Laufen und Radfahren

  • Hallo!


    Gehöre seit dem 10. März 2014 nun auch zum "Neoblasen-Club" und habe in diesem Zusammenhang hier im Forum zahlreiche interessante und Hilfreiche Beiträge gefunden. Gut für einen Neueinsteiger - Danke! Allerdings habe ich zu folgenden Aspekten keine hinreiochenden Beiträge gefunden und hoffe nun, dass ich mit dieser Nachfrage vielleicht einige informative Hinweise dazu bekomme.


    Vorgeschichte: Bin bis wenige Tage vor der OP (Harblasen-Karzinom) ohne Beschwerden gewesen(!) und auch mit 72 sportlich noch immer sehr aktiv (Radrennen, Triathlon, Langlauf). Tägliches Training (Laufen, Rad, Schwimmen, Langlauf) von zwischen 3 und 5 Stunden täglich waren bisher seit Jahren Standard. Wettkampfmässig sehr erfolgreich, im letzten Jahr noch zahlreiche Spitzenplätze an Radrennen, Langstreckenläufen und Triathlon. OP und die wenigen Wochen Erholungszeit danach alles gut verlaufen, wöchentliche Nachkontrollen bisher problemlos. Belastend nur die erwartete und "normale" Inkontinenz. Auch eine ungewohnte, relativ starke Empfindlichkeit an der einen Hode (nicht aussergewöhnlich?).


    Zu den Fragen:


    1. Was kann abgesehen von regelmässigem Beckenbodentraining sonst noch gemacht werden, um möglichst bald ein "akzeptables" Harnverhalten zu erlangen? Bewege mich diesbezüglich derzeit noch im 2-stündigem Tages- bezw. im 3-stündigen Nachtrythmus (mehr oder weniger erfolgreich), will aber natürlich baldmöglichst dieses Zeitfenster entsprechend verlängern.


    2. Bin seit Entlassung aus dem Spital am 18. März 2014 (2 Wochen nach der OP) wieder in einem angemessenen Aufbautraining: Physiotherapie, leichtes Joggen, Radfahren auf Hometrainer. Seit kurzer Zeit auch bereits wieder täglich mit dem Mountainbike unterwegs. Alles problemlos. Interessant dabei ist, dass beim Walken/Joggen Harnverhalten praktisch unmöglich ist. Dementgegen Radfahren: auch bei einer längeren Ausfahrt (1 Stunde und mehr) praktisch kein Harnverlust! Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Was können die Gründe dafür sein? Und - ist Radfahren vielleicht wirklich die bessere Sportaktrivität als Laufen/Joggen für uns Neoblasianer?


    3. Langfristig möchte ich wieder ein möglichst hohes Konditions-Niveau erreichen, auch wenn ich in Zukunft auf Wettkämpfe verzichten werde. Alllerdings würde ich mit dem Rennrad gerne wieder lange Passfahrten unternehmen, was nur "funktioniert" mit einem entsprechend guten Trainingszustand. Wer hat Trainings-Erfahrung bezüglich Radfahren, Laufen, Langlauf, Schwimmen, wer hat entsprechende Tipps dazu? Bedanke mich im voraus für alle Kommentare!

    Urothelkarzinom, high grade pT3a pN0 (0/23) L0 V0 G3
    3.2014: Zystektomie (orthotope Neoblase)

  • Hallo vitoatsea,
    was verbirgt sich hinter diesem Namen ?
    So wie ich das lese wäre Mannyb der richtige Mann für dich hierzu einige Fragen zu beantworten. Leider trifft man ihn in letzter Zeit allzuwenig im Forum an. Ich werde ihn mal anschreiben und ihn per Link auf Deinen Beitrag aufmerksam machen.
    Die Gefahr die ich bei Euch Hochleistungssportlen sehe ist die, das ihr durch dieses Dauertraining (gerade das Laufen, Joggen) Euch eine Hyperkontinenz zuzieht. Durch diese ständige Bewegung und Belastung der Neoblase nach unten kann es Euch passieren das die Neoblase nach einigen Monaten eine Falte vor dem Ausgang schlägt und danach geht nichts mehr. (so geschehen bei Mannyb) . Dann hilft nur noch kathedern.


    Gruß Rainer

  • Nun, vito,


    Du hast eine orthotope Neoblase.
    Diese muss jetzt, in dem neugeschaffenen Raum, erst einmal den richtigen Platz finden.
    Beckenboden-Muskeltraining ist wichtig, erfordert aber auch einige Zeit.....


    Dass ein Hoden etwas schmerzt, ist wohl auch normal, ( war bei mir anfangs auch ), denn die Hoden produzieren weiterhin Sperma, welches dann langsam vom Körper abgebaut werden muss.


