautkleber oder Haftstreifen ist die Befestigung am Penis mit besonderer Sorgfalt auszuführen, um eine sichere Dichtigkeit zu gewährleisten.


    Der Hautkleber wird auf den Penis in einer Länge von ca. 40 mm aufgetragen und gut verteilt. Nach kurzer Wartezeit wird das Kondom-Urinal auf den Penis gerollt und rundum gut angedrückt.


    Beim Haftstreifen wird dieser ca. 20 mm unterhalb der Eichel um den Penis gerollt. Überflüssiger Haftstreifen wird abgeschnitten, damit sich die Streifen nicht überlappen und dadurch dem Harn eine Möglichkeit bieten, auszutreten.


    Dann wird das Kondom-Urinal ebenfalls auf den Penis gerollt und gut angedrückt.


    Einfacher zu handhaben sind gebrauchsfertige, mit einem Hautkleber versehene Kondom-Urinale.


    Diese werden wie ein Kondom auf den Penis gerollt und angedrückt.


    ( Manche Anwender halten das selbstklebende Kondom-Urinal für unsicherer als die Befestigung mit Hautkleber oder Haftstreifen. )


    Allerdings sind diese selbstklebenden Kondom-Urinale für Anwender mit gestörter Motorik viel einfacher anzulegen.


    Ich selbst verwende - ohne gestörte Motorik - ausschliesslich selbstklebende Kondomurinale und habe noch keine Panne mit dem Kleber erlebt.


    ( Und sollte es doch einmal passieren : Ich habe natürlich eine Saugmatte unter meinem Bettlaken zu liegen )


    Alle Kondom-Urinale haben eine Rücklaufsperre, welche das Zurückfließen des Harns unterbindet.


    Bei der Hautpflege des Gliedes sollten rückfettende Seifen oder Gels ebenso vermieden werden wie Öle oder eine Körperlotion, damit der Kleber richtig wirken kann.


    Bei einer Harninkontinenz kann unter Verwendung des Kondom-Urinales auf eine Vorlage oder Windel komplett verzichtet werden.


    Kondom-Urinale sind besonders bei einer nächtlichen Harninkontinenz von erheblichem Vorteil.


    Der Harn wird in einem am Bett eingehängten Bettbeutel gesammelt. Der Betroffene liegt nicht die ganze Nacht im Urin. Die morgendliche Entsorgung ist sehr einfach und geruchlos und vermeidet den bei Windeln nun einmal anfallenden Müll.


    Allerdings ist das Kondom-Urinal für Menschen, welche sich regelmäßig z.B. wegen einer neurogenen Blasenentleerungsstörung katheterisieren müssen, nur bedingt geeignet. Verschiedene Hersteller bieten aber auch hier Lösungen. Anstelle des Kondom-Schlauchansatzes wird eine abnehmbare Kupplung als Verbindung zum Urinbeutel verwendet. Diese Kupplung kann abgenommen und das Kondom mit einem Spreizring geweitet und über den Penisschaft zurückgeführt werden, so dass die Penisspitze zum Desinfizieren und Katheterisieren frei liegt. Danach wird das Kondom wieder in die ursprüngliche Position geführt und an das bestehende Ableitungssystem gekoppelt. Dieser Vorgang lässt sich beliebig oft wiederholen.


    Gegenüber einem Dauerkatheter besteht der Vorteil, dass ganz normale Urinbeutel verwendet werden und nicht die sterilen Urinbeutel, welche bei einem Dauerkatheter unbedingt nötig sind.


    Auch ist den Bakterien nicht - wie bei einem Dauerkatheter - der direkte Weg in die Blase geöffnet.


    Die durch transurethrale Blasenverweilkatheter – als mögliche Folge von Verletzungen der Harnröhre, der Blaseninnenwand und aufsteigenden Infektionen – ausgelösten Harnröhrenfisteln, Blasenentzündungen und andere Erkrankungen werden bei der Verwendung von Kondom-Urinalen vermieden.


    Persönliche Anmerkung :


    Ich verwende Kondom-Urinale seit Herbst 2004.


    Durch eine radikale Zystektomie mit ortothoper Neoblase im Nov. 2003 bin ich nachts total inko.


