Betreuung zwischen Krankenhaus und Reha

  • Hallo an Euch,


    ich lese Eure Foren schon seit einiger Zeit und habe das
    Gefühl, schon etwas heimisch zu sein. Ich bin allen, die sich hier so
    einbringen sehr dankbar, da ich wirklich schon sehr viele wertvolle
    Informationen erhalten habe. Zunächst hatte ich gehofft, dass der Kelch an mir
    vorbei ginge, aber nun war ich leider fällig.


    Meine Geschichte schreibe ich ein anderes Mal und kann
    vielleicht auch schon ein paar Tipps zu den Abläufen geben, aber jetzt geht es
    mir um eine konkrete Frage, die ich trotz aller möglichen Recherchen nicht
    finden konnte.


    Ich, weiblich, 46 Jahre und lebe in Berlin, habe am letzten
    Donnerstag eine Neoblase (mit Ableitung nach unten) erhalten. Am Freitag war
    ich zurück auf Normalstation (großer Fehler, aber sie hatten kein Intensivbett
    mehr) und bin am Samstag das erste Mal aufgestanden. Seit Montag ziehe ich mir wieder normale Kleidung
    an und laufe herum. Alles heilt bestens bis jetzt. Ich soll Mittwoch/Donnerstag,
    also nach 14 Tagen entlassen werden.


    Leider hatte ich mir vermutlich bei einem vorherigen Mapping
    einen VRE Keim aufgehalst. Ich hoffe, dass dieser jetzt negativ getestet wird.
    Ich habe mich auch schon zu einer Reha über mein Versorgungswerk
    (Rentenversicherung) angemeldet und kann los, sobald ich negativ auf den Keim getestet
    bin. Sollte der Test positiv sein, käme nur eine ambulante Reha in Betracht.
    Nun beschäftigt mich folgendes: Zwischen der stationären Reha und der
    Entlassung aus dem Krankenhaus liegen ca. 3 Wochen. Ich habe recherchiert, ob
    ich in dieser Zeit nicht eine ambulante AHB über die Krankenkasse absolvieren
    könnte, um irgendwo eingebunden zu sein, wo man sich mit einem solchen, für
    mich ja neuen Organ auskennt und mich begleitet. Die Sozialarbeiterin hat mir
    mitgeteilt, sie könne für mich nur den
    Antrag auf ambulante oder stationäre Betreuung stellen. Mein Argument, dass das
    eine ja eine AHB sei, die ggf. die Kasse zahlen müsste und das andere sich dann
    als Reha über die Rentenversicherung anschließen könne, wurde damit
    beantwortet, dass es im eigentlichen Sinne das gleiche sei. Leider habe ich
    noch nicht die rechtlichen Grundlagen gefunden, um das überprüfen zu können, recherchiere
    aber noch.


    Mein Problem: Ich habe einfach mal richtig Angst vor dem
    Gang nach Hause. Schließlich lese ich hier, dass ich selbst spülen und ggf.
    selbst einen Katheter legen muss, meine Blutwerte regelmäßig gecheckt werden
    müssen usw. Die Sozialarbeiterin hat mir geraten, mir doch zweimal wöchentlich
    in dieser Zeit Krankengymnastik verschreiben zu lassen. Bei so viel geballter
    Kompetenz fehlten mir die Worte.


    Ich lebe im zweiten Stock und bin alleinerziehend. Im Moment
    habe ich solche Szenarien, dass ich zu Hause bin und überhaupt nicht weiß, wie
    ich mit meinem neuen Organ umgehen soll. Mein Operateur, der übrigens
    phantastisch ist, meinte ich solle nicht mal eine Reha machen, sondern nach Hause
    gehen und ich würde das alles hinbekommen. Das ist natürlich sehr beruhigend,
    dass er in meine Genesung ein solches Zutrauen hat, aber ich wünsche mir
    Begleitung und vor allem Anleitung. Wie kann ich das machen und was für
    Programme gibt es in dieser Zeit zwischen Krankenhaus und Reha? Gibt es einen
    Dienst, der nach Hause kommt, kann man jeden Tag irgendwo hingehen. Wo kann man
    sich betreuen lassen und wer bezahlt das? Bekomme ich eine richtige Einweisung
    in alles und ist durch wen ist die vorzunehmen? Ich stelle mir vor, ich habe
    ein Problem und weiß nicht wohin damit.


    Heute habe ich mich an die Ärzte gewandt, die tatsächlich zu
    mir gesagt haben, ich könne dann einfach nach Hause gehen, das sei doch kein
    Problem. Ich sei geheilt und alles ok. Was ich denn wolle. Ich bekäme eine
    kurze Einweisung und das würde doch ausreichen. Meine Argumentation, dass das
    schließlich ein erheblicher Eingriff sei und man sich Begleitung wünsche wurde
    mehr oder weniger als etwas überspannt abgetan. Ich habe trotzdem nicht
    nachgegeben und sie werden sich jetzt erkundigen. Ich bin fassungslos über das
    Verhalten und auch die Einstellung.


