Warum pinkel ich nachts so unterschiedlich grosse Mengen ?

  • Hallo Leute,


    Ich habe eine Neoblase, die maximal so um die 1.000 ml aufnimmt.


    Tagsüber trinke ich etwa 5 Liter Flüssigkeit, meistens Blütentee´s und Mineralwasser, auch kurz vor´m Zubettgehen. Selten Bier, anderen Alkohol gar nicht.


    Im Allgemeinen liegt meine nächliche Urinproduktion so bei 700 bis 800 ml ( ich schlafe nur 6 Stunden und benutze Urinalkondome mit Bettbeutel, kann daher die Mengen genau ermittlen )


    Kürzlich, ( vor ca. 3 Wochen ), hatte ich einige Tage lang ein unangenehmes Gefühl im Bauch.
    Keinen Schmerz, mehr so einen Druck, ähnlich einem Völlegefühl.
    Tagsüber habe ich normal gepinkelt, so 4 bis 5 mal, immer so um die 500 bis 600 ml.
    ( Ich machen immer mal tagsüber zwischendurch Mengenkontrollen )
    Natürlich entleere ich mich des Abends vor dem Schlafengehen komplett.......


    Eines Morgens dachte ich, ich seh nicht richtig :
    Es waren 1.800 ml im Bettbeutel. Das Ding war richtig voll !!
    In der nächsten Nacht waren es 1.750 ml, eine Nacht darauf nochmal 1.500 ml, seither wieder normal die 700-800 ml.
    Dieser unangenehme Druck war weg.


    Hat jemand dies auch schon einmal erlebt ?
    Kann es sein, dass sich die Neoblase irgendwie anders gelegt hat und dadurch verhinderte, dass sie sich richtig entleerte, der Urin ergo “wie in einem Sack” in der Blase hing ? Allerdings hatte ich tagsüber pinkeln können wie immer !!
    Kurz vorher hatte ich eine CT gemacht, alles in bester Ordnung.
    Hinterher hatte ich eh´ meine Nachuntersuchung, nichts Auffälliges zu entdecken, Blutwerte alle im grünen Bereich.


    Und noch eine merkwürdiges “Erlebnis” :
    An einem heissen Sommerabend im Juni hatte ich mich mit Mineralwasser vollgeschüttet.
    Ich denke, dass ich ab 18:00 Uhr so um die 3 Liter getrunken hatte.


    Morgens bemerkte ich, dass meine Betteinlage nass und die Pufferzone meines Urinalkondomes prall voll war.
    Der Urin lief nicht ab. Als ich versuchte, den Urin mit der Hand aus dem Kondom durch den Schlauch zu drücken, ging das nicht, sondern der Urin lief aus der Klebestelle raus.
    Ich wunderte mich, stand auf und wollte den Bettbeutel zum Leeren aufnehmen.
    Da sah ich, dass der Bettbeutel prall war wie eine aufgeblasene Schweinsblase.
    Nur halb voller Urin, ( ca. ein Liter bei einem Bettbeutel von zwei Litern Aufnahmekapazität ), aber richtig prall. Wie ein Ball. Es muss ergo ein Gas da drin gewesen sein, dessen Druck so hoch war, dass es nicht nur den Beutel so aufgeblasen hatte, sondern auch verhinderte, dass der Urin durch den Schlauch in den Beutel fliessen konnte. Die Rücklaufsperre des Bettbeutels ( von Sauer ) machte einfach nicht mehr offen.
    Daher auch der Rückstau in dem Kondom.
    Als ich den Ablasshahn öffnete, schoss der Urin richtig aus dem Beutel heraus.
    Ich habe meinen Urologen gefragt, aber der konnte mir keine richtige Antwort geben, im Gegenteil, der guckte mich so an, als hielte er mich für etwas bescheuert.


    Kann es wohl sein, dass die Kohlensäure ( ich hatte ja wirklich viel Mineralwasser intus ) nicht komplett von den Nieren abgebaut und dann über den Harn in den Beutel transportiert wurde und diesen so aufblies ?
    Eine andere Erklärung habe ich nicht gefunden......


    Eure Antworten würden mich schon sehr interessieren.


    Schönen Freitag
    Eckhard Petersmann

  • Hallo Rainer,


    die Sache mit dem Gas ( nicht Luft ) in dem Bettbeutel habe ich mittlerweile geklärt :


    In den Nieren gibt es die sog. Bowmannsche Kapsel.
    Dort wird das Wasser mitsamt der gelösten Kohlensäure von den verwertbaren Partikeln getrennt und in den Primärurin abgeleitet.....


