Sandra - Angehörige Vater mindestens pT2a

  • Hallo ich bin Sandra und 36 Jahre alt.

    Mein Vater 66 Jahre alt hat Blasenkrebs und wir alle sind noch ziemliche Neulinge...

    Bei ihm wurde am 22.6. Die Turb durchgeführt und ein walnussgroßer papilärer Blasentumor rechts im Auslassbereich entfernt.

    Es handelt sich um ein gering differenziertes initial invasives papiläres Urothelkarzinom.

    Tumorklassifikation pt1 g3 high grade.

    Danach folgte letzte Woche Mittwoch ein ct die anliegenden Organe waren alle unauffällig.

    Am Freitag war dann die Besprechung beim Urologen. Die Tendenz ging zur Imuntherapie aber das wäre abhängig von der 2. Turb.

    Am Samstag musste mein Vater dann stationär aufgenommen werden da er kein Urin mehr lassen konnte. Die Harnröhre war wohl mit Krustungen die sich gelöst hatten verstopft und musste frei gestochen werden. Gestern wurde in der Klinik eine Blasenspiegelung oder turb gemacht wobei die restlichen verkrustungen entfernt wurden und eine erneute Probe genommen wurde. Diese ergab das der Tumor wohl tiefer gegangen sei aber genaueres konnte mein Vater nicht sagen. Ihm wurde nahe gelegt über die Blasenentfernung nachzudenken.

    Wir sind immomemt irgendwie überrollt von dem ganzen und irgendwie wissen wir nicht wie es weiter gehen soll...

    Morgen haben wir ein Gespräch in der Klinik zur weiteren Behandlung sie.

    Die Frage ist. Was sollen wir für Fragen stellen. Welcher Schritt ist am sichersten...

    Vielleicht habt ihr ja Tipps für uns

    LG Sandra

  • Liebe Sandra,


    ich werde nun versuchen etwas Licht in das Dunkel zu bringen.


    Unsere Harnblase ist in Schichten aufgebaut - daher kann man die "Eindringtiefe" des Tumors in die Blasenwand sehr genau bestimmen. Grob wird erstmal unterschieden zwischen oberflächlich wachsenden Tumoren und Tumore, die schon muskelinvasiv wachsen.


    Damit du eine Vorstellung von den unterschiedlichen Schichten hast hier eine Graphik:


    Tumorstadien1.jpgZu den oberflächlich wachsenden Tumoren zählen:


    - pTa

    - pT1

    - und die Sonderform das CiS / pTiS / TiS


    in diesen Tumorstadien kann man noch versuchen, die Harnblase zu erhalten. Hierzu kann eine engmaschige Kontrolle ausreichend sein - aber auch eine Medikamentöse Therapie mit Mitomycin oder BCG.


    Ab einem Tumorstadium pT2a hat der Tumor schon die erste Muskelschicht der Harnbalse erreicht, hier ist es kaum noch möglich die Harnblase zu erhalten - daher werden Ärzte in den meißten Fällen zu einer Blasenentfernung raten.


    Da man erst bei deinem Vater ein pT1 Diagnostiziert hat und jetzt festgestellt wurde, dass der Tumor doch tiefer in die Blase eingewachsen ist, kann man also mindestens von einem pT2a reden.

    Auch wenn das CT im Moment noch unauffällig ist, gibt dies wirklich nur das "Momentum" wieder und sagt nichts darüber aus, wie es in ein paar Tagen oder Wochen ist.

    Denn auch ein pT2a - Tumor kann schon Anschluss an eine Vene oder das Lymphsystem gefunden haben.

    Wenn Euch die Ärzte zu einer Blasenentfernung raten und das Tumorstadium wirklich mindestens pT2a ist - sollte dein Vater damit nicht zu lage warten.



    Denn: Innerhalb von wenigen Wochen kann aus einem heute noch pT2a ein pT3 oder gar pT4 werden. Daher sollte die Blasenentfernung innerhalb der nächsten 4 bis max. 6 Wochen erfolgen.


