Linkeinträge von "Hexe †"

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  • Das Urostoma


    Das Urostoma gehört zu den inkontinenten Harnableitungen, d.h. aus einer Öffnung (Stoma) in der Bauchdecke sickert ständig der von der Niere produzierte Urin.
    Das übliche Urostoma ist ein sogenanntes Conduit (von conduire=führen). Zur Herstellung eines Conduits wird aus dem Darmtrakt ein etwa 10-20 cm langes Stück herausgetrennt, wobei die Blutversorgung erhalten bleibt. Die durchtrennten Darmteile werden wieder miteinander vernäht.
    In das eine Ende des entnommenen Darmfragments werden die beiden Harnleiter implantiert und das andere Ende wird durch eine Öffnung in der Bauchdecke nach außen geführt und prominent mit dieser vernäht. Bei Verwendung eines Dickdarmstücks spricht man von einem Kolon-Conduit, bei Verwendung eines Fragments aus Dünndarm von einem Ileum-Conduit.


    Zum Auffangen des von der Niere produzierten Urins ist eine Beutelversorgung erforderlich. Dazu stehen einteilige und zweiteilige Systeme zur Verfügung. Basis beider Systeme ist eine Platte, die passgenau um das Stoma auf die Bauchdecke geklebt wird. Bei der einteiligen Versorgung ist der Auffangbeutel fest mit der Platte verbunden; mit jedem Beutelwechsel erfolgt demnach auch immer ein Wechsel der Platte. Eine zweiteilige Versorgung besteht aus einer Basisplatte mit Rastring, die rund um das Stoma auf die Bauchdecke aufgeklebt wird. Diese Platte kann 2-3 Tage auf der Haut verbleiben. Die Beutel werden auf dem Rastring der Basisplatte fixiert und können unabhängig vom Plattenwechsel erneuert werden. Die Urostomiebeutel haben zum einen eine Rücklaufsperre, um zu verhindern, dass Urin zurück ins Conduit und die Harnleiter gelangt, und zum anderen eine Abflussöffnung, durch die der aufgefangene Urin abgelassen werden kann. Für eine ungestörte Nachtruhe wird an den recht kleinen Urostomiebeutel ein Nachtbeutel angeschlossen, der bis zu zwei Litern Flüssigkeit aufnehmen kann.


    Mögliche Probleme mit dem Urostoma


    • Hautirritationen: Durch Hautunebenheiten oder Unverträglichkeiten des Klebers der Basisplatten können Hautirritationen enstehen. Mit Hilfe spezieller Hautschutzprodukte und/oder eines eventuellen Wechsels des Produkts lassen sich diese Komplikationen meistens schnell beheben.
    • Schleimbildung: Da das Conduit aus Darmschleimhaut besteht, ist eine gewisse Schleimbildung normal. Im Laufe der Zeit sollte sie aber fast völlig verschwinden. Verstärkte Schleimproduktion könnte allerdings ein Hinweis auf einen Harnwegsinfekt sein und bedarf der Abklärung durch den Arzt
    • Bluten des Stomas: Die Schleimhaut des Stomas ist sehr empfindlich und kann leicht einmal bluten. Das ist nicht weiter bedenklich, solange die Schleimhaut weiterhin eine gesunde rosarote Färbung aufweist.
    • Retrahiertes Stoma: Gelegentlich kommt es vor, dass sich das Stoma unter Bauchdeckenniveau zurückzieht. Mittels konvexer Basisplatte lässt sich ein retrahiertes Stoma meistens ohne ärztlichen Eingriff problemlos weiterhin versorgen.
    • Stomaprolaps: In seltenen Fällen, unter anderem auch durch Veränderungen des Körpergewichts kann das Stoma weit aus dem Körperinneren herausgleiten. In solchen Fällen ist oftmals eine chirurgische Korrektur erforderlich
    • Neoplasien Wie bei allen Harnableitungen, bei denen Darmschleimhaut mit Urin und Urothelgewebe in Kontakt kommt, besteht auch beim Urostoma nach vielen Jahren die Gefahr bösartiger Neubildungen, die man durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen jedoch frühzeitig entdecken und beseitigen kann.


    Eine sehr seltene Form des Urostomas ist die Harnleiter-Hautfistel, das Ureterocutaneostoma, Dabei werden die Harnleiter direkt ohne Conduit aus der Haut ausgeleitet. Da die Gefahr sehr groß ist, dass sich die Öffnung in der Haut sehr schnell wieder schließt, werden Harnleiter-Hautfisteln immer geschient. Dazu wird ein dünner Katheter durch den Harnleiter bis ins Nierenbecken vorgeschoben. Durch eine Krümmung am oberen Ende wie ein Schweineschwänzchen (pigtail) fixiert sich ein solcher Katheter selbst. Das Ureterocutaneostoma ist überwiegend eine Notlösung, da hierfür zwar nur ein minimal-invasiver Eingriff nötig ist, aber eine permanente Gefahr aufsteigender Infektionen insbesondere auch des Nierenbeckens besteht. Auch dieses Stoma bedarf einer Beutelversorgung.


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  • Die Neoblase mit Bauchdeckenanschluss - Pouch



    Der Pouch gehört zu den kontinenten Harnableitungen.
    Pouch ist englisch und heißt Beutel; eine Pouchblase ist demnach ein Sammelbeutel für Urin.
    Der Pouch wird, wie zur Zeit jede Ersatzblase aus dem eigenen Darm konstruiert. Obwohl mittlerweile diverse Modifikationen stattgefunden haben bezüglich der verwendeten Darmabschnitte und Operationstechniken, hat sich für die Neoblase mit Bauchdeckenanschluss die Bezeichnung Mainz-Pouch 1 etabliert.



    Zur Herstellung einer Ersatzblase mit Bauchdeckenanschluss wird ein etwa 80-100 cm langes Darmstück aus dem Magen-Darm-Kanal herausgetrennt, wobei die Blutversorgung erhalten bleibt. Die verbliebenen Darmteile werden wieder miteinander verbunden.
    Das entnommene Darmstück wird längs aufgeschnitten und zu einer Platte zusammengenäht, aus welcher man ein kugeliges Reservoir, den Pouch konstruiert. Dadurch wird auch die natürliche Kontraktionsbewegung des Darms ausgeschaltet. In diesen Beutel werden die beiden Harnleiter eingepflanzt, sodass der von den Nieren produzierte Urin in die neue Blase fließen kann. Um die neue Blase leeren zu können, wird sie durch ein Anschlußstück, ebenfalls aus Darm, mit einer Öffnung in der Bauchdecke verbunden, meistens aus kosmetischen und funktionellen Gründen im Nabel; diese Öffnung nennt man Nabelstoma. Das Anschlussstück funktioniert wie ein Ventil, das bei steigendem Füllungsdruck des Pouch komprimiert wird und diesen “wasserdicht” verschließt. Zum Leeren der Blase wird ein dünnes Plastikröhrchen, ein Katheter, durch das Anschlußstück in den Pouch geschoben, wodurch der Urin problemlos abfliessen kann.