    Beim Laufen, ergo mit gestrecktem Körper, ist die Harnröhre recht gerade gereckt, hat also einen guten “Durchlauf”
    Bei gebückter Haltung wie beim Radfahren kann es schon gut vorkommen, dass die Harnröhre etwas abknickt und daher kaum Harn durchlässt.
    ( Es ist ja noch immer alles recht wabbelig im Unterleib. Überlegen mal, die Blase mit Prostata ist weg, dort befindet sich jetzt ein Stück Darm von ca. 70 cm Länge, aber dieses Darmstück fehlt ja auch irgendwo..... Dies ändert sich erst, wenn alles wieder seinen festen Platz gefunden hat.)


    Daher sollte das Laufen einige Zeit lang etwas hintenan gestellt werden, damit die Neoblase mit Harnröhre den richtigen Platz finden kann.
    Die doch mächtigen Erschütterungen im Unterleib erchweren dies sonst unnötig.
    Und auch die Schläge durch das Mountainbike sind 6 Wochen nach der OP wohl noch etwas kontraproduktiv.
    Du brauchst Dir ( und der Umwelt ), nichts zu beweisen !
    Du hattest Krebs und hast dieses Monster für´s erste besiegt. Das ist wichtig !


    Du solltest also mit dem Training schön ruhig anfangen und es nur sehr langsam steigern.
    In einem halben/dreiviertel Jahr wirst Du dann zu alter Stärke kommen.
    ( Die Ruhe sei dem Menschen heilig, nur die Bekloppten haben´s eilig )
    Und führe weiterhin das Beckenboden-Muskeltraining durch, dann wirst Du mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zumindestens tagsüber kontinent.


    Hast Du keine AHB gemacht ?


    Gruß
    Eck :ecke: hard

  • Hallo Vitoatsea,


    über dich findet man ja unendlich viel im Internet. Glückwunsch zu solchen Leistungen!


    Und wenn ich auch nicht viel zu solchem Hochleistungssport sagen kann, so möchte ich dir doch auch zu ein bisschen Geduld und Vorsicht raten. Es ist nunmal eine schwere Erkrankung (der man nicht einfach davonlaufen oder -radeln kann) und eine schwere Operation und du musst nicht innerhalb weniger Wochen gleich wieder von Null auf Hundert kommen. Sicherlich wird bei einem so hoch-durchtrainierten Menschen wie dir die Rekonvaleszenz-Zeit kürzer sein. Aber bitte bedenke, dass innerhalb des Körpers auch noch vieles heilen muss. Du bist nicht ausgeheilt, nur weil die äußeren Wunden verheilt sind!


    Ansonsten sind aber vermutlich MannyB oder andere Sportler die besten Ratgeber für dich. (Wir hatten hier doch auch eine Frau, die irgendwie auf der Intensivstation schon mit ihrem Trainung wieder beginnen wollte. O.k., das ist jetzt vermutlich übertrieben aber ich habe so etwas in Erinnerung.)



    Viele Grüße und weiterhin gute Besserung


    Christina

    Ich habe für meine Mutter geschrieben, bei der im Jahr 2008 Blasenkrebs diagnostiziert wurde. Am 10.01.2015 ist sie im Alter von 80 Jahren daran verstorben.

  • Hi,
    ich hab zwar keine Neoblase aber Ahnung von Trainingslehre und weiss, wie man sich wieder aus Krankheiten bzw. Verletzungen regeneriert. Das Wichtigste ist: Langsame, allmähliche Belastungssteigerungen. Ganz kleine Schritte machen und immer Rücksicht nehmen auf die Warnsignale. Wenn Du so vorsichtig agierst, vermeidest Du Überlastungen, welche sich negativ auswirken können. Gut ist, dass du keine Wettkämpfe mehr machen willst. Aber keine Sorge, Deinen Kampfgeist wirst Du noch brauchen, der Gegner gegen den Du jetzt gewinnen musst, der ist der stärkste den Du jemals hattest. Und er hält sich nicht an Regeln. Herzlich Willkommen hier im Forum und Viel Erfolg wünsche ich Dir. Hans

    05/2010 Harnblasenkarzinom mit Infiltration der prostatischen Harnröhre: Pt2b, G3-4, L1. 09-10/2010 Radiochemotherapie, 02/2011 Lungenmetastase, 05/2011 Cyberknife Therapie

  • Herzlichen Dank - Hans, Christina, Eckhard, Rainer,


    für eure prompten Rückmeldungen! Ihr gebt mir wirklich einige interessante Hinweise, die mir aber auch zu denken geben!


    Die treffende Anmerkung von Hans wird mich wohl für die kommende Zeit begleiten, wonach ich es nun mit dem stärksten Gegner meines Lebens zu tun habe, der sich an keine Regeln hält...! Da muss ich mich wohl tatsächlich drauf einstellen!