    Könnt Ihr mir ein paar Tips geben? Ich bin mittlerweile
    selbst durch meine Recherchen über die DAK, die mich sehr gut beraten hat, so weit,
    dass ich wohl eine Patientenschulung beantragen und mir als
    Heilmittelverordnung Miktionstraining und Krankengymnastik verschreiben lassen
    kann. Ich wäre aber gerne irgendwo angebunden, wo man sich mit Neoblasen
    auskennt und mich täglich begleitet bis meine Reha anfängt. Schon mal vielen
    Dank an alle, denen dazu etwas einfällt.


    Kurz noch mein Tumorstand vor der Entfernung: pT2G3. Ich
    warte noch auf das Endergebnis der Lymphknoten. 1. Befund tumorfrei.


    beeerlin

  • Hallo und guten Abend, beeerlin,


    was Du machen sollst bzw. willst, ist die AHB, ( Anschluss-Heilbehandlung ).
    Und dazu rate ich auch dringend.
    Auf eine AHB hast Du einen rechtlichen Anspruch, auf eine Reha nicht.


    Wir haben hier einige Betroffene, welche eine ambulante AHB gemacht haben, aber diese ist meiner Meinung nach mit einer stationären AHB nicht vergleichbar.....


    Guckst Du hier : http://www.forum-blasenkrebs.net/index.php?form=Search&pageNo=2&searchID=287077&highlight=ambulante+Reha


    Ja, mit VRE, ( Vancomycin-resistente Enterokokken ), hast Du Dir etwas Unangenehmes eingefangen.
    Ist dies denn schon diagnostiziert ? Sie äussert sich besonders durch starke Durchfälle.
    Mehrfach Abstriche zur Kontrolle machen lassen !
    Notfalls hilft hier ein Ersatzantibiotikum.
    Das Ansteckungsrisiko bei VRE ist für gesunde Menschen (auch für Kinder und Schwangere) sehr gering.


    Hi, hi, hi, die Einstellung der Ärzte......
    Das ist doch nicht überraschend.
    Wenn Du die Klinik verlässt, ist deren Fürsorgepflicht beendet. Du bringst ja auch kein Geld mehr in die unerschöpflichen Taschen.


    Suche Dir einen guten Urologen, denn den brauchst Du eh für die weitere Behandlung.
    Wenn Dir vor - eventuellem - Katheterisieren bange ist, dann lass Dir bis zur AHB vom Uro ein Rezept für die Physiotherapie geben. Oder für eine Stomaberaterin. Dann wird Dir das Katheterisieren gezeigt.


    Was heisst “Miktionstraining” ?
    Du kannst ein Miktionsprotokoll führen, ( findest Du im Internet ), aber trainieren kannst Du beim Physiotherapeuten oder auch zuhause.
    Guckst Du hier : Kontinenz Übungen (wie gehen sie ?)


    Angst vor dem “Nachhausegehen” musst Du nicht haben.
    Du solltest Dich nur in den nächsten Wochen mit der Hausarbeit etwas zurückhalten.
    Und in den nächsten Wochen auch nicht mehr als max. 5,00 kg heben, also bloss keinen vollen Wischeimer.


    Und immer schön ruhig bleiben und nur langsam bewegen, :grinsen: :grinsen:


    Gruß
    Eckhard

  • Lieber Eckhard,


    vielen Dank für die Antwort. Meine stationäre AHB oder Reha wird bewilligt; das wurde mir schon zugesagt. Ich habe mir auch schon eine Klinik ausgesucht und zwar in Klink die Mueritz-Klinik. Das ist von Berlin nicht so weit, so dass auch mein Sohn mal kommen kann und die Bewertungen im Internet waren ganz gut.


    Wenn ich dich richtig verstehe, meinst du das mein Urologe mich in der Zeit zwischen KKh und AHB betreuen soll. Ich habe einen sehr guten Urologen, der sich hervorragend auskennt und nachdem er mir in einem besorgten Übereifer zunächst ein Sarkom als Fehldiagnos übermittelt hatte, auch noch umsichtiger mit mir umgeht als zuvor. Ich werde ihn dann einfach um die richtigen Rezepte bitten.


    Durchfall oder so hatte ich nicht. Mein Urologe hatte vor 3 Wochen meinen Urin untersucht und den Keim gefunden.Vielleicht sitzt er auch nur dort. zudem habe ich sofort Nifurantin bekommen und das wirkt wohl noch. Heute starten sie die Testreihe. Drei Abstriche im Abstand von je drei Wochen in Rachen, Leiste, Pofalte und den Urin untersuchen sie wohl so.