    Mögliche Folgeprobleme einer Ersatzblase
    Die neue Blase ist aus Darmschleimhaut, woraus sich folgende Probleme ergeben können:


    • Schleimbildung: die Darmschleimhaut produziert immer noch Schleim, der sich jedoch durch reichliche Trinkmengen so dünnflüssig halten lässt, dass er problemlos mit dem Urin ausgeschieden werden kann
    • Metabolische Azidose: die Darmschleimhaut behält ihre Fähigkeit, Salze zu resorbieren bei. Dadurch gelangen Elektrolyte, die zur Ausscheidung vorgesehen sind, zurück in den Blutkreislauf. Daraus kann eine metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung) enstehen, die man aber leicht mit Hydrogencarbonaten abpuffern kann.
    • Durchfälle: abhängig von den zur Herstellung der Ersatzblase verwendeten Darmabschnitten kann es zu verminderter Resorption von Gallensäuren kommen. Diese gelangen in den Dickdarm, wo sie u.a. durch Reizung Durchfälle verursachen. Mithilfe von Medikamenten z.B. Austauscherharzen kann man diese Durchfälle verhindern.
    • Vitamin B12 Mangel: sehr häufig wird das terminale Ileum zur Herstellung einer Ersatzblase verwendet; als Folge fehlt der Resorptionsort für bestimmte Vitamine, insbesondere Vitamin B12. Etwa drei bis fünf Jahre nach Bildung einer Neoblase sind die körpereigenen Speicher erschöpft. Vitamin B12 muss dann per Injektion substituiert werden.
    • Steinbildung in der Neoblase: manche Neoblasen neigen zur Steinbildung; durch reichliches Trinken lassen sich diese jedoch meistens verhindern. Kleine Steine können ambulant zertrümmert und dann auf normalem Wege ausgeschieden werden.
    • Neoplasien: an den Verbindungsstellen von Darmschleimhaut mit Urothel besteht gelegentlich die Gefahr bösartiger Neubildungen. Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen werden diese jedoch frühzeitig erkannt und entfernt

    Pouchspezifische Probleme


    • Inkontinenz: eine gefürchtete Komplikation des Pouch ist eine Undichtigkeit des Kontinenzmechanismus`. Normalerweise dauert es am Anfang ein wenig, ehe die neue Blase soviel Füllungsdruck ausübt, dass das Ventil völlig sicher abdichtet. Gelegentlich findet man eine Überlaufinkontinenz bei Überfüllung durch zu große Katheterisierungsintervalle. In seltenen Fällen ist allerdings der Kontinenzmechanismus irreversibel beschädigt und muss durch eine Revisionsoperation korrigiert werden.
    • Stomastenose: Gelegentlich kommt es durch Vernarbungen zu Verengungen des Anschlussstückes, so dass es nicht mehr möglich ist, einen Katheter einzuführen. Durch eine Schlitzung kann diese Verengung beseitigt werden

    informationsheft_ersatzblase-mit-bauchdeckenanschluss_pouch.pdf

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  • Wenn ein muskelinvasives Harnblasenkarzinom metastasiert ist, wird den Patienten nahezu immer eine systemische Chemotherapie empfohlen, unabhängig davon, ob die befallenen Lymphknoten bzw. Organe/Metastasen vollständig reseziert werden konnten oder nicht.


    Die Kombination der ersten Wahl zur Chemotherapie besteht aus den Substanzen Cisplatin und Gemcitabin. Beide Zytostatika werden intravenös appliziert, sind hoch wirksam und haben z.T. sehr belastende Nebenwirkungen.


    Dank moderner Arzneimittel lassen sich diese Nebenwirkungen, wenn schon nicht eliminieren so doch zumindest erträglicher gestalten.


    Cisplatin:
    diese Substanz gehört zu den hoch emetogenen Zytostatika, d.h. verursacht nahezu unstillbares Erbrechen. Außerdem ist sie hoch nierentoxisch und schädigt alle sich schnell teilenden Zellen. Das sind neben den Krebszellen die des Blut bildenden Systems und der Schleimhäute.
    Was sind die Folgen und wie steuert der Arzt gegen?


    • Das Zytostatika bedingte Erbrechen wird heutzutage mit "Aprepitant"(Emend) verhindert. Man nimmt am Tag vor der Zytostatikagabe eine Tablette mit 125 mg, am den beiden folgenden Tagen je eine Tablette mit 80 mg Wirkstoff. Cisplatin kann aber auch das sogenannte verzögerte Erbrechen verursachen, das erst Stunden oder Tage nach der Applikation auftritt. Deshalb sollten die Patienten eine bedarfsorientierte Medikation zur Verfügung haben, um sofort handeln zu können. Diese Medikation besteht aus Dexamethason und einem Setron (Granisetron, Ondansetron, Palonosetron, Topisetron). Bei schlechtem Ansprechen bietet sich ein Wechsel des Setrons auf ein anderes Setron an.


    • Um die Nierentoxizität zu verringern darf das Cisplatin erst infundiert werden, nachdem der Patient gründlich "gewässert" wurde (Prähydratation), meistens unter Zusatz von Mannitol(dosisabhängig), um die Ausscheidung zu beschleunigen, und der Patient innerhalb von 30 Minuten mindestens 250ml Harn ausgeschieden hat. Ebenso muss eine Posthydratation erfolgen, um eine rasche Ausscheidung des Zytostatikums zu sichern. Ausserdem sollte der Patient reichlich trinken.

    Des weiteren können noch starke Kopfschmerzen auftreten, die sich sowohl wegtrinken als auch mit normalen Schmerzmitteln z.B. Ibuprofen behandeln lassen.
    Schmerzhafte Wasseransammlungen in den Beinen können mit einem Diuretikum (kein Schleifendiuretikum) therapiert werden.
    Schleimhautschäden äussern sich in Durchfällen und teils schmerzhaften Mundläsionen. Gegen die Beschwerden der Mundschleimhaut hilft das Lutschen von Eiswürfeln, Spülungen mit Salbeitee und das Vermeiden scharfer und saurer Speisen. Die Durchfälle behandelt man am einfachsten mit Gerbstoffen (Tannacomp).
    Manche Patienten verlieren ihre Haare. Die Kassen finanzieren eine schlichte Perücke; viele Frauen tragen aber einfach schicke Kopftücher.
    Sehr unangenehm ist auch ein vom Cisplatin verursachter Metallgeschmack. Den kann man leider nur übertünchen durch das Trinken von Fruchtsaftschorlen und den Genuss intensiv schmeckenden Speisen.


    Gemcitabin:
    Gemcitabin ist eigentlich recht gut verträglich. Es ist moderat emetogen; das lässt sich mit Dexamethason und einem Setron (s.o.) sehr effektiv behandeln.
    Allerdings beklagen viele Patienten die Neurotoxizität, die sich in Empfindungsstörungen oder Mißempfinden in den Extremitäten äussert.
    Ausser Massagen und Wechselbädern, die die Beschwerden aber nur lindern, muss man das aushalten. Glücklicherweise sind diese unangenehmen Wirkungen des Gemcitabins reversibel und verschwinden in den allermeisten Fällen nach einiger Zeit.


    Diese Chemotherapie macht allgemein schlapp und müde; es gibt allerdings auch Patienten, die eine derartige Behandlung gut wegstecken und dabei noch arbeitsfähig sind.


    Wichtig ist für Patienten auch das Wissen um Folgendes:
    - man ist anfälliger für Infektionen, sollte also Menschenansammlungen tunlichst meiden
    - man ist anfälliger gegenüber UV-Strahlen; unabdingbar ist daher ein hochpotenter Sonnenschutz
    - Patienten mit einer kontinenten Harnableitung (Neoblase/Mainz-Pouch) sollten diese für die Tage der Zytostatikagabe mit einem Dauerkatheter stilllegen, um eine Rückresorption der Substanzen durch die Darmschleimhaut der Neoblase/Pouch zu verhindern


    Allgemein hilfreich ist auch das Wissen, daß die Chemotherapie zwar einen massiven Eingriff in den Körper bedeutet, aber ein ausgesprochen effektives Instrument im Kampf gegen den Krebs darstellt. Eine stabile Psyche, ein gutes familiäres Umfeld und der Wille, dem Krebs Paroli zu bieten sind schon die halbe Miete.


