Therapie bei pT1, G3?

  • Guten Abend!


    Leider haben wir bzw. mein Vater (78) letzten Donnerstag die Nachricht erhalten, dass er an einem Muskel invasiven Blasenkarzinom leidet.


    Die Nachricht hat ihn so geschockt, dass er das CT vor Weihnachten nicht mehr machen lassen wollte, erst Mitte Januar hat er den Termin dafür.


    Leider war das Beratungsgespräch sehr mager, ihm wurde mehr oder weniger gesagt, dass die Blase raus muss und ein Stoma für ihn die beste Lösung wäre. Drei Tage nach dem CT ist dafür schon der OP-Termin.


    Er hat sehr große Angst vor den Schmerzen durch die OP, er hat bei der TUR schon sehr gelitten. Dahingehend wäre ich sehr gespannt auf eure Erfahrungen, vielleicht auch von Betroffenen, die einen minimal invasiven Eingriff hatten.


    Er hat auch schon seit vielen Jahren Diabetes und deswegen Angst vor Problemen bei der Wundheilung.


    Freue mich sehr, hier eine Anlaufstelle gefunden zu haben.


    Viele liebe Grüße
    Christine

  • Hallo Christine,


    sei ganz herzlich begrüßt bei uns im Forum. Es ist bedrückend und niederschmetternd wenn diese Fakten vor einem liegen. Dennoch, wir werden versuchen hilfreich zu sein wo immer es geht. Dazu ist es aber erforderlich, dass Du den Befund nach TUR-B hier einstellst. Aus diesen Befund können wir ableiten ob die Behandlung Deines Vaters leitliniengerecht erfolgt. Bei einer Zystektomie (Blasenentfernung) im Alter Deines Vaters geht man bevorzugt in die Richtung des Urostoma. Die anderen Ableitungsvarianten gestalten sich da schon problematischer was die Versorgung und die Kontinzenz betrifft.


    Die OP ist sicherlich kein einfacher Eingriff aber die Schmerztherapie hilft hier inzwischen ganz enorm. Heute wird unmittelbar vor dem Eingriff eine Schmerzpumpe angelegt und darüber wird das schmerzlindernde Medikament sehr gut dosiert. Diabetis ist für die Wundheilung schon ein Problem, das habe ich selbst so erlebt. Daher würde ich vor der OP darauf hinweisen, dass wohl eher mit einer "Naht" anstelle der heute verwendeten Klammern gearbeitet wird. In meinem Fall hatten die Klammern keinen ausreichenden Erfolg und es mußte eine Sekundärnaht angelegt werden. Gib uns auch weitere Hinweise über die Klinik und die Vorgeschichte der Erkankung. Wie und wann wurde erstmals Blasenkrebs diagnostiziert? Was wurde bisher außer der TUR-B gemacht.


    Es ist nicht toll jetzt zu den Feiertagen aber der Krebs schläft nicht und interessiert sich nicht dafür. Je nachdem wie der Befund aussieht ist Zeit ein kostbares Gut.


    Liebe Grüße
    Wolfgang

    pT4 a, G 3 und CIS, sechs Zyklen Chemotherapie, Gem/Cis


    "wer kämpft, der kann verlieren; wer nicht kämpft, hat bereits verloren"

  • Liebe Christine,


    Wolfgang hat eigentlich schon fast alles gesagt, ich möchte daher nur noch auf den "minimal invasiven Eingriff" auch "da vinci methode" oder Schlüssellochtechnik genannte OP - Methode eingehen.
    Auch wenn diese Methode z.B. bei Prostatapatiente vorteile hat, so raten wir bei Blasenkrebs und bei Entfernung der Blase von dieser OP - Methode ab. Duch die Schlüsselloch-Technik ist es schon häufiger vor gekommen, das der Tumor nicht vollständig entfernt wurde, auch werden dabei zu wenig Lymphknoten entnommen um wirklich beurteilen zu können, ob der Tumor nicht schon in das Lymphsystem vorgedrungen ist.



    Deshalb raten wir zur klassischen OP - Methode.