    Hausarbeit ist ohnehin nicht so die meine :Was liegt an: .Kein Problem, mich dabei zurückzuhalten. Außerdem habe ich das Glück, eine gute Fee zu haben, die mir dabei hilft. Wie lange darf man denn nicht mehr als 5 Kilo tragen?


    Gut der Tip den Stomatherapeuten. Die kennen sich wahrscheinlich am besten aus, auch wenn ich ja gar kein Stoma habe, sondern eine natürlich Ableitung nach unten.


    Lieben Gruß aus
    beeerlin

  • Nun, dies ist individuell zu sehen.


    Die Narbe selbst ist recht schnell richtig verheilt, aber unten drunter....... das dauert.
    Also glaube bloss nicht, nur weil die Narbe so schön ist, wäre alles schon gut.


    Bei mir dauerte es so um die vier Monate, bis ich wieder voll belastbar war, aber ich bin ein Bär, ergo kein Maßstab.
    Ein halbes Jahr solltest Du Dir da schon gönnen.....


    Du bekommst also eine othotope Neoblase.
    Dir sollte klar sein, dass ein nicht unbeachtlicher Prozentsatz bei weiblichen orthotopen Neoblasen zu einer Hyperkontinenz, ( Harnverhalt ), führt. :spül es weg:
    Dies ist der sehr kurzen Harnröhre geschuldet, die Frauen nun einmal haben.
    Daher ist es für Dich wirklich wichtig, das Katheterisieren zu erlernen.


    Gruß
    Eck :ecke: hard

  • Hi beeeeeeerlin, also vor dem ISK (intermettierender Selbstkatheterismus), so nennt man das Kathetern, brauchst Du keine Angst zu haben. Das tut nicht weh und funktioniert bei Frauen auch einfacher als beim Mann, da ja der Abwasserkanal kürzer ist. Das Prozedere ist schnell gelernt, am besten Du lässt Dir das schon im Krankenhaus zeigen. Jedes größere Krankenhaus hat eine Stomaschwester oder Stomaberaterin, da sollten wohl in der Charite auch welche rumhüpfen. Mach jetzt schon einen Termin und lass den Berater nach ziehen des DK am Bett antreten. Ich habe das in in 10 Minuten erklärt bekommen und der Stomaberater hat beim ersten Mal geholfen. Der Stomaberater wird Dir dann auch vor der Entlassung eine Grundausstattung mitgeben und sich auch selber um ein entsprechendes Dauerrezept bemühen. Keine Panik, wenn alles gut geht brauchst Du das nicht, aber es ist besser wenn man den ISK beherrscht. Ich habe die erste Zeit täglich die Blase mit Katheter gespült da ich mit viel Schleim zu kämpfen hate. Jetzt nach 3 1/2 Jahren brauche ich das auch nicht mehr, habe aber immer ws zur Sicherheit im Haus.
    Also das einfachste ist, Du sagst auf Station Bescheid und bittest drum Dir einen Stomaberater zu schicken.


    Balu

  • Lieber Balu,


    danke für den Tip; das werde ich Montag gleich anleiern. Den Stomaberater hier habe ich schon mal gesehen. Lustiger Typ, aber nach Aussage der Ärzte für mich nicht zuständig, da ich ja kein Stoma habe. Aber ich werde nicht locker lassen. Ich bin auch ganz zuversichtlich, dass ich das schnell begreifen werde. Gestern war ich nur echt fertig. Da steht man im wahren Leben seinen Mann bzw. seine Frau und hier muss man sich immer wieder das Gefühl verpassen lassen, dass man einfach eine Memme oder Sissi ist. Wenn ich gut drauf bin, kann ich das mit viel Humor überwinden und mich trotzdem durchsetzen, aber gestern war ich auch psychisch einfach mal nicht gut drauf und dann strengen solche kleinen Kämpfe einfach an.


    Hier ist wirklich hoch qualifiziertes ärztliches Personal, was sich regelmäßig nach meinem körperlichen Befinden erkundigt. Wie man das psychisch verkraftet, interessiert keinen Menschen. Da frag ich mich immer, ob sich Ärzte nur ausbilden lassen, um an einem Körper herumzuarbeiten oder ob sie auch ein ganzheitliches Interesse haben. Naja, vielen liegt das einfühlsame Gespräch eben nicht. Zum Glück habe ich rund um die Uhr Besuch und kann mich von meinen Freuden dann auffangen lassen. Aber das technische in der Nachbetreuung muss schon glasklar geklärt sein.


    beeerlin

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