    Ich wünsche allen Betroffenen gutes Durchhaltevermögen


    Im Anhang (PDF Datei) finden Sie Fachinformationen über die Medikamente Cisplatin/Gemcitabin


    FI_Gemcitabin_Accord_MR_14.4.2015.pdf ******* FI_Cisplatin_Accord_MR_13.04.2015.pdf

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  • Leitliniengerechte Therapie des Harnblasenkarzinoms


    Im Allgemeinen suchen Patienten mit bestimmten Beschwerden wie häufigem Harndrang, schmerzhaftem Wasserlassen oder blutigem Urin den Urologen auf. Dort steht zunächst einmal die genaue Diagnose im Vordergrund. Folgende Untersuchungen sind dann obligat:
    - körperliche manuelle Untersuchung (Nierenlager, Bauchdecke)
    - Harnanalyse
    - Ultraschall Nieren und Blase
    - Blutuntersuchung
    - bei Verdacht auf Raumforderung Blasenspiegelung (Zystoskopie)
    - eventuell Urographie und Urinzytologie


    Bei Vorliegen einer Neoplasie (Gewebeneubildung) ist eine TUR-B =transurethrale Resektion der Blase erforderlich. Diese TUR dient sowohl diagnostischen als auch therapeutischen Zwecken. Fallweise, d.h. abhängig vom Befund während der TUR ist eine systematische Biopsie (Mapping) erforderlich. Die weitere Diagnostik bzw. Therapie richtet sich nach dem histologischen Befund der TUR (Staging und Grading = T und G).


    Bei Vorliegen eines Harnblasenkarzinoms >T1 ist weitere Diagnostik indiziert. Unbedingt notwendig sind Röntgen-Thorax und Leber-Sonographie. Bei lokal fortgeschrittenem Tumor außerdem CT/MRT-Becken, evtl. Knochenszintigraphie sowie weitergehende Laboruntersuchungen folgender Parameter: alk. Phosphatase, LDH und Leberwerte.


    Therapie des oberflächlichen Harnblasenkarzinoms (Ta, T1, Tis)
    Nach vollständiger Resektion eines oberflächlichen papillären Karzinoms pTa G1 ist keine weitere Behandlung nötig, eine Nachresektion jedoch empfehlenswert. Bei T1- und Tis-Tumoren ist eine Nachresektion nach ca. sechs Wochen erforderlich. Beim Tis und bei Fortbestehen einer positiven Zytologie ist weitere Diagnostik zum möglichen Befall des oberen Harntrakts obligat.
    Direkt im Anschluss an die TUR-B sollte die einmalige Instillation eines Zytostatikums erfolgen.


    Bei einem Rezidiv eines Tumors TaG1 sowie bei allen anderen oberflächlichen Tumoren ist eine adjuvante Instillationstherapie indiziert, um Rezidive und/oder Progress der Erkrankung zu verhindern. Dafür werden Mitomycin C oder Doxorubicin als Zytostatika sowie der Immunmodulator BCG (Bazillus Calmette-Guérin) verwendet. Bei Tumoren mit hohem Progressionsrisiko G3 sowie bei Tumorrezidiven ist BCG Mittel der Wahl. Standardisierte Therapieschemata zur Instillationsbehandlung stehen nicht zur Verfügung; im allgemeinen besteht die Behandlung aus einer Induktionsphase über 6-8 Wochen und einer darauffolgenden Langzeittherapie über mehrere Monate bis Jahre.


    Patienten mit Tis sowie T1G3 Tumoren gelten als Hochrisikopatienten und sollten deshalb immer mit BCG therapiert werden. Ein Therapieversagen im Sinne von Progress oder Rezidiv ist Indikation zur Zystektomie.


    Therapie des invasiven Harnblasenkarzinoms (>T2a)
    Standardbehandlung muskelinvasiver organbegrenzter Blasentumoren ist die radikale Zystektomie; Sonderformen der Behandlung bestehen in TUR, Radio- und Chemotherapie.


    Die radikale Zystektomie beinhaltet neben der Entfernung der Harnblase auch eine pelvine Lymphadenektomie sowie beim Mann die Resektion von Prostata und Samenblasen, bei der Frau die Resektion von Gebärmutter, mindestens einem Eierstock sowie vorderer Scheidenwand. Bei positivem urethralem Absetzungsrand ist auch die Entfernung der (prostatischen) Harnröhre indiziert. Durch die Zystektomie ist gleichzeitig die Konstruktion einer neuen Harnableitung erforderlich. Dabei stehen sowohl inkontinente Harnableitungen (Urostoma in Form eines Harnleiterhautstomas oder eines intestinalen Conduits) als auch kontinente Harnableitungen (orthotope Neoblase, Neoblase mit Bauchdeckenanschluss oder Harnleiter-Darm-Implantation) zur Wahl.


    Die Sondertherapieformen TUR oder Blasenteilresektion sollten nur bei sehr ausgesuchtem Patientengut stattfinden und sind kein Standardverfahren zur Behandlung des Harnblasenkarzinoms.
    Die Radiotherapie ist indiziert bei Patienten, die für eine Zystektomie nicht geeignet sind oder Organerhalt wünschen. Sehr von Vorteil ist dabei eine vorausgegangene TUR mit R0-Resektion sowie eine gleichzeitige systemische Chemotherapie (Radiochemotherapie).


    Bei fortgeschrittener Erkrankung empfiehlt sich der Einsatz einer systemischen cisplatinbasierten Chemotherapie. Eine neoadjuvante Chemotherapie kann dabei häufig die Operabilität des Tumors verbessern und zeigte in Studien ebenso wie die adjuvante Chemotherapie einen Überlebensvorteil gegenüber alleiniger lokaler Therapie.


    Beim metastasierten Harnblasenkarzinom stehen zwei gleich effektive Therapievarianten zur Wahl: das M-Vac-Schema (Methotrexat, Vinblastin, Adriblastin, Cisplatin), sowie die Kombination Cisplatin/Gemcitabin. Aufgrund besserer Lebensqualität und geringerer Toxizität hat sich die Behandlung mit Cisplatin und Gemcitabin (4-6 Zyklen) inzwischen etabliert. Für Patienten, die eine derartige Chemotherapie nicht tolerieren oder Ausschlusskriterien aufweisen stehen andere Kombinationen z.B. Carboplatin mit Paclitaxel oder Gemcitabin zur Verfügung. Phase-II-Studien haben in etwa identische Effektivität von Oxaliplatin, Ifosfamid oder Epirubicin in Kombination mit Taxanen oder Cisplatin gezeigt. Da bislang aber noch randomisierte Studien fehlen, werden diese Regimes zur Zeit als Second- oder Third-Line- Therapien eingesetzt.


    Nachsorge


    Nach TUR - Anamnese und klinischer Befund
    - Zystoskopie
    - Sonographie Niere/Harnblase/Restharn
    - bei Tis: Urinzytologie


    Nach Zystektomie - Anamnese und klinischer Befund
    - Röntgen-Thorax
    - Sonographie Niere/Harnblase/Restharn
    - Labor: Kreatinin, BGA, großes Blutbild, Elektrolyte
    - Urgramm (1x pro Jahr)
    - bei Symptomen CT/MRT Becken


    Die Untersuchungsintervalle betragen drei Monate im 1. und 2. Jahr, sechs Monate im 3. und 4. Jahr, ab dem 5. Jahr einmal jährlich, bei Symptomen oder Beschwerden bedarfsgerecht. Bei einer Harnableitung ist lebenslange Nachsorge zwingend erforderlich. Eine Anschlussheilbehandlung in einer spezialisierten Rehabilitationsklinik wird bei Zystektomiepatienten empfohlen.

    Informationsquelle:
    Kurzgefasste 2008 aktualisierte Leitlinien erstellt durch die DGU im Auftrag der DKG.
    Autoren: R.Andreesen, R.Böhle, C.Bokemeyer et al.

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  • Teil 1: Ich kriege einen Pouch


    Seit meine Geschichte begann, sind jetzt 3 Jahre vergangen.


    Heute kann ich sagen: es geht mir gut, ich bin froh und glücklich mit meinem Pouch, ich kann wieder meiner Arbeit in der Apotheke nachgehen,
    ich reite wieder, fahre Rad, laufe Ski, kann wandern und schwimmen und noch vieles mehr. Dies alles habe ich dem Können von wunderbaren Ärzten,
    der liebevollen und nimmermüden Arbeit von Pflegern und Schwestern, und nicht zuletzt der seelischen Unterstützung von meinem Mann, meiner
    Schwester und vielen lieben Freunden zu verdanken.


