Nach Befund pT1 G3 BCG Therapie

  • Seit 4 Wochen habe ich die Diagnose Blasenkrebs, nach der ersten TUR ein Befund pT1 G3 und gestern gab es die zweite TUR wo ich das Ergebnis wohl in der nächsten Woche bekomme. Meine aktuelle Strategie ist die Hoffnung das ich die Blase noch eine Weile behalten kann/darf, wobei ich mich jetzt wohl so langsam mit der Thematik BCG Therapie versus NeoBlase beschäftigen muss. Ich hoffe das ich fürs Erste mit einer BCG Therapie weiter komme, werde mich aber in kleinen Portionen auch mit der NeoBlase beschäftigen müssen um mich richtig zu entscheiden und deshalb habe ich mich bei Euch angemeldet.


    Soweit zu mir und ein Dankeschön an das Forum, Grüße aus dem Krankenhaus

  • Lieber schmitzl65,

    Herzlich willkommen, wenn der Anlass auch bescheiden ist .... du bist offensichtlich schon gut informiert was die Optionen bei dem bisherigen Befund angeht! Lies dich bisschen ein und frag gern, was immer du wissen möchtest - wir versuchen dir zu helfen!

    Einstweilen lieben Gruß von Barbara

    12/2014 NMP22 (IGEL bei Gyn) positiv, 03/2015 TUR B =>CIS und floride Entzündung, 04/2015 Mapping (Hexvix) => CIS und floride Entzündung, 04/2015 BCG(6 x je 1 pro Woche) => Mapping 06/2015 => weiterCIS Blasenboden => Zystektomie 4.9.15 "Berliner Neoblase", Zystektomie pTis multifokal, R0, N0 (0/7)

    "Alles hat einen Zweck, selbst wenn es uns nur an das erinnert, was wir nicht tun sollten." aus "Ich bleibe hier" von Catherine Ryan Hyde

  • Nun,

    dann mal herzlich Willkommen in unserem Forum.


    Ein pT1 G3 - Tumor ist noch ein oberflächlich wachsender Tumor, der aber schon das Bindegewebe, welches sich unter der Blasenscheimwand befindet, erreicht hat. In diesem Tumorstadium gibt es drei Möglichkeiten einer blasenerhaltenden Therapie.


    1. RCT (Radio - Chemo - Therapie), hier wird die Blase in mehreren Sitzungen bestrahlt und es erfolgt zwischendurch eine Chemotherapie. Leider ist es um diese Therapieform in letzter Zeit etwas still geworden und auch hier im Forum zeigt sich ein sehr diferenziertes Bild zwischen Erfolg, Therapienutzen (Blasenerhalt) und Nebenwirkungen.


    2. die BCG-Therapie, diese ist bei allen oberflächlich wachsenden Tumoren (pTa, pT1 und CIS) mit einem high risk - Grading der "goldene Standard" (dazu aber später mehr)


    3. die Synergo-Therapie, dies ist eine Therapie in der Mitomycin C per "Microwellen" auf ca. 42 Grad in der Blase erwärmt wird - dadurch soll dieses Medikament welches auch als "Zytostatika" eingesetzt wird, tiefer in den Blasenaufbau einwirken und so helfen rezidive zu vermeiden. Leider befindet sich diese Therapie schon seit längerem in einem Versuchsstadium, sodass hier eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse nicht gesichert ist.


    Nun aber zur BCG-Therapie:

    Die BCG-Therapie ist eine enorm anstrengende Therapie die sich über 36 Monate erstreckt und dabei ca. 27 mal lebendige Tuberkulosebakterien in die Blase gegeben werden - die dann eine "gewollte" Blasenentzündung und eine Immunreaktion auslösen. Daher nennt man diese Therapieform auch "Immuntherapie mit BCG".

    Warum sage ich, dass die BCG-Therapie eine enorm anstrengende Therapie ist, ca. 50 % aller Patienten, bei denen eine Therapie über 36 Monate gepalnt ist, halten diese auch durch - sodass es zu vielen Therapieabbrüchen kommt. Daher ist diese Therapie wirklich nicht zu unterschätzen und körperlich wie auch seelisch sehr fordernd.


    Informationen zur BCG-Therapie:

    Die BCG - Therapie ist in den meisten Fällen auch kein Spaziergang, hierbei handelt es sich im abgeschwächte aber dennoch lebendige Tuberkulosebakterien, die per Katheter in die Blase gegeben werden, dort müssen die Bakterien ca. 2 Stunden verbleiben und können dann ausgeschieden werden.

