Vater an Blasenkrebs pT3a G3 erkrankt

  • Liebe Leser,


    ich möchte mich kurz vorstellen.
    Mein Name ist Britta und ich schreibe für meinen Papa, 64 Jahre, Nichtraucher (Profil auf ihn angepasst).


    Nach langem hin und her mit diversen Antibiotika-Versuchen (Blasenentzündung ohne Entzündungswerte)
    war uns klar, dass mein Papa Blasenkrebs hat.


    Dies wurde mit der TUR-B OP am 25.4. bestätigt. Erst wurde davon ausgegangen, dass alles entfernt worden ist, aber er war leider doch schon eingewachsen.


    Vorläufiger Befund:


    "Anteile eines wenig-differenzierten soliden Urothelkarzinom (35gr) mit herdförmiger plattenepithelialer Differenzierung und diffuser
    Infiltration der muskulären Harnblasenwand rechts (pT2, G3, p53 positiv).
    Oberflächenurothel mit herdförmig mittelschwerer Dysplasie."


    CT und Röntgenbild waren unauffällig. Also keine sichtbaren Metastasen.
    Termin für Blasenentfernung/Prostataentfernung steht für den 25. Mai (kann sich da in 2 Wochen noch etwas tun in Hinsicht auf Metastasen o.ä.?)


    Handelt es sich um 2 Tumore? Einer davon noch gutartig?
    Natürlich habe ich schon versucht viel zu lesen aber alles konnte ich nicht verstehen :|
    Der Arzt sagte, sein Tumor ist eher selten und kommt eher in Gebieten wie Afrika vor-Bliharziose oder so ähnlich fiel.
    Ebens soll er gesagt haben, dass der Tumor daher eher oberflächlich ist. Aber er ist doch muskelinvasiv! Wie passt das zusammen?
    Leider war ich nicht dabei beim Gespräch.
    Er wird übrigens im UKE Hamburg behandelt.
    Was bedeutet p53 positiv? Die Infos aus dem Netzt haben mich leider nicht schlauer gemacht. Nur, dass es wohl eher negativ ist.


    Wie seht ihr das Ganze?
    Ich bin wirklich über jede Meinung und jeden Gedanken sehr dankbar!


    Viele Grüße
    Britta

    Ich schreibe für meinen Vater Jahrgang 51


    April 2016 nach [lexicon='TUR-B'][/lexicon]: Muskelinvasives Urothelkarzinom mit herdförmiger plattenepithelialer Differenzierung, pT2 G3 53 positiv
    Mai 2016: [lexicon='Zystektomie'][/lexicon]
    Befund nach [lexicon='Zystektomie'][/lexicon]: G3, pT3a, pN0 (0/27), L0, V0 local R0 plus Oberflächenurothel [lexicon='CIS'][/lexicon]
    6.10.16: Ende 4 Zyklen Cisplatin/Gemzar (ab Z2 nur 80% wg. Fatigue)
    16.11.16: Beginn Reha in Ratzeburg

  • Hallo Britta,
    CT und Röntgen unauffällig, das ist schon mal die halbe Miete. Das die Blase bei einem PT2 G3 raus muss ist nicht umstritten.
    Es handelt sich um einen Tumor, muskelinvasiv (T2), da p53 positiv bedeutet das man ein Protein gefunden hat welches etwas über die mögliche Rezidivmöglichkeit aussagt. P53 positiv bedeutet erhöhte Rezidivmöglichkeit wenn die Blase nicht entfent wird. Die Dysplasie ist eine Vorstufe von Tumoren.


    Da aber die Blase sowieso entfernt wird spielt das ganze nach der Blasenentfernung keine Rolle mehr.
    Wichtig ist dann erst einmal ob und wieviel Lymphknoten befallen sind, wenn keine, wäre das die nächsten 45% der Miete, ein Restrisiko bleibt immer welches dann aber durch lückenlose Nachsorge rechtzeitig erkannt werden kann.