    Die Geschichte meiner Krebserkrankung beginnt im Herbst 2004. Nach mehreren Harnwegsinfekten verweigert mein Hausarzt richtigerweise eine
    Weiterbehandlung und überweist mich an einen Urologen. Nach Sonographie, Blasenspiegelung mit Biopsie und Nierenröntgen lautet der Befund:
    banaler Harnwegsinfekt, erneut Therapie mit Antibiotikum und der Empfehlung viel mehr zu trinken. Auch ein zusätzlich aufgesuchter
    Gynäkologe kann keine Ursache für die Infekte finden. Also trinke ich täglich bis zu vier Liter Flüssigkeit und muss dementsprechend häufig
    zur Toilette, auch nachts. Rückenschmerzen habe ich seit dreißig Jahren; ich habe gelernt damit zu leben und stelle keinen Zusammenhang mit den
    Harnwegen her. Schließlich produzieren meine Nieren ja fleißig und reichlich Urin.


    Es vergehen eineinhalb Jahre ohne besondere Ereignisse, bis ich Ende März 2006 plötzlich ein riesiges Blutkoagel im Urin entdecke. Ich suche
    also schleunigst meinen Frauenarzt auf, in meinem Alter naheliegend. Der kann keine gynäkologische Ursache finden und macht eine
    Ultraschalluntersuchung, bei der er einen Tumor von 5cm Größe in der Blase entdeckt.


    Jetzt geht alles ganz schnell:


    Noch am selben Tag, es ist ein Dienstag, bestätigt der benachbarte, sofort aufgesuchte Urologe Dr.Liedtke bei einer Blasenspiegelung die
    Tumordiagnose mit “Verdacht auf Blasen-Ca” und meldet mich für den Donnerstag im Klinikum Ibbenbüren an. Vorher werden von ihm noch meine
    Nieren geröntgt mit einem katastrophalen Ergebnis: die rechte Niere arbeitet fast gar nicht mehr, die linke Niere ist stark angestaut.


    Den Mittwoch verbringe ich noch damit, wichtige Dinge zu regeln, wie mich bei meiner Arbeitgeberin wegen Krebserkrankung vorläufig
    abzumelden, mein Pferd Hexe, das mit uns unter einem Dach lebt, ordentlich mit Betreuung unterzubringen und die Nachbarn einzuweisen -
    wir leben auf dem Land.


    Donnerstag liefert mich mein Mann dann im Klinikum Ibbenbüren ab; ich habe das Glück, auf einer hervorragenden urologischen Abteilung gelandet
    zu sein. Der Chefarzt Dr.Hönecke ist etwa in meinem Alter. Er ist mir auf Anhieb sympathisch und wir vereinbaren völlige Offenheit. Meine
    Eltern sind beide an Krebs gestorben und ich glaube, dass ich mit Befunden diesbezüglich ganz gut umgehen kann.


    Auf der urologischen Station herrscht die selbe freundliche und warmherzige Atmosphäre wie in der Ambulanz. Nach Zuweisung meines
    Einzelzimmers (ich bin zusatzversichert) erfolgen die üblichen Gespräche und Formalitäten, denn am folgenden Freitag soll die TUR-B stattfinden,
    bei der Dr. Hönecke auch versuchen will, zur Entlastung der Nieren die Harnleiter zu schienen.


    Um es vorweg zu nehmen:


    Dr.Hönecke ist keine R0-Resektion möglich gewesen, ebensowenig hat er die Harnleiter schienen können; der Tumor sitzt im Trigonum und die
    Sicht ist extrem schlecht gewesen. Mit bekümmerter Miene erklärt er mir bei der Abendvisite, dass der Tumor vermutlich schon muskelinvasiv sei,
    was, falls der Pathologe diesen Befund bestätigt, eine Zystektomie erforderlich macht.


    Peng!!! - Der Schuss hat getroffen.


    Da sitze ich nun - ein Freund hat den Pathologen beschleunigen können - mit der Diagnose muskelinvasiver Harnblasenkrebs pT2-3, G2, geliefert am
    Samstag per Fax. Als Lektüre übers Wochenende hat Dr.Hönecke mir das Informationsheft der “Blauen Reihe” dagelassen. Montags soll dann das
    weitere Vorgehen besprochen werden. Ich liege also im Bett mit Blasenkatheter und Spülung, lese und denke nach.


    Meine Entscheidung ist schnell gefallen:


    Da eine Neoblase bei mir wegen Befalls der Harnröhre nicht infrage kommt, ich keinesfalls als Beuteltierchen rumlaufen will und einen
    Sigma-Pouch ablehne, bleibt als neue Harnableitung nur ein Mainz-Pouch 1.


    Am Montag teile ich Dr.Hönecke meine Entscheidung mit. Die Operation wird auf Montag, den 24.April festgesetzt, also in drei Wochen.
    Dienstags gelingt es Dr.Hönecke noch die Harnleiterschienen zu legen, ich werde vom Gynäkologen untersucht, und mittwochs werde ich ins CT
    geschoben. Leider sind in dieser CT Lymphknoten zu sehen - ein weiterer Schuss vor den Bug. Am Donnerstag werde ich dann erst mal nach Hause
    entlassen.


    Jetzt habe ich 2 1/2 Wochen Zeit, mich auf das Kommende vorzubereiten. Ich bin Pragmatiker und gehe voll auf Angriff. Ich lese in Fachbüchern
    und im Internet Unmengen an Infos über Harnblasenkrebs und Pouch und halte mich körperlich weiterhin fit, um nach der OP schnell wieder in
    die Hufe zu kommen. Zu den präoperativen Untersuchungen fahre ich die 13km nach Ibbenbüren mit dem Rad, und mit Freunden und Bekannten rede
    ich ganz offen über meine Erkrankung. Angst vor der Operation habe ich keine. Ich habe volles Vertrauen in die Fähigkeiten von Dr.Hönecke.
    Meine einzige Angst ist, was er noch finden könnte, wenn ich erst mal aufgeschnitten bin....


    Am 22.April darf ich nur noch trinken. Zur Ablenkung machen mein Mann und ich einen Ausflug nach Bad Oexen; dorthin werde ich möglicherweise
    zur Reha kommen. Am Sonntag, den 23.April belege ich erneut mein Einzelzimmer auf der urologischen Station und verbringe den Tag mit dem
    Trinken dieses ekelhaften Gesöffs zum Abführen. Obwohl die Schwestern mir den Drink eisgekühlt servieren, kann ich das Zeug nur mit Mühe
    runterwürgen. Ich finde, diese Darmleerung ist das Schlimmste bei solch einer OP.


    Für die gesamte Operation sind 6 Stunden eingeplant - es werden schließlich 10 Stunden. Eine liebe Freundin, die auf der Intensivstation
    Dienst tut, hat sich extra für diesen Montagnachmittag einteilen lassen und informiert stündlich meinen Mann, der die Warterei fast nicht
    aushält. Gegen 19.00 Uhr komme ich dann wohl auf der Intensivstation an.

    An die genaue Chronologie der postoperativen Zeit habe ich keine Erinnerung. Ich kann also nicht sagen, an welchem Tag welcher Schlauch,
    welcher Beutel und welcher Verband entfernt wurde.


    Meine Erinnerung an die Intensivstation:


    Perfekte Versorgung, liebevolle Pflege, mehrmals täglich Visite (Urologe, Gynäkologe, Anaesthesist) und wirklich niemals Ruhe. Dauernd
    piepst irgendein Gerät oder ein Monitor gibt Alarm. Als am Donnerstag beim Verbandswechsel der Schmerzkatheter aus dem Rücken flutscht, werde
    ich auf intramuskuläre Morphininjektionen umgestellt. Nachmittags komme ich auf die Station zurück auf mein Zimmer.


