Invasives Blasenkarzinom - Strahlentherapie zur palliativen Radiatio

  • Nun habe ich auch den Weg hierher gefunden und hoffe auf ein paar Tipps und evtl. Prognosen.
    Meine Mutter ist zwar schon 87 Jahre alt, aber bis vor 1 Jahr noch im Fitnessstudio aktiv gewesen und keine typische 87 jährige. Vor 10 Wochen wurde ein Blasenkarzinom diagnostiziert einhergehend mit einer plötzlich auftretenden Inkontinenz. Inzwischen erfolgten zwei KH-Aufenthalte
    1. Diagnosen Blasenkarzinom, Therapie:TUR-B Freiresektion Ostium rechts und DJ Einlage rechts.
    2. nach 4 Wochen Diagnose Invasives Blasenkarzinom, Harnleiterenge bds. Therapie Tur-Blase und Harnleiterschienenwechsel beidseitig
    Histologie Harnblasenschleimhaut-Biopsat mit fokal weiterer Formation eines vorbefundlichen gesicherten invasiven Urothelkarzinoms
    Therapie: Strahlentherapie zur palliativen Radiation 6 Wochen


    Es gibt momentan keine Metastasen!


    Nach der 4. Strahlentherapie hat sie bereits Schmerzen in der Blase.


    Meine Mutter ist keine Kämpfernatur und hadert mit ihrem Schicksal. Bedingt durch viel OP´s und einer lädierten Bandscheiben nimmt sie seit Jahren Schmerzmittel. Was kann ich für sie tun und sie unterstützen und wie sieht der weitere Verlauf aus. Was passiert, wenn sie die Strahlentherapie absetzt und der Tumor weiter wächst?


    Herzliche Grüße
    Engelchen62

  • Hallo Engelchen,


    guten Morgen und Herzlich Willkommen hier im Forum. Die palliative Therapie ist im Gegensatz zur kurativen Therapie nicht auf Heilung, sondern nur auf Linderung ausgerichtet. Eine operative Entfernung der Blase mit Anlage eines Urostomas oder einer Harnleiter Haut Fistel wäre bei älteren Patienten die durchaus potentiell kurative Standard Methode gewesen. Aus irgend einem oder mehreren Gründen wollten die Ärzte Deine Mutter nicht operieren und haben sich für die palliative Bestrahlung entschieden. Vielleicht ist Deine Mutter nicht fit genug für die OP gewesen oder irgendwas im Organismus ist inoperabel. Es wäre gut zu wissen, warum.
    Die Schmerzen durch die Bestrahlung können eine sogenannte Strahlenzystitis, d.h. Entzündung der Blase durch die Bestrahlung sein. In der Regel verschwinden die Beschwerden nach der Therapie, allerdings wenn Deine Mama schon in der ersten Woche Probleme hat, ist das schon ungewöhnlich. Wichtig ist viel zu trinken und die Ärzte unbedingt darauf ansprechen. Vielleicht ist es doch eine bakterielle Infektion. Und ein ganz persönlicher Tipp: Ich würde, wenn nicht bereits geschehen, eine schnelle Zweit oder Drittmeinung einholen. Noch ist es nicht zu spät für eine Operation, wenn aber die 6 Wochen Bestrahlung durch sind, wird es aufgrund der Schäden durch die Bestrahlung nicht möglich sein, kurzfristig zu operieren, vielleicht auch gar nicht mehr möglich sein. Viel Glück, Hans

    05/2010 Harnblasenkarzinom mit Infiltration der prostatischen Harnröhre: Pt2b, G3-4, L1. 09-10/2010 Radiochemotherapie, 02/2011 Lungenmetastase, 05/2011 Cyberknife Therapie

  • Lieber Han-San,


    vielen lieben Dank für Deine Antwort.
    Ich muss noch anfügen, meine Mutter ist 87 und war bis vor zwei Jahren noch sehr fit, ging 3 x in der Woche ins Fitnessstudio. Dann hatte sie eine Entzündung im Iliosakralgelenk, das wurde erst nach 1 Jahr entdeckt, viele Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte sowie eine Opiattherapie musste sie vorher ertragen. Aber dann ging es bergauf. Sie ist geistig noch sehr fit und ansonsten inzwischen körperlich stabil, kommt mit normalen Schmerzmitteln aus. Sie hatte wieder Lebensmut und freut sich noch auf ein paar schöne Jahre. Sie hadert jetzt sehr mit dem Blasenkrebs und die von einem Tag auf den anderen totalen Inkontinenz und kommt auch nur sehr schlecht damit zurecht. Sie ist wenig belastbar und im Moment sehr schwierig. Eine Aufmunterung oder Mut machen geht nur bedingt. Sie hat in ihrem Leben schon sehr viele Unterleibsoperationen gehabt und entsprechende Verwachsungen. Aufgrund der körperlichen Konstitution lehnen die Ärzte eine OP ab. Der Tumor ist auch innerhalb der 4 Wochen (1. - 2. OP) ziemlich gewachsen. Hat einer von euch Erfahrungen, was passiert, wenn die Bestrahlung nicht anschlägt und wie der weitere Verlauf sein könnte. Wir haben unseren Urlaub abgesagt um für sie da zu sein. Es ist mir natürlich klar, wie schwierig irgendwelche Prognosen sind.
    Herzliche Grüße
    Engelchen

  • Hat einer von euch Erfahrungen, was passiert, wenn die Bestrahlung nicht anschlägt und wie der weitere Verlauf sein könnte.