    14 Tage Wartezeit ist vertretbar und normal. Jetzt viel an die frische Luft, eventuell noch ein paar Kilo anfressen, im Krankenhaus (14 - 21 Tage) verliert man nach der ca. 8 stündigen Operation manchmal über 10 KG. Gebt ihm eine Stofftragetasche mit die sehr lange Schlaufen hat, damit kann er dann mit seinen ganzen Schläuchen und Flaschen schon gut spazieren gehen.
    Du wirst sehen, nach 3 oder 4 Tagen pfeift er schon den Karbolschwestern hinterher.


    Von AHB über Schwerbehindertenausweis gibts ja noch viele Fragen, Nachsorge, mögliche Harnableitungen usw..


    Stelle Deine Fragen hier ein, wir werden immer antworten.


    Gruss Rainer aus Aachen

  • Ich bin wirklich über jede Meinung und jeden Gedanken sehr dankbar!


    Ich staune und bin verwundert. Da antwortet man recht zügig und die Antwort wird nicht mal gelesen, geschweige denn Rückgeantwortet.
    Nun, so was erlebt man hier immer wieder das sich Mitglieder in höchster Not registrieren, Fragen stellt und man dann von ihnen nichts mehr hört.
    Ziemlich frustierend für den, der sich 10 Minuten Gedanken macht und ausführlich antwortet und auch noch darauf hinweist weitere Fragen einzustellen.


    So ist das in einem Forum, leider kann man da nichts machen weil hier ein jeder eben anders gestrickt ist und man nicht die Motivation kennt die ihn dazu getrieben hat diese Frage im Forum zu stellen.


    Einen schönen Pfingstsonntag von Rainer

  • Ich staune und bin verwundert. Da antwortet man recht zügig und die Antwort wird nicht mal gelesen, geschweige denn Rückgeantwortet.
    Nun, so was erlebt man hier immer wieder das sich Mitglieder in höchster Not registrieren, Fragen stellt und man dann von ihnen nichts mehr hört.
    Ziemlich frustierend für den, der sich 10 Minuten Gedanken macht und ausführlich antwortet und auch noch darauf hinweist weitere Fragen einzustellen.


    So ist das in einem Forum, leider kann man da nichts machen weil hier ein jeder eben anders gestrickt ist und man nicht die Motivation kennt die ihn dazu getrieben hat diese Frage im Forum zu stellen.


    Einen schönen Pfingstsonntag von Rainer

    Liebes Forum und besonders lieber Rainer,


    ich kann deinen Unmut verstehen!
    Bitte sei mir nicht böse. Leider hat es mich selbst gerade niedergerafft.


    Deine liebe Antwort habe ich allerdings sofort in meiner Email-Benachrichtigung gelesen. Und weiß sie wirklich sehr zu schätzen! Von daher hoffe ich auf eine zweite Chance bei dir :rolleyes:
    Deinen tollen Tipp mit den Stofftaschen habe ich bereits umgesetzt und heute werde ich für genügend Kalorienzufuhr sorgen indem er Gyros, Pommes und Tzaziki bekommt.
    Als zukünftigen Ausgang hat er sich für den externen Ausgang entschieden. Er bevorzugt die Stomaversorgung als die Neoblase. Das ist bestimmt die richtige Entscheidung. Ich überlege nun ob es Sinn macht gegen die Berufsgenossenschaft anzugehen und auf Berufskrankheit zu drängen. Ob es etwas bringt weiß ich nicht, mag sein, dass es mehr Ärger und Anstrengungen als Nutzen hat, zumal er schon in Rente ist.


    Es gehen einem momentan sehr viele Gedanken im Kopf herum und es herrscht die Ruhe vor dem Sturm...


    Vielen Dank noch einmal für die schnelle und informative Antwort.


    Viele Grüße Britta

    Ich schreibe für meinen Vater Jahrgang 51


    April 2016 nach [lexicon='TUR-B'][/lexicon]: Muskelinvasives Urothelkarzinom mit herdförmiger plattenepithelialer Differenzierung, pT2 G3 53 positiv
    Mai 2016: [lexicon='Zystektomie'][/lexicon]
    Befund nach [lexicon='Zystektomie'][/lexicon]: G3, pT3a, pN0 (0/27), L0, V0 local R0 plus Oberflächenurothel [lexicon='CIS'][/lexicon]
    6.10.16: Ende 4 Zyklen Cisplatin/Gemzar (ab Z2 nur 80% wg. Fatigue)
    16.11.16: Beginn Reha in Ratzeburg

  • Na klar, jeder bekommt hier eine zweite und auch dritte Chance.
    OK.. jeder entscheidet für sich, wenn Dein Vater meint das das Stoma das richtige für ihn ist das ist das völlig ok so. Auf jeden Fall hat er dann
    nichts mit der Inkontinenz zu tun.