    Da liege ich wie ein Maikäfer auf dem Rücken, überall Kabel, im Hals, im Bauch, einen Infusionsständer voller Flaschen neben mir, und am Bett
    hängen reichlich Beutel.


    Es kommt der ausführliche Bericht des Pathologen:


    pT3a, G2, M1, pN2(12/20), L1, ausgeprägte Lymphangiosis carcinomatosa. Eine Hammerdiagnose. M1 ist die Cervix, die ist ja weg. Aber die
    Lymphknoten und Lymphbahnen...


    Ich muss also eine Chemotherapie hinterher schieben.


    Vorerst schreitet die Genesung voran. Ich muss ein Abführmittel einnehmen, damit der Darm wieder mit seiner Arbeit beginnt und als
    nächstes wird der zentrale Zugang am Hals entfernt. Meine erste feste Nahrung ist labberiges Weißbrot - na ja.


    Nach erfolgreichem Stuhlgang werde ich zuerst auf Diätkost, dann auf normale Kost gesetzt. Ein Pfleger bringt mir eine Stofftasche, in der
    ich meine diversen Beutel verstauen kann, denn ich will meinen Bewegungsdrang ausleben. Ins Bett gehe ich nur noch für ein kurzes
    Nickerchen nach dem Mittagessen und zur Nacht. Ansonsten sitze oder laufe ich herum, lese und telefoniere viel, kriege einen Haufen Besuch
    und bereite mich auf den geplanten Sommerurlaub vor, eine Radtour entlang der Loire von Nevers nach St.Nazaire. Dr.Hönecke meint, es
    könnte klappen: drei Wochen Erholung zu Hause, dann der Urlaub und anschließend die Chemotherapie.


    Mein lieber Mann leidet viel mehr als ich; er sieht schlecht aus. Aber wir haben wunderbare Freunde, die ihn auffangen und unterstützen.


    Doch auch ich habe meine Durchhänger; meine Gedanken kreisen:


    wie kommt mein Mann ohne mich zurecht, was wird aus meinem alten Pferd, was aus unserem Hund wenn ich sterbe?


    Unsere Bernhardinerhündin Hanna wird von Tag zu Tag unausstehlicher - sie sucht mich den ganzen Tag und überall, das macht meinen Mann
    ziemlich hilflos, denn sie läßt sich von ihm nicht wirklich beruhigen. Auch das belastet mich und macht mich traurig. Die Schwestern auf der
    Station sind einfach großartig. Sie nehmen mich in den Arm und spenden mir Trost - ich habe so manchen Schwesternkittel nassgeweint.


    Auch meine Schwester gibt mir Halt. Sie lebt in den USA; jeden Tag pünktlich um 18.00 Uhr, also bei ihr Mittag, ruft sie an. Sie hat es
    nicht ein einziges Mal vergessen.


    Nach und nach werden Kabel und damit auch Beutel entfernt. Irgendwann kommen auch die Klammern aus meinem Bauch. Ich bin fassungslos: man hat
    mich zugetackert wie ein Paket...


    Es ist Mai, die Sonne scheint, es ist heiß bis zu 30° und ich will raus. Das bedeutet, dass ich, zuerst nur in Begleitung, später auch allein in
    dem schönen Park des Klinikums lustwandele. Die Urologie liegt im 5.Stock, in den Park geht es durch den Keller. Unter Missachtung des
    Aufzugs steige ich mehrmals täglich 6 Etagen runter und wieder rauf, zunächst mit vielen Pausen, dann am Stück. Das trainiert.


    Eigentlich geht es mir gut, allerdings habe ich starke Probleme mit Blähungen und Koliken; ich vertilge reichliche Mengen an Simethicon, das
    hilft ein bisschen. Dr. Hönecke spült täglich meinen Pouch; mit einer Engelsgeduld kontrolliert er per Sonographie meine Nieren, wenn ich mal
    wieder über Rückenschmerzen klage. Ich habe schon Angst zum Hypochonder zu werden. Aber meine Nieren erholen sich hervorragend und arbeiten
    nahezu perfekt. Die Schmerzen kommen eher von der Matratze des Krankenhausbetts.


    Die beiden letzten Beutel werden entfernt - der Pouch wird nun in Betrieb genommen. Der Nabelkatheter und der Cystofix werden mit Stöpseln
    verschlossen. Ich muss jetzt alle zwei Stunden, auch nachts, die Stöpsel ziehen und den Pouch leeren. Außerdem lerne ich, meinen Pouch zu
    spülen. Bald geht`s nach Hause.


    Teil 2: Chemotherapie


    Mein Mann ist sehr in Sorge um mich und möchte noch die Meinung eines Onkologen einholen. Dr.Hönecke besorgt uns einen Termin in Osnabrück bei
    Prof.Hartlapp. Der sieht mich und meine hervorragende Konstitution und schlägt vor, sofort mit der Chemotherapie zu beginnen: “Der Krebs
    schläft nicht”. Wir sagen zu und den Urlaub ab.


    Ich komme also für drei Tage nach Hause. Am Dienstag, den 23.Mai rücke ich im Klinikum Osnabrück ein. Das Wetter ist schlecht geworden, es
    regnet und ist ziemlich kalt. Ich bekomme Fieber. Ich werde diagnostisch auf den Kopf gestellt, eine Ursache wird aber nicht gefunden. Der
    Donnerstag ist Feiertag (Christi Himmelfahrt), dann kommt das Wochenende, also beginnt die Chemotherapie erst in der neuen Woche. Zu
    diesem Zeitpunkt habe ich meinen ersten und einzigen Klinikkoller. Ich heule und fühle mich wie im Knast. Das Wetter ist schei sse, ich kann
    nicht raus, das Zimmer ist relativ dunkel, ich habe Sehnsucht nach meinen Tieren, ich will nur noch weg. Aber alle sind lieb zu mir: ich
    bekomme eine Verordnung für die klinikeigene Muckibude, die ich auch sofort nutze und laufe und radle meinem Frust davon. Samstag und Sonntag
    darf mein Mann mich für ein paar Stunden abholen; wir fahren nach Münster und nach Bremen. Ich beruhige mich und schöpfe wieder Mut -
    Prof.Hartlapp sei Dank.


    Dienstag beginnt der erste von vier Zyklen Chemotherapie Gemcitabin/Cisplatin.


    Die Infusion mit Gemcitabin läuft etwa eine Stunde, dann habe ich frei. Den Mittwoch verbringe ich überwiegend im Bett, denn es laufen etwa zehn
    Stunden lang wechselnde Infusionen, eine davon mit Cisplatin. Es geht mir gut und ich vertrete die Meinung, die Verträglichkeit von
    Chemotherapie sei wohl Kopfsache....


    Abends um 21.00 Uhr, mein Mann will mir gerade am Telefon gute Nacht sagen, geht die Übelkeit los. Ich erbreche, mir ist elend, ich fühle
    mich total schlapp. Morgens kommt der Pfleger mit Kontrastmittel, das ich schlucken soll, denn ich muss noch in die CT. Geniales Timing: das
    geschluckte Kontrastmittel kommt postwendend zurück. Erst massiver Einsatz diverser Antiemetika lässt mich eine kleine Menge Kontrastbrei
    behalten und die CT wird durchgeführt. Freitag werde ich entlassen, Dienstag soll ambulant eine Infusion mit Gemcitabin erfolgen, ab
    Mittwoch werde ich dann noch mal wenige Tage in der Urologie bei Dr. Hönecke verbringen. Dann soll der Nabelkatheter entfernt werden und ich
    das Katheterisieren erlernen. Das Wochenende, es ist Pfingsten, verbringe ich überwiegend im Bett oder auf dem Sofa. Mir geht es
    schlecht, mir ist übel, ich bin nur müde, ich kann nicht essen, ich soll viel trinken aber fast nichts bleibt drin. Erst am Montag erhole ich
    mich etwas.


    Ich habe, damit das Zytostatikum nicht rückresorbiert wird, den Pouch auf Anordnung von Dr.Hönecke während der Chemotherapie stillgelegt und
    einen Beutel angeschlossen. Dienstag erhalte ich ambulant meine zweite Portion Gemcitabin.