    So hatte ich mir das in der Vergangenheit auch immer vorgestellt, Christina, jeglichem Krebs einfach davonrennen?! Es hat nicht funktioniert, obwohl ich bisher noch nie ernsthaft krank war und schon immer intensiv Ausdauersport betrieben habe. Abgesehen von einer vernünftigen Lebensführung und gesunder Ernährung (kein Fleisch - aber vielleicht auch falsch...?). Die auch von dir angeratene <Geduld und Vorsicht> ist zwar nicht meine starke Seite, aber ich habe mir diesen Rat "hinter die Ohren geschrieben"!


    Interessante Hinweise von Dir Eckhard! Macht für mich Sinn was du schreibst, bin eigentlich zu gleichen Erkenntnissen gelangt. Entsprechend habe ich daher auch das Regenerations-Training geplant (zusammen mit Arzt und Physiotherapeut). Allerdings sind mir die hier geäusserten Tipps dazu sehr wichtig, ihr alle habt immerhin die Erfahrungen! Deshalb an Dich, Eckhard, auch noch eine ergänzende Frage! Natürlich beschäftigt mich auch immer noch: warum Blasenkrebs? Gemäss heutigen Wissen waren bei mir überhaupt keine Risiken (wie z.B. Rauchen) vorhanden, abgesehen vielleicht vom Alter. Was denkst du, könnte an folgender Ueberlegung "etwas dran" sein?


    Von einigen Marathonläufern unseres Alters weiss ich, dass oftmals nach einem harten Training oder Wettkampf vorübergehend geringe Blutspuren im Urin erkennbar sind (wie bei mir). Dies, weil offenbar bei einer leeren Blase durch die Schläge beim laufen die Blasenwände sich gegenseitig "scheuern" und somit der Schleimhaut kleine Schädigungen zufügen. Ist es denkbar, dass sich daraus über Jahre hinweg ein Tumor entwickeln könnte? Gibt es vielleicht noch andere Kollegen, die ähnliche Vermutungen/Erfahrungen germacht haben?


    Auch noch eine Ergänzung, Eckhard, bezüglich dem erwähnten Mountainbiking! Selbstverständlich bleibe ich damit auf befestigten "glatten" Nebenstrassen, wo Schläge eigentlich kein Thema sind. Zudem habe ich das Rad entsprechend angepasst mit einem speziellen Sattel, weicher eingestellter Federung und höher montiertem Lenker, um möglichst aufrecht radeln zu können. Und du hast recht - das bekommt mir auch tatsächlich besser als ein noch so leichtes Lauftraining (lediglich auf der weichen Unterlage einer Tartan-Sportanlage mit speziellen Laufschuhen). Sobald es die Kontinenz wenigstens für eine knappe Stunde zulässt, will ich dann aber hauptsächlich das Lauftraining mit der WETWEST ins Wasser (Hallenbad) verlegen. Hat übrigens vielleicht jemand Erfahrungen damit? Und noch dies, Eckhard: was bedeutet AHB?


    Wenn ich oben geschrieben habe, dass mir an all euren Hinweisen doch so einiges zu denken gibt - dann vor allem dein Eintrag, Rainer! Das wäre für mich schon fast so etwas wie ein Supergau - kathedern wegen Lauftraining?! Guter Hinweis, Rainer, das will ich beim nächsten Besuch beim Urologen ansprechen! Macht Sinn was du da erwähnst und deckt sich übrigens auch durchaus mit den Aeusserungen von Eckhard. Gute Sache zudem, Rainer, dass du Mannyb aktivieren willst, sicher interessant was dieser zu der Thematik zu sagen hat! Danke!


    Abschliessend auch noch zu deiner Frage, Rainer, was sich hinter meinem Namen "vitoatsea" verbirgt? Wie du sicherlich schon festgestellt hast, ist dies einfach der englische Ausdruck für "VITO auf See". Bin seit 1974 (mit wenig kurzen Unterbrüchen) und bis vor 4 Jahren mit meinem Segelschiff VITO auf den Weltmeeren unterwegs gewesen, mit an Bord Schiffskater CHICO und Lebenspartnerin. Dabei haben wir jeweils auf verschiedenen Routen auch viermal die Welt umsegelt. War für die letzten gut 40 Jahre also einfach "vitoatsea" unter Freunden, Schiffsfunk oder im Internet und so weiter, also lass ich es einfach mal so stehen wie gewohnt.


    Nochmals vielen Dank an euch alle und Gruss!

    Urothelkarzinom, high grade pT3a pN0 (0/23) L0 V0 G3
    3.2014: Zystektomie (orthotope Neoblase)

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