    Berufsgenossenschaft Ja/Nein.. einige schwierige Frage. Ich hab hier mal einiges zusammengestellt. Prüft das ob davon etwas auf Deinen Vater zutrifft.
    Wenn ja, dann lohnt es sich vieleicht doch mal bei der BG anzuklopfen.



    In einigen Berufen haben die Arbeiter Umgang mit Stoffen, die langfristig die Entstehung von Blasenkrebs auslösen können. Hier sind besonders die aromatischen Amine zu nennen, deren humankanzerogenes Potential unterschiedlich ist. Weitere gefährliche Substanzen sind Azofarbstoffe und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in hohen Konzentrationen.
    Zu den gefährlichen Stoffen gehören folgende Substanzen:

    • Benzidin
    • beta-Naphthylamin
    • 4-Aminobiphenyl
    • 4-Chlor-o-toluidin
    • o-Toluidin
    • Dinitrotoluol-haltige Sprengstoffe

    Daraus resultierend haben folgende Berufsgruppen ein erhöhtes bis deutlich erhöhtes Risiko einen Blasenkrebs zu bekommen:

    • Friseure bis ca. 1980 (Haarfarbstoffe)
    • Maler und Lackierer bis ca. 1960
    • Steinkohlenbergleute unter Tage
    • Mitarbeiter in der chemischen Reinigung
    • Straßenbauarbeiter im Umgang mit Teer
    • Schornsteinfeger
    • Arbeiter in der

      • Herstellung von Sprengstoffen
      • Kokerei
      • Gummindustrie
      • Herstellung und Umgang mit Benzidinfarbstoffen
      • Aluminiumelektrolyse nach Söderberg
    • Arbeiter, die regelmäßig hohen Konzentrationen von Verbrennungsprodukten in der Atemluft ausgesetzt sind (z.B.Stahlherstellung, Feuerwehrleute)
    • Färber in der

      • Textilindustrie
      • Druckindustrie
      • Lederindustrie

    Tabakkonsum erhöht das berufliche Blasenkrebsrisiko. Das schließt die Anerkennung einer Berufskrankheit nicht aus.



    Gruß Rainer

  • Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.


    Es kann nun sein, dass er sich doch für die Neoblase entscheidet.
    Ich weiß ja wie mein Gefühlschaos aussieht-wie muss es da bei ihm aussehen :(


    Ja leider fällt er in eine der Kategorien die du aufgezählt hast. Geraucht hat er auch-allerdings schon 20 Jahre nicht mehr.
    Ich bin mir nicht sicher, ob er die Kraft hat auch noch dafür zu kämpfen-selbst wenn ich es täte.
    Ich denke wir überlegen das wenn die OP gemeistert ist.
    Momentan glaube ich, dass er sich nur so viel Gedanken macht und Informationen verschafft wie notwendig ist.
    Aber solange es ihm guttut, bin ich froh wie er damit umgeht.


    Vielen Dank für den Moment! Am Mittwoch nächster Woche geht es los-die Angst und Aufregung steigen.
    Aber einen Schritt nach dem anderen. Erst gilt es die OP gut zu übertehen.


    Viele Grüße an alle
    Britta

    Ich schreibe für meinen Vater Jahrgang 51


    April 2016 nach [lexicon='TUR-B'][/lexicon]: Muskelinvasives Urothelkarzinom mit herdförmiger plattenepithelialer Differenzierung, pT2 G3 53 positiv
    Mai 2016: [lexicon='Zystektomie'][/lexicon]
    Befund nach [lexicon='Zystektomie'][/lexicon]: G3, pT3a, pN0 (0/27), L0, V0 local R0 plus Oberflächenurothel [lexicon='CIS'][/lexicon]
    6.10.16: Ende 4 Zyklen Cisplatin/Gemzar (ab Z2 nur 80% wg. Fatigue)
    16.11.16: Beginn Reha in Ratzeburg

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