    Von Mittwoch bis Freitag übe ich im Klinikum Ibbenbüren den Umgang mit meinem Pouch. Das Katheterisieren lerne ich schnell und bin ab jetzt ein
    freier Mensch. Theoretisch müsste es mir gut gehen.


    Aber die Chemotherapie macht mich schlapp und müde, manchmal habe ich rasende Kopfschmerzen, ich leide unter permanenter Übelkeit, alles
    schmeckt nach Metall und ich helfe mir, indem ich Fruchtsaftschorlen und Cola trinke. So geht es einigermaßen. Kurz vor dem dritten Zyklus geht
    es mir sogar so gut, dass ich meinen Mann übers Wochenende zu einer Fortbildung nach Würzburg begleiten kann. Ich bin mittlerweile so mit
    diversen Antiemetika vollgestopft, dass ich Nahrung und Getränke meistens bei mir behalte.


    Trost in all dem Elend spendet mir unsere Bernhardinerhündin Hanna. Sie ist schon 12,5 Jahre alt und will nur bei mir sein. Sie weicht nicht von
    meiner Seite. Der Sommer ist extrem heiß und so hängen wir zwei im kühlen Haus auf dem Sofa und Teppich herum. Gelegentlich drehen wir eine
    Runde ums Haus; die Nachbarn erledigen das Nötigste wie Blumengießen und Rasenmähen. Einer mäht unsere Weide aus und macht für seine Pferde
    Heu.


    An einem Donnerstag erleidet unsere Hanna einen Hitzekollaps; wir versuchen mithilfe der Tierärztin alles, aber am Freitag besteht keine
    Hoffnung mehr. Der Hund ist nicht mehr zu retten und muss eingeschläfert werden. Gemeinsam mit Freunden begraben wir den Riesenhund. Mein Mann
    und ich schämen uns unserer Tränen nicht. Wir haben ein liebes Familienmitglied verloren.


    Am Samstag dann ein neuer Schock:


    mir läuft Urin aus dem Bauch. Ich fahre zur urologischen Ambulanz. In Ibbenbüren ist immer jemand für mich da. Zunächst wird mir ein
    Ballonkatheter gelegt, um das Stoma zu verschließen und den Pouch stillzulegen. Am Montag schlage ich erneut bei Dr.Hönecke auf. Der sagt
    mir ganz offen, dass er eine solche Revisions-OP nicht machen werde, da er nicht genügend Erfahrung damit habe. Er verweist mich an Prof.Roth
    zum Helios-Klinikum in Wuppertal. Dieser ist versiert in spezieller urologischer Chirurgie. Zunächst muss aber die Chemotherapie beendet
    werden.


    Anfang August ist der vierte Zyklus, Ende August werde ich in Wuppertal aufgenommen und zwei Tage später wieder nach Hause geschickt. Wegen
    schlechter Blutwerte muss die Operation um eine Woche verschoben werden.

    Teil 3: Zwischenzeit


    Am 30. August ist es dann soweit - die Revisions-OP kann durchgeführt werden. Wieder folgt das selbe Spiel: Ekelzeug trinken, Abführen. Am nächsten Tag Operation.


    Die alte Bauchnaht wird ein Stück weit aufgeschnitten und Prof.Roth konstruiert in vierstündiger Arbeit einen neuen Kontinenznippel. Vom
    Essen abgesehen - und ich bin wirklich nicht verwöhnt - ist die Betreuung und Pflege in Wuppertal hervorragend. Ende September werden im
    Klinikum Ibbenbüren von Dr.Hönecke Nabelkatheter und Cystofix entfernt; allerdings merke ich gleich, dass ich nicht so richtig dicht bin.


    Mein Mann und ich gönnen uns erst einmal 10 Tage Urlaub in Frankreich; am 10.Oktober soll ich in Badenweiler im Markgräfler Land meine AHB
    antreten. Während des Urlaubs stellt sich heraus, dass doch das Nabelstoma nicht richtig kontinent ist. Ich bin stark verunsichert, mein
    Mann genervt und der Erholungswert der Reise entsprechend reduziert. Nach telefonischer Rücksprache mit Prof.Roth sage ich die AHB zunächst
    ab und fahre nach Wuppertal; hier kommen alle urologisch-technischen Mittel der Diagnostik zum Einsatz. Eine konkrete Ursache der partiellen
    Inkontinenz wird nicht gefunden.


    Also reise ich erst einmal nach Badenweiler. Diese AHB ist rundum gelungen, das Wetter ist einfach traumhaft, ich mache viel Sport, habe
    Umgang mit netten Leuten, das Essen schmeckt und ich kriege sogar 3mal Besuch. Ich fahre nach Freiburg zum Shoppen und als ich mit meiner
    Wanderfreundin Heidi in gut zwei Stunden den “Blauen”, den Hausberg von Badenweiler erwandere, wobei wir immerhin 750 Höhenmeter bewältigen,
    erkläre ich mich für gesund. Mit meinem Dichtigkeitsproblem versuche ich mich zu arrangieren....


    Die vierteljährlichen Kontrolluntersuchungen bei Dr.Hönecke (Urologie) und Prof.Hartlapp (Onkologie) verlaufen optimal - alles im grünen
    Bereich.


    Ab Mitte November arbeite ich wieder in der Apotheke, allerdings zunächst als Wiedereingliederungsmaßnahme mit reduzierter Stundenzahl.
    Ich hole mein Pferd Hexe in den heimischen Stall zurück, reite wieder und versuche ins normale Leben zurückzufinden. Über die Weihnachtstage
    bis zum 1.Januar kommt meine Schwester aus den USA zu Besuch; wir genießen diese gemeinsame Zeit sehr.


    Dass ich mich aber bäuchlings ständig wasserdicht verpacken muss nervt mich zusehends. Außerdem zeigt meine Haut immer mehr Irritationen. Ich
    hole mir im Januar erneut Rat bei Prof.Roth, der auch postoperativ am Wohl und Wehe seiner Patienten interessiert ist. Er entscheidet, eine
    zweite Revisions-OP durchzuführen. Dr.Hönecke, der mich weiterhin hier zuhause urologisch betreut, beschließt sogar, mit nach Wuppertal zu
    kommen und bei dieser OP zu assistieren. Diese Tatsache beruhigt mich zusätzlich ungemein. Der Eingriff wird auf den 28.Februar 2007
    terminiert. Als vergnügungssüchtiger Mensch will ich nämlich erst noch mit meinem Mann Anfang Februar zum Skilaufen in die Schweiz fahren.


    Nach Rückkehr aus dem Winterurlaub steht wieder ein onkologischer Nachsorgetermin an, einschließlich einer CT. Gott sei Dank - es ist
    nichts zu sehen, alle Werte sind vom Feinsten. Und so reise ich am 26.Februar frohgemut mit dem Zug nach Wuppertal, um mein
    Dichtigkeitsproblem endgültig lösen zu lassen.


    Teil 4: Happy End bis heute


    Ich habe es ja schon geahnt:


    Für mich werden wieder vier Liter Ekeldrink zubereitet. Ich würge diese gut gekühlt, mit Apfelsaft vermischt, mit Tee und Brühe nachgespült
    herunter; ich habe an diesem Dienstag sicher 8l Flüssigkeit, also fast einen Eimer voll getrunken, allerdings hat sich auch der gewünschte
    Erfolg eingestellt. Abends kommt Herr Prof.Roth noch zur Visite. Er verspricht mir, dass es diesmal klappt, er habe zur Sicherheit noch mit
    seinem ägyptischen Kollegen telefoniert; Prof.Roth flösst mir wie immer viel Vertrauen ein.


    Mittwochmorgen um 8.00 Uhr werde ich in den OP gefahren.