    Das konnte ich ja vordem - manchmal - gut erkennen, wenn der Harn, nach dem Genuss mehrere herzhafter Radeberger, beim Auftreffen in das Urinal beim Pinkeln schäumte.


    Daher kann es - nach dem Genuss von recht viel kohlensäurehaltigen Getränken - zu diesem Phänomen kommen....


    Die Literkes, die ich tagsüber so in mich hineinschütte, sind auch recht einfach zu erläutern :


    Ich habe zuhause und im Büro so richtig grosse Tassen, ( Franzosentassen ), in die passen ca. 600 ml.
    Morgens trinke ich zum Frühstück eine Tasse Kaffee.


    Im Büro dann ( so ab 08:00 Uhr bis 17:00 Uhr ) zwischen 5 und 6 Tassen Blütentee ( Hagebutte, Pfefferminz, Kamille ),
    da mir der Urologe sagte, das wäre besser als die Früchtetees, die ich vorher getrunken hatte, da Blütentee einen Bakterienbefall eher verhinderte als Früchtetee, der aber wiederum besser wäre wegen der Säure.
    Am Besten wäre wohl Brennesseltee, brrrrr....
    ( Vorher habe ich die gleiche Menge tagsüber als Kaffee getrunken !! Schwarz, ohne Zucker )


    Im Sommer setze ich mich spätnachmittags gern zum Italiener, trinke dort zwischen zwei und drei - normale - Tassen Kaffee und lasse die Leute an mir vorbeiflanieren.


    Zuhause trinke ich zum Abendessen dann einen Liter Milch.
    Und nach dem Essen nochmal eine Tasse Kaffee ( wegen der Verdauung, hi, hi )


    Und im Laufe des Abends greife ich dann schon mal gern zur Mineralwasserflasche.


    So kommen 5 Liter oder mehr schnell zusammen......


    Andererseits haben mir sowohl mein Urologe als auch der Chefarzt in der Klinik ( als Operateur ) und der Ärztliche Direktor in Bad Wildungen ( Klinik Reinhardshöhe ) gesagt, meine nächtliche Inkontinenz würde ich - auch nach noch so vielem und intensivem Beckenbodentraining - nicht mehr los werden.
    Es ginge einfach nicht.


    Ich trainiere jetzt seit über eineinhalb Jahren, jeden Tag und intensiv. ( Kann ja nicht schaden, solange man einen Muskelkater vermeidet, hi, hi )


    Und was soll ich sagen : Die Leute haben recht !!
    Es hat sich überhaupt nicht verbessert.....


    Da ich daher nächtens eh´ Urinalkondome ( oder andere Hilfsmittel ) verwenden muss, warum sollte ich dann weniger trinken, wenn ich Durst habe?


    Auf jeden Fall besser mehr als zu wenig....


    Gruss
    Eckhard Petersmann

  • Nun,


    da haben mein Urologe, die Station im Krankenhaus ( und ich auch ) eine andere Meinung :


    Gerade eine Neoblase sollte so gering wie möglich bakterienbefallen sein.


    Warum :


    Einer Neoblase fehlen, im Gegensatz zu einer normalen Blase, die "Rückschlagventile" an den Harnleitern, welche den Rückfliuss von Harn in die Nieren verhindern sollen.


    Bei einer Neoblase erfolgt die Entleerung im allgemeinen durch das Anspannen des Beckenbodenmuskels sowie der Bauchpresse.
    Diese Anspannung ist keinesfalls mit einer "normalen" Anspannung eines gesunden Blasenmuskels zu vergleichen.
    Diese - willkürliche - Anspannung ist halt nicht so ausführbar wie eine Blasenkontraktion. Es kann daher zu einer Restharnbildung kommen, welche vorher ( auch in einer Neoblase ) nicht vorhanden war.

    Bedingt durch die fehlenden Klappen kann dann der bakterienbefallene Urin in die Nieren zurückgedrückt werden und hier zu irreparablen Schäden führen.


    Gerade bei einer Restharnbildung oder einer Hyperkontinenz ist daher auf möglichst geringsten Bakterienbefall zu achten.


    Rainer, ich würde - an Deiner Stelle - nicht so locker mit diesem Problem umgehen.


    Niemals wächst ´ne Niere nach !!


