Hallo Forum, ich möchte mich vorstellen

  • Ich möchte die Gelegenheit endlich (!) nutzen und das „Geheimnis“ um Aurikel, die schon so viele Jahre dabei ist, aufheben.


    Hallo, liebes Blasenkrebs-Forum!


    Ich bin Christine, 38 Jahre alt und gebürtige Frankfurterin (Frankfurt am Main). Schicksalhaft hat mich die Liebe nach Bayern getragen. Mein Mann kommt vom Chiemgau, wir haben Kinder und Tiere und wir mögen allerhand, z.B. lieben wir es sehr, auf Berge zu gehen. Das machen wir auch ab Freitag für einige Tage in der Schweiz und ich habe mir fest vorgenommen, mich vorher bei Euch zu melden. Wir haben also alles: Berge, Seen, schönste Natur und, zumindest für mich gesprochen, Hochhäuser und die Eintracht Frankfurt – je nach Sehnsucht. Ein Teil Stadtkind wird mir wohl auf ewig bleiben, auch wenn ich die Umgebung hier sehr liebe. Könnte es einem besser gehen?


    Seit 1999 bin ich examinierte Krankenschwester und habe unter anderem lange Zeit auf einer urologischen Station gearbeitet. Möglicherweise besteht dort ein Zusammenhang, warum ich vor einigen Jahren auf dieses Forum mit seinen bezaubernden Teilnehmern gestoßen bin. Im Rahmen einer Studienleistung, während meines Studiums zur Diplom-Pflegewirtin an der Fachhochschule Frankfurt/M., beschäftigte ich mich mit nationalen und internationalen Leitlinien zur Harninkontinenz. Bei der Recherche stieß ich auf das Forum und blieb hängen. An sich wäre die Geschichte wie ich auf das Forum kam nun auch schon fertig erzählt und es wäre viel Lob für Euch dabei. So einfach will ich es mir nicht machen und grabe noch ein bisschen tiefer in der Kiste.
    Meine Persönlichkeit macht aus, dass ich den Menschen von jeher im Zentrum stehend betrachte. Und ich meine das auch so. Ich interessiere mich für Menschen, habe es gerne mit ihnen zu tun und mir wurde von Geburt an eine hohe emotionale Intelligenz zugeteilt – andere Sachen kann ich dafür weniger gut (Mathe zum Beispiel). Aus diesem Grund gefiel mir der Beruf der Krankenschwester, er passte zu mir. Und, ja! In vielen hehren Leitbildern von Einrichtungen unseres Gesundheitswesens steht genau das: „Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt!“ oder „Unsere Sicht auf den Menschen ist ganzheitlich!“ und was es alles für schicke Sätze gibt… Zunächst sind diese ja erst einmal ausgesprochen beeindruckend, wenn man sie wirken lässt. Wow! Wir machen uns allerdings nichts vor, die Praxis erscheint häufig diametral entgegengesetzt zur postulierten Philosophie und ich persönlich fragte mich, nach einer Weile als junge Krankenschwester, wer hier nun eigentlich wen veräppelt. Zum Verständnis: natürlich ist die Aussage von mir nicht zu generalisieren.


