multifokales Harnblasenkarzinom pt2G3 mit Infiltration der prostatischen urethra und Lungenmetastasn

  • Hallo mein Name ist Astrid,


    Bei meinem Vater ist letztes Jahr im Oktober eine thulium blasennukleation der Prostata durchgeführt worden. Im Januar eine TÜR-Blasenbachtesektion (Multiffokales harnblasenjarzinom pT1,G3,pTaG3). Nachdem er die zystektomie abgelehnt immer und immer wieder abgelehnt hat und die BCG-Therapie fehlgeschlagen ist, hat sich der Tumor jetzt ausgebreitet. Nachdem nochmal eine blasenspiegelung durchgeführt wurde sagt die Histologie nun pT2G3 mit Infiltration der prostatischen urethra pT4aG3. Nach CT wurden noch Lungenmetastasen entdeckt, die Biopsie bestätigte, dass es fernmetastasen sind. In 2 Tagen beginnt nun die chemo (2 Zyklen). Mein Vater ist nach wie vor der Ansicht dass das alles überhaupt nicht schlimm ist und nach den beiden Zyklen alles weg ist! Bin sehr verzweifelt, wäre sehr dankbar wenn ich hier antworten bekäme, WIE ernst die Lage einzuschätzen ist und wie die Prognose ist.

    Ich bin völlig hilflos

    Danke schon mal im Voraus

    Liebe Grüße Astrid

  • Liebe Astrid,

    sei herzlich begrüßt bei uns im Forum. Die geschilderte Situation ist schockierend und ich fürchte, dass Dein Vater alles getan hat und noch tut um alsbald an Krebs zu sterben. Mir ist solch eine Beratungsresistenz noch nicht begegnet. Ich, ich persönlich halte die Lage für sehr ernst. Was bitte planen die Ärzte nach den zwei Zyklen der Chemotherapie?


    Gruß Wolfgang

    April 2009 CIS, bis Aug. 2009 6xBCG Instillation. Diagnose im Jan. 2010: Harnblasenkarzinom pT4a pTis L1 V0 pN1 pMx R0 G 3, Prostatakarzinom pT1a L0 V0 pN0 pMx R0 G 2 GL: 3+3=6 . Februar 2010 radikale Cystoprostatektomie mit Anlage eines Sigma Conduit. April bis Juli 2010 Chemotherapie 6 Zyklen Cisplatin/Gemcitabin


    "wer kämpft, der kann verlieren; wer nicht kämpft, hat bereits verloren"

  • Hallo Astrid,


    Ich denke das im Jan / 2017 die Krebserkrankung bei einem pTa und einem pT1, beide G3 noch in den Griff zu bekommen gewesen wäre.. Nach dem BCG Versagen hätte man eine Operation (Blasenentfernung) durchführen müssen. !!!


    Jetzte bei einem pT2G3 mit Infiltration der prostatischen Urethra pT4aG3 ist es zu spät. Der Tumor hat gestreut und sitzt in der Lunge und wird sich von dort aus weiter verbreiten.

    Ich betrachte die zwei Zyklen als palliative Maßnahme um noch etwas mehr an Lebenszeit zu gewinnen. Die Lage ist als sehr ernst einzuschätzen, Die Prognose ist noch weniger als bescheiden. Wenn du uns nun fragst wie lange noch ? , das können wir dir nicht sagen, das ist bei dieser Diagnose von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.


    Es tut mir leid das Dein Vater so reagierte, mit 2 Zyklen alle weg ist vieleicht sein Wunschtraum aber absolut nicht realistisch.


    Gruß Rainer


    Ein Systemadministrator schläft nicht. Er root!

  • Liebe Astrid,


    Wie die Lage ist, nun Astrid, ich glaube, dass du dies sehr genau weißt - das es für deinen Vater nicht gut aussieht. Auch werden die zwei Zyklen Chemotherapie nichts ändern, diese werden die weitere Ausbreitung der Tumoren bestenfalls nur etwas hinaus zögern.