    Durch diese Bakterien kommt es in der Blase zu einer Immunreaktion, was eine Blasenentzündung auslöst. Diese Immunreaktion des Körpers soll dazu führen, dass die körperlichen Antikörper auch Krebszellen in der Blase bekämpfen und so neue Tumoren verhindern helfen.


    Therapieplan wird sich wie folgt aufteilen:

    1. eine 6 wöchige Initialtherapie mit je einer Therapie pro Woche


    2. der Erhaltungstherapie mit 3 Instillationen in wöchentlichem Abstand in den Monaten 3, 6, 12, 18, 24, 30 und 36 (gerechnet nach der letzten TUR-B). In diesem Schema werden insgesamt 27 Instillationen über einen Zeitraum von 3 Jahren verabreicht.


    Nebenwirkungen:

    Bei einer immunologischen Behandlung mit BCG kann die Harnblase in den Tagen nach der Behandlung gereizt sein. Dies kann insbesondere beim Wasserlassen zu Schmerzen (Krampfartig) führen und Harndrang verursachen. Die Patienten können auch etwas Blut im Urin und leicht erhöhte Temperatur haben und an Müdigkeit leiden.

    Weiterhin kann die Therapie grippeähnliche Symptome wie Schüttelfrost, Fieber, Muskelschmerzen, Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall verursachen.

    All diese Nebenwirkungen betreffen Großteils die ersten 48 Stunden nach der Instillation des BCG - danach sollten sie deutlich abklingen. Der verstärkte Harndrang aber, kann noch Monate nach der Behandlung auftreten (Reiz - und Schrumpfblase).

    Die ersten paar Instillationen werden recht Problemlos und mit kaum Nebenwirkungen vorüber gehen, unsere Erfahrung zeigt, dass ab der dritten bis vierten Instillation mit den ersten deutlichen Nebenwirkungen zu rechnen ist - die sich dann von Behandlung zu Behandlung noch steigern können.


    Hygiene:

    Am Tag und Folgetag der Instillation sollte man verstärkt auf die Hygiene achten und nicht nur nach jedem Toilettengang die Hände waschen, sondern auch desinfizieren, ebenso ist es hilfreich die Toilette selbst mit Desinfektionsspray nach jedem Toilettengang zu reinigen.

    Durch den verstärkten Harndrang sollte man ebenso darauf achten immer eine Toilette in der Nähe zu haben, aus eigener Erfahrung weiß ich, das man oftmals keine 20 Meter weit kommt, wenn man erst mal merkt das man mal "muss".

    Durch die Blutbeimengungen im Urin, der dann auch Gelleeartig sein kann, bietet es sich an am Tag der Instillation und dem Folgetag Einlagen zu tragen, sodass man sich die Unterwäsche nicht versaut.

    Diese Inkontinenzeinlagen kann der Urologe als so genanntes Hilfsmittel verschreiben, sollte dies geschehen sein, sollte man mit der Krankenkassen in Kontakt treten und sich das Sanitätshaus nennen lassen mit denen sie zusammenarbeiten. Danach dann das Sanitätshaus aufsuchen, dort findet eine Beratung statt und eine Abklärung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse.


    Nach der Instillation:

    ca. 1 1/2 Stunden nach der Instillation kann man beginnen mit trinken, das Beste sind Tee´s oder stilles Mineralwasser. Kohlensäurehaltige Getränke können die Blase zusätzlich reizen. Je mehr man trinkt, je besser wird die Blase gespült, Anhaltspunkt ist ein Liter Flüssigkeit pro Stunde das sollte man dann ca. 4 Stunden lang machen und ab dann kann weniger getrunken werden.

    Gönne Dir am Tag der Instillation + dem Folgetag ruhe, auch wenn du wahrscheinlich nach den ersten Instillationen kaum Nebenwirkungen verspüren wird, werden die Nebenwirkungen von Behandlung zu Behandlung mehr werden, teilweise kann es auch Aufgrund der Nebenwirkungen zu einem Therapieabbruch kommen.

    Ebenso muss der Arzt bei der Instillation aufpassen, dass z.B. die Harnröhre nicht verletzt wird und somit BCG in die Blutbahn kommt, denn dann kann es zu einer Bcgitis kommen (Tuberkulose).


    Sexualität während der BCG-Therapie:

    Hier empfehle ich bis ca. 6 Wochen nach der letzten Instillation einen Kondom zu nutzen, denn die BCG-Bakterien können recht lange in der Blase "überleben".