    In dieser Zeit ist es einmal ( !! ) passiert, dass sich der Schlauch vom Kondom gelöst hat.


    Allerdings habe ich aber auch kein Problem damit, mich im Bett von der einen auf die andere Seite zu werfen.


    Natürlich verwende ich trotzdem eine entsprechende Unterlage unter dem Bettlaken


    Nachtrag vom 11.04.11 : In den sieben Jahren, die ich jetzt Kondom-Urinale verwende, ist es zweimal zu einem "Unfall" gekommen. Einmal ist mir das Kondom abgerutscht und einmal ist der Schlauch abgegangen


    Einmal um sich selbst zu drehen sollte man aber tunlichst vermeiden, sonst fesselt man sich selbst, hi, hi.....


    Etwas besseres als ein Kondom-Urinal zur Vermeidung von Hautschäden, Müll und Gestank gibt es nicht.


    Und das Durchschlafen ist gesichert. Glaubt es mir, ich kenne das......


    Abends Kondom draufrollen, Schlauch des Bettbeutels anschliessen, morgens Kondom abrollen, ab in die Tonne, Bettbeutel leeren, Lümmel waschen, Bettbeutel ausspülen ( ich verwende Bettbeutel eine Woche lang und spüle sie aus, indem ich oben in einer Ecke einen Schlitz von ca. 30 mm Länge reinschneide, durch welchen ich dann heißes Wasser laufen lasse und den Beutel gut durchspüle ), Bettbeutel aufhängen, fertig.


    Kondom-Urinale kann man nicht zweimal verwenden, daher erübrigt sich eine Frage nach der Säuberung.


    Du bekommst sie auf Rezept in jedem Sanitätshaus.


    Dein Urologe wird sie Dir verschreiben. Kondom-Urinale und Bettbeutel sind Hilfsmittel und belasten nicht sein Budget !!


    Ich nehme immer 90 Stück Kondom-Urinale und 12 Stück Bettbeutel auf einmal, damit ich 3 Monate Ruhe habe......


    Das Kondom-Urinal sollte aber gut passen.


    Es liegt den Kondomen eine Meßschablone bei, mit welcher Du den richtigen Durchmesser ermitteln kannst.


    Nicht angeben oder Dir selbst was vormachen, so dick, wie Du glaubst, isser gar nicht, hi, hi.....


    Wenn das Kondom zu gross ist, wird es nicht richtig dicht, ( Faltenbildung ), wenn es zu klein ist, verengst Du Deine Harnröhre und kannst nicht mehr richtig pinkeln.


    Wenn Du schwallartige Entleerungen hast, solltest Du ein Kondom mit einem Reservoir verwenden.


    Diese gibt es mit unterschiedlichem Fassungsvermögen.


    Wenn Du einen permanenten, langsamen Harnabgang hast, dann sind Kondome ohne Reservoir, also recht kurze, festere Kondome, besser geeignet.


    Durch Versuche habe ich aber festgestellt, dass auch diese kurzen Kondome meinen - gewollt massiven - Harnstrahl ohne jedes Problem ableiten.


    Allerdings sollte man nicht vergessen, abends das Ventil am Bettbeutel zu schliessen. ( Ist mir schon mehrfach passiert )


    Es gibt dafür sog. Auffangbeutel, die noch über den Bettbeutel gestülpt werden, aber das ist mir viel zu unbequem.


    Ich habe mir eine große Butterbrotdose geholt und stelle eine Hälfte davon so weit unter das Bett, daß der Bettbeutel darin einhängt.


    Sollte ich mal vergessen, dann wird der Harn in diesem Behälter gesammlt und fließt nicht durch das ganze Zimmer oder versaut den Teppichboden.


    So eineinhalb Liter, wie bei mir, machen dann schon einen mächtig großen Flecken.


    Besonders in einem Hotel wäre dies etwas irritierend, hi, hi.....


    Und die Entsorgung ist dann auch sehr einfach.


    Morgens schiebe ich den Behälter mit dem Fuß unter das Bett und weg isser.....