    Liebes Engelchen,
    bei Therapieversagen einer Bestrahlung oder Radiochemotherapie würde normalerweise eine sogenannte Salvage Zystektomie gemacht, also eine rettende Blasenentfernung. Vielleicht werden die Ärzte das Risiko einer Zystektomie in Kauf nehmen, wenn Deine Mama das wirklich möchte. Wenn die Operation nicht gemacht wird, dann eventuell eine palliative Chemo, mit einem Mittel mit weniger Nebenwirkungen, z.B. Vinflunin. Die Ärzte werden auf jeden Fall mit allen Mitteln versuchen (und dies auch meist erreichen) dass der Patient schmerzfrei bleibt. Das wichtige ist eine differenzierte Patientenverfügung und offene Gespräche mit den Ärzten. Wie der weitere Verlauf sein wird, kann niemand genau sagen.

    05/2010 Harnblasenkarzinom mit Infiltration der prostatischen Harnröhre: Pt2b, G3-4, L1. 09-10/2010 Radiochemotherapie, 02/2011 Lungenmetastase, 05/2011 Cyberknife Therapie

  • Lieber Han-San,


    vielen Dank für Deine Antwort!
    Inzwischen geht es meiner Mutter mit der Bestrahlung ziemlich schlecht. Sie hat permanente Schmerzen und verträgt die Opiate nicht. Sie geht tagsüber alle 30 Min zur Toilette und Nachts jede Stunde. Das zehrt natürlich zusätzlich an Ihren Kräften und ich kann sie kaum aufbauen. Sie isst wenig, ich koche ihr nur Lieblingsgerichte und bringe ihr auch ansonsten nur das auf was sie Appetit hat. Sie hat inzwischen noch 46 kg und einen sehr aufgeblähten Bauch. 2 Wochen Bestrahlung hat sie nun noch vor sich. Unseren Urlaub haben wir abgesagt, das ist garkein Thema, nur weiß ich überhaupt nicht wie ich ihr noch helfen soll. Die Ärzte meine, es wäre so wichtig, dass sie die Bestrahlung durchzieht. Das will sie auch selber immer noch, mit der Hoffnung dannach wird alles gut. Eine Operation lehnen die Ärzte definintiv aufgrund ihres Allgemeinzustandes ab und eine Chemo lehnt sie ab. Wir haben eine Patientenverfügung, aber ich bin mir nicht sicher ob das eine differenzierte ist. Gibt es hier im Forum mehr Info dazu? Oder aber einen externen Link?
    Ich emfinde Eure Arbeit und den Austausch hier als ausgesprochen gut und hilfreich. Wie schön, dass es so etwas gibt. DANKE
    Es gibt vieles im Netz auf das jeder verzichten kann und so vieles das unglaublich vielen Menschen hilft.


    Herzliche Grüße
    Engelchen :saint:

  • Hallo Engelchen,
    46 KG ist echt wenig...und dass Deine Mama die Opiate nicht verträgt ist auch nicht so toll. Was für Nebenwirkungen hat sie? Gegen Verstopfung gibt es ganz gute Mittel.
    Ich hatte auch Probleme durch die Bestrahlung und hab die Zähne zusammengebissen, die zwei Wochen packt deine Mutter auch noch, danach wird geschaut ob die Bestrahlung was gebracht hat. Blasenkrebs ist strahlenempfindlich, also gibt es Grund zur Hoffnung, wenn auch eine komplette Heilung nur mit der Bestrahlung sehr unwahrscheinlich (aber nicht unmöglich) ist.
    Ich kann verstehen, dass die Ärzte keine Operation machen wollen und ich kann auch nachvollziehen, dass Deine Mutter keine Chemo will. Ich bin der gleichen Meinung. Nach der Bestrahlung wird sich Deine Mama hoffentlich schnell erholen und dann schmeckt auch das leckere Essen wieder. :-)


    Hier sind 2 Links zur Info und Vordruck für die Patientenverfügung, wenn ihr schon so was ähnliches ausgefüllt habt, dann ist es gut.
    Patientenverfuegung.pdf?__blob=publicationFile


    binarywriterservlet?imgUid=17d39f74-a874-8013-3e2d-cf9f9d3490ff&uBasVariant=11111111-1111-1111-1111-111111111111


    Liebe Grüße: Hans

    05/2010 Harnblasenkarzinom mit Infiltration der prostatischen Harnröhre: Pt2b, G3-4, L1. 09-10/2010 Radiochemotherapie, 02/2011 Lungenmetastase, 05/2011 Cyberknife Therapie

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