    Gruß

    AndreasW

    22.06.2012 erste TUR-B apfelgrosser Tumor wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite TUR-B, diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte TUR-B, 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte TUR-B, ein rezidiv pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

  • Vielen Dank für die Antwort. Unsere Tendenz geht auch immer mehr zur Blasentfernung. Natürlich haben wir die Hoffnung das eine neoblase gemacht werden kann. Wovon ist das abhängig? Ob mein Vater bereits t2 erreicht hat erfahren wir erst gleich.

    Vielen Dank im voraus schon mal

  • Liebe Sandra,


    Neoblase:

    Diese OP dauert mit ca. 8 Stunden am längsten und ist für den Körper eine enorme Belastung. Während und nach der OP würde dein Vater ca. 10 bis 15 Kilo an Gewicht verlieren. Vorallem kann es nach der OP dauern, bis der Darm seine Tätigkeit wieder auf nimmt - denn schliesslich wurde er zwei mal durchdrehnt und das nimmt der Darm einem sehr übel. Es kann ein Jahr dauern, bis man wieder so "Essen" kann wie vor der OP - wobei man aufpassen muss, da eben bestimmte Lebensmittel dann "spontane Durchfälle" verursachen können.

    Weiterhin wird man nach der OP nicht umher kommen, sich mit dem Thema Inkontinenz zu beschäftigen. Auch das wird deinem Vater dann enorm beschäftigen und mit viel Glück kann er die Kontinenz zumindest Tagsüber wieder erlangen - aber der weg dahin ist nicht einfach und ob er gelingt, ist schwer zu sagen - das kann auch kein Arzt vorher sagen.

    In der Nacht Kontinent zu sein, ist nochmals eine weitere Herausforderung - viele Betroffene haben es zwar geschafft Tagsüber kontinent zu sein - aber Nachts "laufen" sie aus.

    Weiterhin muss und sollte dein Vater auch wissen, dass er aller 2 Stunden auf die Toilette gehen muss - auch Nachts - somit ist dann für eine sehr lange Zeit kein erholsamer Schlaf mehr möglich.


    Wann kann man über eine Neoblase nachdenken:

    Wenn man körperlich Fit ist, wenn man sportlich Aktiv war und noch ist, wenn keine Wundheilungsstörungen vorliegen oder Erkrankungen wie Diabetis, wo Wundheilungsstörungen zu befürchten sind


    Wann sollte man nicht über eine Neoblase nachdenken:

    Wenn ich körperlich nicht fit bin, wenn ich über jahre und länger keinen Sport gemacht habe, wenn ich starkes Übergewicht habe, oder Vorerkrankungen wie Diabetis usw. habe. Aber auch wenn dein Vater jetzt schon eine "Blasenschwäche" haben sollte - würde ich die Finger von einer Neoblase lassen.


    Alternative:

    Als wirkliche Alternative sehe ich das Urostoma an, hier ist die OP-Zeit mit 4 Stunden deutlich geringer, auch wird dein Vater schneller wieder Fit sein, kann nachts durch schlafen und wenn kein "Unfall" mit der Klebeverbindung passiert ist der sofort "Dicht".


    Gruß

    AndreasW

    22.06.2012 erste TUR-B apfelgrosser Tumor wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite TUR-B, diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte TUR-B, 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte TUR-B, ein rezidiv pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

  • Hallo,

    mein Papa hat mit 70 Jahren noch eine neoblase bekommen. Allerdings war/ ist er sehr sportlich und ansonsten auch körperlich recht fit gewesen.

    Da die OP mittels DaVinci gemacht wurde dauerte sie auch "nur" ca 5 Stunden.

    Das mit der inkontinenz stimmt, wobei es tagsüber sehr gut bei ihm ist. Er ist aber auch sehr diszipliniert und macht regelmäßig Übungen für den beckenboden.

    Er konnte sich gedanklich nicht mit einem urostoma anfreunden...


    LG rexi

  • Moin Rexi,

    ob er sich gedanklich mit dem Urostoma anfreunden kann ist nicht die Frage. Es gibt durchaus Gründe die für die Anlage des Urostoma sprechen können. Es wird sich zeigen in den kommenden Jahren wie auf Dauer die Kontinenz erhalten werden kann.


    Gruß Wolfgang

    "wer kämpft, der kann verlieren; wer nicht kämpft, hat bereits verloren"

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