    Ich wache am frühen Mittwochabend in meinem Zimmer auf; ich bin wieder reichlich verkabelt aber schmerzfrei. Mein Mann ruft freudig erleichtert
    an. Dr.Hönecke hat ihn informiert, dass alles gut verlaufen ist, auch wenn sich die Operation aufgrund der vielen Verwachsungen und schlechter
    Sicht als extrem schwierig erwiesen hat. Deswegen auch eine Dauer von 5 Stunden...


    Am Donnerstag geht es mir richtig gut. Ich schicke Dr.Hönecke eine SMS und danke ihm für sein Engagement; er ruft mich an und freut sich mit
    mir.


    In der Nacht zu Freitag quälen mich Blähungen. Die Koliken sind so stark, dass ich nach der Schwester klingele. Wegen des frisch operierten
    Darms mag sie kein Darmrohr legen, sondern serviert mir frisch gekochten Fencheltee, der mir aber keine Erleichterung verschafft. Ich
    bin hart im Nehmen, aber am Morgen liege ich im Bett und mir laufen Tränen des Schmerzes aus den Augen. Die Schwestern, die mich ja schon
    gut als rheinische Frohnatur kennen und wissen, dass mich so schnell nix umhaut, schlagen Alarm. Prof.Roth kommt angaloppiert mit dem
    unermüdlichen Dr.Kaldenbach im Schlepptau. Mein aufgeblähter brettharter Bauch wird abgehört und mithilfe des mobilen Sonographiegeräts eine
    Verstopfung des Pouches diagnostiziert, obwohl dieser ständig gespült wird. Nachdem Dr.Kaldenbach gründlich gespült und abgesaugt hat, geht es
    mir wieder gut. Am Abend - es ist Freitag und eigentlich schon Wochenende - sind die Koliken wieder da. Ich werde in den OP gefahren
    und Prof.Roth spült den Pouch unter Röntgenkontrolle. Der Pouch hat zwei Segmente; vermutlich verstopft die Verbindung zwischen diesen beiden
    Segmenten immer wieder durch Schleim und Blutkoagel. Prof.Roth hat durch das Spülen im OP eine ziemliche Schweinerei veranstaltet. Als ich mir
    eine Bemerkung darüber nicht verkneifen kann, erklärt er mir, so sei eben Medizin und außerdem gebe es ja Putzkräfte. Ich bin jetzt wieder
    schmerzfrei.


    Prof.Roth verabschiedet sich; er muss am Wochenende zum Kongress nach München.


    Samstag geht das Theater wieder los. Aber Dr.Eggersmann, der Stellvertreter von Prof.Roth hat Dienst und ist ein Mann der Tat: ich
    werde erneut in den OP gefahren und Dr.Eggersmann legt mir auch in das zweite Pouch-Segment einen Ballonkatheter. Das ist die Lösung - ich habe
    endlich Ruhe.


    Jetzt werde ich auch “angefüttert”, der zentrale Zugang am Hals wird entfernt, ich darf aufstehen und starte meine Wanderungen über den
    Klinikflur, meine Beutel in der Ibbenbürener Stofftasche verstaut. Mein Pouch produziert extrem viel Schleim; das Pflegepersonal muss also
    mehrmals täglich und nächtens meinen Pouch spülen. Alle erledigen diese zusätzliche Arbeit freundlich und mit einer Engelsgeduld - niemals hat
    jemand gemeckert. Sicher hat die gute und fröhliche Stimmung und liebevolle Pflege auf dieser Station erheblich zu meiner schnellen
    Genesung beigetragen. Das Essen jedenfalls sicher nicht. Außerdem bekomme ich neben meinem Mann noch mehrmals zusätzlich Besuch, trotz
    recht weiter Anreise.


    Nach gut zwei Wochen werde ich mit zwei Kabeln (Nabelkatheter und ein Cystofix) entlassen. Ich darf den Pouch jetzt volllaufen lassen. Ich
    leere ihn alle 3 Stunden, spüle zweimal am Tag, bei Bedarf auch häufiger und schließe nachts einen Beutel an; so kann ich durchschlafen.


    Ich gehe wieder ein bisschen arbeiten, fahre etwas mit dem Rad durch die Gegend und hoffe, dass die Operation diesmal richtig erfolgreich war.


    Ostern verleben wir drei wunderschöne Tage in Leipzig; Dienstag danach fahre ich nach Wuppertal. Jetzt sind sechs Wochen vergangen und die
    Katheter sollen entfernt werden.


    Nun kommt die Stunde der Wahrheit --- Jubel, alles dicht !!!! Ich bin endlich "stubenrein".


    Das Katheterisieren klappt prima mit ganz ganz wenig Restharn. Bei einer Pouchoskopie mit flexiblem Zystoskop erhalte ich Einblick in meine
    Darmblase und den Weg in dieselbe hinein. Dann kann ich nach Hause.


    Wenn ich jetzt mal verunsichert bin oder Fragen habe, schicke ich Herrn Prof.Roth eine E-Mail. Er hat mich noch nie hängen lassen; ich habe
    immer Antwort bekommen.


    Einen weiteren krankheitsbedingten Rückschlag habe ich hinnehmen müssen: ich habe meine Arbeit verloren. Bei einer anschließenden Bewerbung
    wurde ich angeblich aufgrund meines Alters abgelehnt.


    Doch meine Geschichte hat ein Happy End:


    Ich habe eine neue Stelle gefunden, die mir viel Spaß macht, mit netten Kolleginnen, habe schon meinen ersten Notdienst geschoben, mein Pferd
    ist wieder zuhause, ich reite wieder und kann fast alle anfallenden Arbeiten selbst erledigen. Nur schwer Tragen, das muss und werde ich mir
    verkneifen.


    Wir haben Fahrradurlaub in der Schweiz gemacht und uns dabei super erholt.


    Der letzte onkologische Nachsorgetermin bei Prof.Hartlapp zeigte erneut Ergebnisse vom Feinsten und auch Dr.Hönecke ist mit mir zufrieden.


    Ich wünsche mir, dass mein Bericht anderen Betroffenen Mut macht. Ich habe viele Umwege fahren müssen und etliche Rückschläge eingesteckt,
    aber letztendlich doch ein positives Ergebnis für mich erreicht.


    Das Leben ist schön ! - Auch mit Pouch !


    fünf Jahre später... April 2011


    Am 24.April, also Ostersonntag, war es genau fünf Jahre her, dass ich in der großen OP "ausgeweidet" wurde und meinen Pouch bekommen
    habe. Wir haben uns in dieser Zeit richtig gut miteinander angefreundet; er ist ja ein Teil von mir.


    Mittlerweile führe ich wieder ein ganz normales Leben, freue mich, dass ich meine Arbeit engagiert und mit Herzblut ausführen und meinen
    sportlichen und sonstigen Hobbies nahezu ohne Einschränkungen fröhnen kann.


    Alle bisherigen Nachsorgeuntersuchungen waren ohne Befund; es sieht also ganz danach aus, als könne ich im Kampf gegen den Krebs die Stärkere
    bleiben.


    Ein mieser Befund und eine schlechte Prognose bedeuten nicht automatisch das Ende - ich bin ein positives Beispiel dafür !


    :tanzen:

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  • Ein Bericht von Hexe :tanzen:


    Hier möchte ich einen kurzen Bericht über meine AHB in der Park-Therme in Badenweiler geben, eine Onkologische Nachsorgeklinik für Urologie, Gynäkologie und Inneres.


    Mein erster Eindruck war. Kalte Pracht, da es sich teilweise um ein ehemaliges Grand Hotel handelt. Das Personal in der Klinik ist ausgesprochen warmherzig, sowohl Büro-,
    Therapie- und ärztliche Mitarbeiter.


    Als Neuling bekam ich eine (Haus)Ärztin zugewiesen, die für mich zuständig war und die Aufnahmeuntersuchung durchführte, sowie mich nach meinem Rehaziel fragte
    und mit mir gemeinsam den Therapieplan zusammenstellte. Außerdem hatte ich jederzeit von Montag bis Freitag die Möglichkeit, mit einem Urologen
    und einer Frauenärztin zu sprechen. Zudem war für mich auch (werk)täglich eine Stomaberaterin erreichbar.