    Ich hoffe, das bei Dir mit 52 Jahren, die Familienplanung abgeschlossen ist, denn durch die BCG-Therapie kann auch die Spermienqualität leiden.


    MedacBCG-Fachinformationen


    Ließ Dir diese Fachinfo wirklich sehr gut durch - um dann auch die Nebenwirkungen einschätzen zu können. Vorallem aber sollte der Urologe über die Nebenwirkungen informiert werden (vorallem dann, wenn sie verstärkt auftreten).


    weitere Nebenwirkungen (kann bis zu 1 Behandelten von 100 betreffen)


    • Schwere systemische BCG-Reaktion/-Infektion, BCG-Sepsis (weitere Informationen finden Sie weiter unten)


    • Mangel an Zellen im Blut (Zytopenie)


    • Anämie (Abnahme des Hämoglobins im Blut)


    • Reiter-Syndrom (Arthritis mit Entzündung der Haut, der Augen und der Harnwege)


    • Lungenentzündung (miliare Pneumonie)


    • entzündliche Reaktionen der Lunge (Lungengranulomatose)


    • Leberentzündung (Hepatitis)


    • Hautabszesse


    • Hautausschlag, Entzündung der Gelenke (Arthritis), Gelenkschmerz (Arthralgie).


    In den meisten Fällen sind diese Nebenwirkungen Zeichen einer allergischen Reaktion (Überempfindlichkeitsreaktion) gegenüber BCG. In einigen Fällen kann es erforderlich sein, die Behandlung abzubrechen.


    • Harnwegsinfektion, Blut im Urin (Makrohämaturie)


    • ungewöhnlich kleine Blase (Einschränkung der Blasenkapazität), ungewöhnlich geringe Urinmengen (Harnstauung), Schrumpfblase


    • Entzündung der Hoden (Orchitis)


    • Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis)


    • entzündliche Reaktion der Prostata (symptomatische granulomatöse Prostatitis)


    • niedriger Blutdruck (arterielle Hypotonie)


    Gruß

    AndreasW

    22.06.2012 erste TUR-B apfelgrosser Tumor wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite TUR-B, diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte TUR-B, 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte TUR-B, ein rezidiv pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

  • Hallo Schmitzl65,


    ich habe die gleiche Diagnose wie Du und bin inzwischen bei meiner 3. BCG-Installation angelangt. Abweichend von Dir, beschäftige ich mich aber noch nicht mit dem Thema Neoblase. Ich habe mich dafür entschieden, mich erst damit auseinandersetzen, wenn es notwendig ist. Und momentan ist es noch nicht notwendig.

    Alles der Reihe nach, sage ich mir.


    Schöne Grüße von der Mopedfahrerin

    Letzte Zigarette am 15.05.2018

    TUR-B am 16.05.2018, pT1G3

    BCG-Therapie seit 12.06.2018, am 10.07.18 abgebrochen

    geplante RE-TUR-B am 18.07.18

  • Hallo Barbara, Andreas und Mopedfahrerin,


    Herzlichen Dank für die liebe Begrüßung, die fundierten Informationen zur BCG-Therapie und den Erfahrungen damit.

    Ich wollte mich gestern schon bei euch melden und mich bedanken. Bei meiner geplanten Entlassung aus dem Krankenhaus nach der zweiten TUR gab es aber leider Komplikationen mit einem Loch in der Blase und somit müsste das erst mal wieder in Ordnung gebracht werden 😕. Jetzt habe ich 5 weitere Tage hier im Krankenhaus gewonnen und werde mich erst mal Auf das Zuwachsen des Lochs und den anstehenden Befund in der nächsten Woche konzentrieren.


    Liebe Grüße und Euch ein schönes Wochenende

    Walter

  • Hallo Walter,


    so ein Mist mit dem Loch in Deiner Blase. Als ob die bisherige Diagnose nicht schon gereicht hätte. Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute.


    Herzliche Grüße, Christiane

    Letzte Zigarette am 15.05.2018

    TUR-B am 16.05.2018, pT1G3

    BCG-Therapie seit 12.06.2018, am 10.07.18 abgebrochen

    geplante RE-TUR-B am 18.07.18

  • So eine Blasenperforation kann immer mal wieder bei einer TUR-B auftreten - wichtig wird sein, dass während der TUR-B keine Flüssigkeit in den Bauchraum gelangt ist.

    Denn dadurch könnte es dann zu einer Tumoraussaat gekommen sein.


    Gruß

    AndreasW

    22.06.2012 erste TUR-B apfelgrosser Tumor wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite TUR-B, diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte TUR-B, 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte TUR-B, ein rezidiv pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

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