    Gruss
    Eckhard

  • Ich habe ja nicht gesagt, dass überhaupt keine Bakterien in der Neoblase sein dürfen.


    Das geht natürlich nicht......


    Aber man muss einen Befall auch nicht herausfordern.


    Ich beschäftige mich eigentlich gar nicht mit meiner Behinderung, zumindestens nicht tagsüber oder während ich z.B. hier schreibe.
    Da geniesse ich mein Leben genau wie vorher.


    Aber des Abends, wenn man ins Bett geht, sich vorher das Urinalkondom drüberziehen muss, den Bettbeutel hinhängen und den Schlauch anschliessen muss, morgens, wenn alles wieder ab und der Bettbeutel gespült werden muss, dann kommt man doch manchmal schon ins Grübeln.....


    Vorher, mit den Windeln und der morgendlichen Sauerei beim Auspellen, da war es aber noch schlimmer.


    Wenn Du damit nichts zu tun hast, sei froh.....


    Ich habe übrigens vor zwei Jahren mal "später gebremst", um "länger schnell zu fahren".
    Dabei hat es meinen Wector ( 428 PS, 320 Km/h Spitze ) zerlegt. Totalschaden. Ich : Nichts.


    Heute muss ich mich mit so einer lahmen Kiste wie dem SL 320 rumquälen...... :D


    Gruß
    Eckhard

  • Hallo Rainer und Eckhard,


    Mein Vater hat vor kurzem auch eine Neoblase bekommen - kann sich damit auch soweit ganz gut arrangieren.


    Aber 600 ml oder gar 1.000 ml lässt er meines Erachtens nie in der Blase verweilen. Sein operierender Arzt - zugleich nun auch sein Urologe - hat ihm etwa 350 - 400 ml empfohlen, damit die Blase nicht zu sehr ausgedehnt wird. Gerade dieses Überdehnen soll die Restharnbildung fördern.
    Aber ich frage nochmal nach - ich kann mich ja auch täuschen....

  • Hallo Martin,


    bevor ich operiert wurde, sagte mir der Chirurg, dass ich eine Blase bekäme, welche zwischen 800 und 1.000 ml Volumen aufnehmen würde.


    Natürlich sollte dieses Volumen erst nach etwa einem halben Jahr erreicht sein.


    Anfangs hielt die Blase so um die 250 ml, aber dann, in wöchendlichen Abständen, erhöhte sich das Volumen immer so um die 25 bis 30 ml.....


    Selbstverständlich habe ich anfangs darauf geachtet, die Blase nicht zu überfüllen, deshalb bin ich anfangs des Nachts zweimal aufgestanden, da meine Nieren - wie Du in meiner Krankengeschichte nachlesen kannst - täglich zwischen 4 und 5 Liter Harn produzierten und deshalb war mir eine Zeitspanne von 6 bis 7 Stunden Schlaf ganz einfach zu gefährlich.
    Zu der Zeit habe ich aber lange nicht so viel getrunken wie heute.


    Erstaunlicherweise konnte ich des Nachts, kurz nach der Operation, den Urin etwas halten.
    Aber dann wurde die Inko nachts immer schlimmer, bis ich zu Hilfsmitteln griff, da ich eh´jede Nacht auslief.


    Als in Bad Wildungen Urindruck und Menge gemessen wurde, habe ich denen 835 ml in den Behälter gestrullt, ohne dass ich mich besonders voll fühlte.


    Als ich irgendwann im letzten Sommer zur Urinuntersuchung den Tagesurin ( 24 - Stundenurin ) mitbringen sollte, musste ich mir einen 10-Liter Kannister kaufen.
    Mitgebracht hatte ich dann fast 7,50 Liter !!
    Aber darüber war in dem Labor niemand sonderlich erstaunt.
    Man sagte mir, es gäbe Leute, die brächten 10 Liter mit !!


    Mittlerweile hat sich meine Urinproduktion auf ca. 5 Liter täglich reduziert.
    Ich glaube, meine Nieren hatten Anfangs erheblich mehr produziert, weil ich rechts - bedingt durch den zugewachsenen, rechten Harnleiter - eine Stauniere hatte......


    Zitat

    Sein operierender Arzt - zugleich nun auch sein Urologe - hat ihm etwa 350 - 400 ml empfohlen, damit die Blase nicht zu sehr ausgedehnt wird.


    Mehr habe ich anfangs auch nicht hineinkommen lassen.
    Aber mit der Zeit wird es mehr.


    Schönen Dienstag
    Eckhard Petersmann

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