    Schon bei einem "einfachen Lymphknotenbefall" wird in der Krebstherapie und Nachsorge eine Chemotherapie von mindestens 2 bis 4 Zyklen gemacht, hat der Tumor schon Anschluss an eine Vene gefunden, so werden zwischen 4 und 6 Zyklen Chemo angesetzt.

    Nun kannst du Dir etwa vorstellen, wenn bei "leichteren Befunden" eine größere Anzahl an Zyklen durchgeführt wird, was dann die zwei Zyklen für deinen Vater bedeuten. Diese Chemo wird nicht kurativ ausgelegt sein, sondern nur darauf, deinen Vater noch etwas mehr Zeit zu verschaffen.

    Wie lang diese Zeit sein wird, ist schwer absehbar - aber das Verweigern der OP (Blasenentfernung) wird deinem Vater das Leben kosten.


    Entschuldige, diese recht offenen Worte - aber in dieser Situation muss "Klartext" gesprochen werden.


    Gruss

    AndreasW

    22.06.2012 erste TUR-B apfelgrosser Tumor wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite TUR-B, diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte TUR-B, 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte TUR-B, ein rezidiv pTa G1

  • Liebe Astrid,


    sei herzlich willkommen in unseren Forum, dem besten seiner Art.


    Du erlebst nun das Schlimmste, was Angehörige erleben müssen. Nämlich dass sie genug Fachwissen haben, um zu merken, dass sich der Patient in den sicheren Tod hineinmanövriert.


    Ich habe ähnliches bei meiner Mutter erleben müssen (allerdings erst 6 Jahre nach ihrer Zystektomie) und da wollte sie einfach nicht mehr leben. Aber auch meine Oma hat zum Beispiel - aus kosmetischen Gründen (!) - eine Zystektomie konsequent abgelehnt und ihren schnellen, aber qualvollen Tod in Kauf genommen.


    Ich persönlich würde dir raten, deinem Vater einmal noch (damit du dir hinterher kein schlechtes Gewissen machen musst) zu sagen, dass er sterben wird, wenn er die Zystektomie ablehnt. Ihm einmal noch sagen, dass die zwei Runden Chemotherapie keine heilende Wirkung haben.


    Und dann - so schwer es dir und uns allen fällt - musst du ihn entscheiden lassen und seine Entscheidung akzeptieren.


    Du kanst dir deinen Frust diesbezüglich gerne hier von der Seele schreiben. Ich weiß noch genau, wie ich verzweifelt versucht habe, zu meiner Mutter durchzudringen und ihr Leben zu retten. Und dann doch irgendwann akzeptieren musste, dass meine Mutter das so nicht will.


    Die Entscheidung des Patienten muss respektiert werden (solange er noch klare Gedanken hat) und das, was du dann aber unbedingt machen solltest: Bitte achte darauf, dass immer größtmögliche Schmerzfreiheit gewährleitet ist. Kümmere dich um einen Platz in einem Hospiz oder - wenn dein Vater unbedingt zu Hause sterben möchte - lass dir über den Hausarzt ein SAPV-Team verordnen, das für möglichst große Schmerzfreiheit sorgen wird.


    Ich drücke dir die Daumen, dass du alles gut überstehst und habe dich und deinen Vater in meine Gebete eingeschlossen, damit dein Vater wenigstens würdevoll und schmerzfrei sterben kann.



    Liebe Grüße


    Christina

    Ich habe für meine Mutter geschrieben, bei der im Jahr 2008 Blasenkrebs diagnostiziert wurde. Am 10.01.2015 ist sie im Alter von 80 Jahren daran verstorben. Da das Forum wie eine Familie für mich ist, bin ich ihm treu geblieben, obwohl mein persönlicher Schwerpunkt inzwischen ein anderer ist: Ende 2015 wurde bei mir Brustkrebs diagnostiziert, den ich mit Operation und Strahlentherapie bekämpft habe und mit einer 10 Jahre lang dauernden Anti-Hormontherapie hoffentlich komplett ausmerzen werde.