    Während der 3 Wochen, die ich in Badenweiler war, kam 2x meine Hausärztin und einmal der Urologe auf das Zimmer, entsprechend einem wöchentlichen “Hausbesuch“.


    Untersuchungen:


    Gründliche körperliche Untersuchung bei Aufnahme und zum Reha-Ende
    Wöchentliche Blutgasanalyse
    Urinstatus
    Großes Blutbild
    Wöchentliche Sonographie von Pouch und Nieren
    Wöchentliches Wiegen und Blutdruckmessen


    Therapien:


    Massage 2x pro Woche
    Wassergymnastik (fast täglich)
    Wandertherapie 2-3x pro Woche
    Nordic Walking 2x pro Woche
    Autogenes Training 2x pro Woche
    Quigong 1x pro Woche(habe mich nach einmal verflüchtigt)


    Zusätzliche Angebote:


    Vorträge über künstliche Harnableitungen, gesunde Ernährung usw.
    Kreatives Gestalten wie Töpfern, Seidenmalerei, Malen etc.


    Das war nur mein Therapieplan; es gab noch jede Menge anderer Angebote, die je nach Erkrankung in Anspruch genommen wurden.


    Mein Zimmer im Altbau war sauber, hell und freundlich, mit frisch renovierter Nasszelle, wenn es auch nahezu Schließfachgröße hatte (ich bin ja klein), dafür einen
    Balkon nach Südwesten, sodass ich täglich die herrliche Spätnachmittagssonne genießen konnte. Außerdem war es mit Radio, Satelliten-TV und Selbstwahl-Telefon ausgestattet.


    Die Versorgung mit Kathetern und Verbandmaterial ( ich war ja noch nicht ganz dicht) war sehr großzügig und den individuellen Bedürfnissen angemessen, wobei eine
    optimale Versorgung durch regelmäßige Nachsorge von der Stomaberaterin angestrebt wurde.


    Das Essen war lecker und reichlich (ich habe leider 2kg zugenommen):


    Morgens Frühstücksbuffet


    Mittags Salatbuffet, Suppe, zwei Hauptgerichte nach Wahl, Dessert


    Abends Buffet von kalten Speisen mit Salat, sowie kleinen warmen Snacks


    Alle 3 Wochen Candle-Light Dinner (sehr lecker)!!!!


    Sonstiges:

    Alle Patienten, die kein eigenes Fahrzeug mithatten, konnten nach Anmeldung kostenlose Fahrkarten für den öffentlichen Personennahverkehr nutzen, um z.B. nach Freiburg
    zu fahren usw.
    Das Schwimmbad stand außerhalb der Therapiezeiten den Patienten zur freien Verfügung, was ich nahezu täglich genutzt habe.


    Nachteil:


    Nichts für Leute, die Berge hassen und nicht wandern oder spazieren gehen mögen
    Nichts für Leute, die abnehmen wollen - das Essen ist leider zu verführerisch und lecker
    Manche Zimmer im Altbau zwar gemütlich, aber klein
    Wassertiefe im Schwimmbad 1,20m, für mich (knapp 1,60m) fast tief genug zum Ertrinken,:D aber ich kann schwimmen
    Etliche schicke Geschäfte, daher nachteilig für`s Portemonnaie


    Vorteil:


    Therapiebeginn für mich meist später, da ich durch nächtliches Pouchleeren (damals alle 2 Std.) permanent unausgeschlafen war. Täglich unbegrenzte Menge an Mineralwasser aus der Badenweiler Heilquelle, woran die Klinik direkt angeschlossen ist.
    Abwechslungsreiches Ausflugs- und Unterhaltungsprogramm durch die Klinik bedingt durch die Indikation gesunde Mischung von Männlein und Weiblein Badenweiler hat eine sehr gute Infrastruktur
    Herrliches Klima im Markgräfler Land Ganz nah: Freiburg 25km, Basel 33km, Schwarzwald vor der Haustür
    Ich hatte Bei Ende der AHB mein Ziel erreicht:

    ich konnte nachts nach dem Leeren des Pouch sofort wieder einschlafen und war körperlich fast wieder die alte, jedenfalls topfit....


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  • Ein Bericht von Hexe.
    Zur Durchführung einer Revisions-OP meines Mainz-Pouch 1 wurde ich mehrmals im Helios-Klinikum in Wuppertal stationär behandelt. Chef der Urologie ist Herr
    Prof.Dr.Stephan Roth, der auch den Lehrstuhl für Urologie an der Uni Witten-Herdecke inne hat. Ich wurde auf der Station B4-4 versorgt, auf der ich mich, soweit man sich als Patient überhaupt wohlfühlen kann,
    sehr wohl fühlte. Die Schwestern und Pfleger sind neben ihrer fachlichen Kompetenz auch ausgesprochen warmherzig; obwohl ich sie, da mein Pouch alle Nase lang gespült werden musste, häufig in Anspruch genommen habe,
    hat mich niemals jemand merken lassen, diese Mehrarbeit könne zuviel sein; im Gegenteil, alle waren stets fröhlich und gut gelaunt bei der Sache.


    Prof.Roth wurde mir empfohlen aufgrund seiner hervorragenden Fähigkeiten in der urologischen Chirurgie; der gute Erfolg der OP hat die für mich doch relativ weite Anreise unbedingt gerechtfertigt. Prof.Roth und seine
    Oberärzte, allen voran Herr Dr. Eggersmann kennen im Interesse des Patienten bei Bedarf weder Feierabend noch Wochenende; bei mir wurde noch freitagsabends um 19.00 Uhr unter radiologischer Kontrolle gespült
    und an einem Samstag nachmittags um 15.00 Uhr im OP ein neuer Cystofix gelegt, alles wie selbstverständlich. Tagsüber ist auf der Station nahezu ununterbrochen der unermüdliche Dr Kaldenbach erreichbar und auch
    nach Entlassung aus dem Krankenhaus werden Fragen von den Ärzten freundlich und kompetent beantwortet.


    Die Zimmer (Zweibett-) sind hell und freundlich, es gibt jede Menge Getränke kostenlos, sowie Obst und Zeitschriften.


    Einziger Wermutstropfen ist das Essen:


    wegen der Anreise aus einer weit entfernten Küche empfehlen sich bei der Speisenauswahl Eintöpfe und Aufläufe, die auch im aufgewärmten Zustand noch einigermaßen genießbar sind...

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  • Ein Bericht von Hexe, unserem verstorbenen Mitglied. :tanzen:


    Ende März 2006 wurde ich stationär mit Verdacht auf Harnblasenkrebs im Klinikum Ibbenbüren aufgenommen. Ich berichte hier über meine Erfahrungen auf der Station
    A-5 Urologie.


    Chefarzt der Urologie ist Dr.Klaus Hönecke. Er und seine Mitarbeiter, sowohl Ärzte als auch Pflegepersonal sind ausgesprochen kompetent und durch regelmäßige Fort- und Weiterbildungen stets auf dem neuesten Stand
    der urologischen Therapien. Besonders hervorheben möchte ich den vor allem für Krebspatienten so wichtigen warmherzigen und freundlichen Umgang des Personals mit den Patienten. Man hat Zeit für den Kummer des
    Krebspatienten, auch wenn man eigentlich keine Zeit hat....


    Die Zimmer auf der Station sind hell und freundlich, nur Ein- oder Zweibettzimmer mit Dusche und WC. Das Essen ist für ein Krankenhaus ausgesprochen lecker.


    Wichtig:


    auch nach der Entlassung ist bei Problemen immer eine urologische Fachkraft als Ansprechpartner erreichbar - auch am Wochenende.


    Ich habe mich, soweit das unter solchen Umstanden möglich ist, dort sehr wohl gefühlt und werde dort auch jetzt noch ambulant ausgesprochen gut und sachkundig betreut.