    Ich hatte also immer häufiger den Eindruck, dass Patienten ganz schön was mitmachen müssen und das meinte ich nicht, als ich mir den Beruf aussuchte und wollte das auch nicht. Es war mir, als müsse sich der Patient in seiner Not (zum Beispiel nach einer schlimmen Diagnosestellung) in das Gesundheitssystem anpassen und einfügen und nicht umgekehrt. Dass Wünsche des Patienten nicht immer konform mit den vorliegenden Rahmenbedingungen sind und nicht immer berücksichtigt werden können, ist mir durchaus bewusst, aber es muss(te) doch irgendwie möglich sein, einen Kompromiss zu finden. Wenigstens ist doch die Frage erlaubt, inwiefern die ein oder andere Therapiemöglichkeit in die Lebensumstände des jeweiligen Patienten eingebettet werden können und nicht einfach so von uns „Gesundheitsaposteln“ festgelegt werden (als ketzerisches Beispiel). Dieses Gefühl der jungen Krankenschwester war intrinsisch, hatte noch keine wissenschaftlichen Background und auch nicht die Spur einer Ahnung, wie es gehen könnte. Nach vielen Jahren in diversen Studiengängen, weiß ich nun mehr. Es geht!
    Damals gab es zwei Möglichkeiten. Entweder konnte ich die Segel streichen und den Beruf verlassen – das machen viele meiner Kollegen. Die Konsequenz aus dieser Entscheidung wäre gewesen, die unbequeme Gesamtsituation zu verlassen und die Augen zu verschließen. Das ist eine Lösung, aber für mich keine gute. Ich gehöre von Natur aus eher der Gruppe der Kämpfer an. Aus diesem Grund habe ich mich für die andere Möglichkeit entschlossen und (m)einen (kleinen) Beitrag zur Reformation des Gesundheitswesens zu leisten. Ich absolvierte zunächst, wie oben schon erwähnt, ein Studium zur Diplom-Pflegewirtin (FH) und danach ein Studium zum Master of Science (M.Sc.) an der Universität Witten/Herdecke. Ich widmete mich in den Jahren mehr und mehr der Evidence-based Medicine/Nursing, in welcher bei der Entscheidungsfindung die Komponente des Patientenwillens eine maßgebliche Rolle spielt. Heute habe ich einen guten Mittelweg gefunden und konzentriere mich, neben meiner beruflichen Tätigkeit in der Ausbildung und Lehre, vor allem auf die medizinische Leitlinienentwicklung (und hier um die gelingende Einbeziehung von Patientenvertretern). So viel zum beruflichen Kontext.


    Aber warum habe ich mich die ganze Zeit nicht zu erkennen gegeben?


    Ich hatte oft Impulse zu schreiben, habe auch angefangen Texte zu verfassen, letztlich habe ich diese bisher immer abgebrochen. Die Erklärung ist simpel. Ich hatte keinen Grund. In all den Jahren meiner beruflichen Tätigkeit bin ich sicher auf einer Weise zu einer Expertin herangewachsen. Ich kann und weiß viel, kann allgemein und gezielt beraten und Tipps geben – keine Frage. Aber ich werde es wahrscheinlich nicht zu dem Wissensstand schaffen, den Ihr habt. Es ist einfach vermessen zu glauben, dass ich mehr weiß, als Ihr. Das ist faktisch. Chronisch erkrankte Menschen sind die Experten! Und eben jene Einstellung vertrete ich in meiner Leitlinienarbeit (oftmals gegen unglaubliche Wände). In der leisen Begleitung, die ich gemacht habe, habe ich gespürt, dass ich nichts zu sagen habe und durch meine Beiträge Verwirrung reinbringen könnte. In der Hoffnung, die der einzelne Erkrankte hat, klammert man sich (ohne überheblich klingen zu wollen) vielleicht doch an den Profi, der was richten kann. In der Rolle habe ich mich nicht gesehen und das kann ich auch nicht leisten. Ihr seid ein extrem professionell aufgestelltes Selbsthilfe-Forum, das seinesgleichen sucht. Mein Hut ist ab, ich finde Euch toll und Ihr macht eine anerkennende Arbeit. Alle!
    Ich biete sehr gerne den Dialog und fachliche Beratung an, wenn Ihr es braucht. In den letzten Jahren habt Ihr es – aus meiner Sicht – nicht gebraucht, aber vielleicht gibt es ja noch Sachen, die wir besprechen können. Ich bin sehr gerne bereit dazu! Ihr habt meine Hochachtung (und das kommt nicht so oft vor).


    In Verbundenheit
    Christine

  • Diese wirklich netten Worte für das Forum gehen nicht nur mir sondern allen aktiv engagierten Mitgliedern runter wie Öl. Vielen Dank !!
    Und weil Du so oft vom Chiemgau schreibst, ich weiß wie herrlich es da ist, habe selbst fast 15 Jahre in Frasdorf / Wurmsdorf
    nahe am Chiemsee / Simsee gewohnt. Meine Tochter ist in Rosenheim geboren.


    Gruß Rainer

  • Ich freue mich so sehr über die offene Begegnung! :-) Und ich wünsche mir, dass es noch mehr wird...
    Rainer: gar nicht spruchreich, aber ich habe mich unlängst auf eine Professur an der Hochschule Rosenheim beworben - mein Traum! :-)

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