    Diesen furchtbare Frust mit vollgeschifften, klatschnassen Windeln, die ganze Nacht im Harn liegen, morgens das Auspellen aus der Windel, der Geruch, der Müllanfall, dies alles kann man sich durch ein Kondomurinal ersparen.


    Gruß


    Eck :ecke:hard


    Hinweis Bild: Quelle = Von SVI-Helmut aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5397571

    • Erst einmal eine Frage :
      Wieso wird ein Beitrag von Uro Thellius über Rainer eingestellt ?
      Kann Uro Thelius dies nicht selbst ?
      Zur Sache :
      Also ich verwende jetzt das Kondomurinal gut 13 Jahre lang und hatte niemals, also wirklich niemals, Probleme mit dem Draufrollen oder dem Abziehen.


      Draufrollen :
      Mache ich, nachdem ich gebadet habe. Dann ist der Lümmel recht ansehnlich. Aber er muss vor dem Draufrollen richtig trocken sein. Dies erledige ich mit einem vorgewärmten Handtuch.
      Jetzt drücke ich mit der linken Hand Blut in den Lümmel, damit er schön groß und prall wird, ( wie früher, hi, hi.... )
      Dann setzte ich mit der rechten Hand, ( ich bin Rechtshänder ), das Kondom auf die Eichel und rolle es dabei mittels der Finger meiner rechten Hand bereits etwas runter.
      Dann greife ich mit der linken Hand, ( mit Daumen und Zeigefinger ), hinter die bereits vom Kondom bedeckte Eichel, ziehe mit der rechten Hand über des Anschlusses am Kondom den Lümmel lang und rolle das Kondom ganz ab.
      Mit der Hand nochmals rundum drücken, fertig.


      Abziehen :
      Meine Kondome sind am unteren Rand ohne Kleber. So etwa 6-8 mm. Da greife ich mit dem Daumen drunter, packe dann mit den Zeigefinger ebenfalls zu, ziehe den Lümmel über den Anschluss des Kondomes richtig lang und ziehe das Kondom schräg mittels Daumen und Zeigefinger mit einem Zug runter. Überhaupt kein Problem !
      Uro, ich denke, Du verwendest falsche Kondomurinale.
      So ist es z.B. bei mir noch nie vorgekommen, dass meine Eichel mit dem Kondom verklebt war. Bis dahin reicht der Kleber gar nicht.
      Und ich ziehe auch vor dem Draufrollen nicht die Vorhaut von der Eichel, sondern gegenteiligerweise etwas über die Eichel, so dass diese halb bedeckt ist. Die Klebelänge bei meinem Kondom beträgt so um die 30,00 mm, mehr nicht.


      Gruß
      Eckhard

    • Von Uro Thelius:
      Hallo,
      hier werden Urinal-Kondome über den Schellenkönig gelobt. Da kann ich leider - aus erlittenem Leid - nicht mitmachen.
      In der Reha kam man auf die Idee, es mit einem solchen Kondom zu versuchen, selbstklebend und vorher genau vermessen, versteht sich. Doch allein schon das Anlegen war eine klebrig-vertrackte Angelegenheit. Das Ablegen hingegen war die Hölle. Sollte ich in meinem sexuellen Leben je mich versündigt haben, meine ich die Strafe dafür schon erhalten zu haben. Die feine Penishaut und die blanke Eichel mussten milimeterweise wieder befreit werden, die Schmerzen zwangen mich, laut zu werden. Jammernd und stöhnend musste ich die Prozedur zu Ende machen; man kann ja nicht mit einem halb abgenommenen Kondom herumlaufen.
      Warum schreibt hier niemand darüber? Lieber lege ich für ein paar Stunden in der Nacht mein gesamtes Gemächte in den Seni Super Man, da liegt man dann auch nicht im Urin, weil alles gut aufgesaugt wird. (Momentan bin ich immer noch in der Phase herauszufinden, ob ich den Wecker stelle für die Konditionierung einer kontrollierten Blasenentleerung oder ob es reicht, bei vorübergehendem, spontanen Aufwachen mich zu entleeren.)
      Bin gespannt, welche besonderen Verhältnisse Ihr bei mir vermutet...
      Es grüßt Euch
      Uro