  • Vielen lieben Dank erstmal an euch alle, die mir so ausführlich geantwortet haben! Mir war von Anfang an bewusst wie ernst die Diagnose ist, da ich im medizinischen Beruf tätig bin habe ich meinen Vater immer und immer wieder davon überzeugen wollen, dass die zystektomie notwendig ist!!!! Doch wie ich schon geschrieben hatte, lehnte er es immer wieder ab! Der behandelnde Arzt hätte ihm klipp und klar sagen müssen dass er daran stirbt wenn nicht operiert wird!

    Nach mehrmaligen Spiegelungen wurde die zystektomie ja doch noch geplant vor 5 Wochen, musste aber 2 Tage vorher gecancelt werden, da sie mittels CT in der Lunge metastasen entdeckt hatten.

    Aber auch mit diesem Befund wurde meinem Vater der Ernst der Lage nicht erklärt. Vielleicht können Ärzte einem erst mit niederschmetterden Aussagen wach rütteln. Mein Vater war nie ernsthaft krank und ich glaube deshalb will er NICHTS negatives hören! Er reagiert sogar sehr verärgert wenn Freunde betroffen reagieren.

    Ich habe mittlerweile aufgegeben ihm ins Gewissen zu reden, ihm alles zu erklären und ihm zu sagen dass all das was jetzt folgt nur eine lebensverlängernde Maßnahme sein wird! Das macht mich so hilflos!


    Der Prof sagte nur, dass der Tumor schnell wächst und behandelt werden muss. Nach den 2 Zyklen folgt ein erneutes Stagin und wenn die systemische Therapie greift, wird die Blase entfernt!

    Meinem Vater habe ich mittlerweile xxx mal erklärt, dass der Tumor in der Blase durch die Chemo NICHT verschwindet. Er hat immer noch die Hoffnung dass die Blase nicht entfernt werden muss. Aber wenn es sein muss, dann wird er sich nicht mehr wehren.

    Es macht mich schon teilweise "aggressiv" und zugleich hilflos weil er es NICHT verstehen WILL und wenn man vom Thema anfängt.... er SOFORT abblockt. Seine Worte "Ich bin ein absolut positiver Mensch und die Chemo wird sicher auch nicht so schlimm und wenn, bekomme ich Medikamente die die Nebenwirkungen bekämpfen! "

    Frage an euch .. was soll ich noch machen.... ?

    ich wohne in Niedersachen, mein Vater 450 km entfernt, bin seit 3 Wochen hier weil ich jede Zeit mit ihm genießen will!

    Es ist so furchtbar zu wissen, dass man nichts gegen die fortschreitende Krankheit machen kann und er es nach wie vor verleugnet! Ich hänge so sehr an ihm

    Ich danke euch für eure ehrlichem Worte! Wenn man keine klare Aussage von den Ärzten hört und der Betroffene es auch komplett "runterspielt", fragt man sich schon ob man selber überreagiert!

    Aber mir ist wohl als einzige bewusst, DASS es sehr ernst ist !

    Würde mich freuen wenn ich mich weiter austauschen könnte !

    Habt ganz lieben Dank!

    Liebe Grüße Astrid

  • Hallo Astrid,

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    Liebe Grüße Wolfgang

    April 2009 CIS, bis Aug. 2009 6xBCG Instillation. Diagnose im Jan. 2010: Harnblasenkarzinom pT4a pTis L1 V0 pN1 pMx R0 G 3, Prostatakarzinom pT1a L0 V0 pN0 pMx R0 G 2 GL: 3+3=6 . Februar 2010 radikale Cystoprostatektomie mit Anlage eines Sigma Conduit. April bis Juli 2010 Chemotherapie 6 Zyklen Cisplatin/Gemcitabin


    "wer kämpft, der kann verlieren; wer nicht kämpft, hat bereits verloren"

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