    Gruss
    AndreasW

    22.06.2012 erste [lexicon='TUR-B'][/lexicon] apfelgrosser [lexicon='Tumor'][/lexicon] wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite [lexicon='TUR-B'][/lexicon], diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], ein [lexicon='rezidiv'][/lexicon] pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

  • Hallo nochmal,


    Im Befund steht, dass "die Tumorinfiltrate eine Positivität bzgl. GATA3 bei Negativität hinsichtlich PSA zeigen. Das histomorphologische Bild und immunhistochemische Färbeprofil spricht für die Diagnose eines primären Urothelcarcinoms der Harnblase mit Infiltration des subepithelialen Bindegewebes entsprechend einem pT1, G3."


    Zur Vorgeschichte: die Prostata wurde schon vor einigen Jahren (acht, wenn ich mich nicht irre) entfernt bzw. geschrumpft. Deswegen war er auch regelmäßig beim Urologen. Nach einer hartnäckigen Blasenentzündung mit Blut im Urin wurde er dort vorstellig und bei der Blasenspiegelung dann eben die Tumore entdeckt. Eine Woche später war bereits die TUR-B, das war am 4.12., das Ergebnis hat er wie gesagt am 17.12. erst bekommen.


    Vielen Dank für den Hinweis mit den Klammern und der Naht. Das Thema mit den Schmerzen belastet ihn wirklich sehr. Was für Schmerzen kommen denn da überhaupt auf ihn zu? Schmerzt in erster Linie die Naht an der Oberfläche oder spürt man das auch innerlich. Wie sind denn die Schmerzen im Vergleich zur TUR-B und wie lange werden ihn die begleiten? Kann er nach der OP bald wieder aufstehen oder muss er lange liegen?


    Können denn bei der Schlüsselloch-Methode gar keine Lymphknoten entnommen oder ist das einfach nicht repräsentativ.


    Sein CT ist ja jetzt auch erst im Januar. Wenn dann weitere Metastasen gefunden würden - ist dann eine Entfernung der Blase überhaupt sinnvoll?


    Vielen Dank für eure Mühen!
    Liebe Grüße
    Christine

  • Hallo Christine,
    wegen den Schmerzen muss sich dein Vater keine Gedanken machen. Bekommst immer was am Anfang merkste eigentlich nichts, bis eben ist eine grosse OP nicht zu vergleichen mit Tur und danach fordert der Körper sein Recht und du bist mang. Man muß sich danach ca einer Woche eben befleisigen aufzustehen und laufen, laufen auch wenn es schwerfällt. So habe ich es gemacht . Jetzt nach genau einem Jahr mache ich eigentlich wieder alles auch ohne Blase.
    Schönes Weihnachten und nicht daran denken, nach den Feiertagen habt ihr immer noch Zeit dafür
    Achim38

  • Hallo,
    bei einem T1 G3 gehe ich mal davon aus das noch keine Metastasen vorhanden sind. Ein T1 ist eigentlich noch nicht muskelinvasiv, ein T1 ist bis in das
    Bindegewebe vorgedrungen, das dadurch Metastasen in anderen Organen entsteht ist sehr selten und kommt fast gar nicht vor.
    (T1 Tumor infiltriert subepitheliales Bindegewebe)
    Zur Erklärung hier klicken..


    Ebenso wie Andreas rate ich von der minimalinvasiven OP ab. Das ganze ist noch im Versuchstadium, die Ergebnisse sind nicht berauschend.
    Zu oft hatten wir hier im Forum Fälle wo es hinterher massive Probleme gab.


    Zur Blasenentfernung selbst haben wir hier einen Film:


    Zum Film, hier klicken


    Schmerzen hat man anfänglich keine, die Narbe, ca 20 -25 cm lang sollte genäht und nicht geklammert werden. Trotzdem, so eine Operation, auch
    bei einem Stoma dauert mindestens 4 Stunden. Danach 1 bis 2 Tage Intensiv, dann ca. 12 - 14 Tage Krankenhausaufenthalt.
    Die Naht schmerzt eigentlich gar nicht, das innerliche, der Darm, die anfänglich vielen Schläuche und Drainagen, die verlegten
    Harnleiterschienen, das kann etwas Schmerzen (alles im normal erträglichen Rahmen) bereiten.


    Danach unbedingt in AHB (Anschlussheilbehandlung) gehen.


    Was ist eine AHB (Hier klicken)


    Gruß Rainer

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