Muskelinvasives Urothelkarzinom der Blase

  • Zuerst einmal vielen Dank, daß ihr mich hier aufgenommen habt.

    Ich bin Sigrid und 67 Jahre alt.

    Am Freitag hab ich nun erfahren, daß ich Blasenkrebs habe.

    Sind hier im Forum Mitglieder aus Niederbayern?


    Vielen Dank erst einmal

  • Moin Sigrid,

    herzlich willkommen bei uns im Forum. Ich bin überzeugt davon, dass hier Mitglieder aus Niederbayern vertreten sind. Viel wichtiger ist im Moment, in welchem Stadium sich bei Dir die Erkrankung zeigt und was die behandelnden Ärzte bisher getan haben bzw jetzt tun wollen.


    Liebe Grüße, Wolfgang

    "wer kämpft, der kann verlieren; wer nicht kämpft, hat bereits verloren"

  • Hallo Wolfgang,

    Histologie: pTX(mind. pT2a) + pTa,G3, L1, pNX, pMX, R1

    was immer das bedeuten soll?

    Radiologisch: Stadium IV bei T3, >N2 und MO


    Ich bin im Augenblick mit diesen ganzen Ausdrücken völlig überfordert und kann nur schreiben, was auf dem Entlassungsbericht steht.

    Am Montag (30.07.2018) wurde laut Einweisungsschein meiner Urologin (zystoskopisch gesicherten multiplen Blasentumoren) eine TUR-Blase mit PDD gemacht .

    Am Dienstag bekam ich Kontrastmittel zu trinken und gespritzt und ab ging es zum CT

    Die Histologie ergab: - Gefäß 1 vom Blasenhals mittig- läßt mikroskopisch ein 0,3 cm großes, mäßig bis wenig differenziertes, nicht invasives, papilläres, urotheliales

    Harnblasencarcinom (high grade; ICD C67)erkennen

    - Gefäß 2 vom Blasenhals rechts zeigen zusammengelegt 1,0 cm große Anteile von einem mäßig bis wenig differenzierten,teils präinvasiven und teils früh subepithelial

    invasiven,papillären, urothelialen Harnblasencarcinom (ICD C67)

    - Gefäß 4 vom Blasenübergang bei 6 Uhr zeigen eine ulceröse sowie erosive, hyperplastische granulierend-fibrosiernde, chronische unspezifische Urocystitis (ICD N30.8)

    ohne Atypien oder Tumorinfaltrate

    - Gefäß 5 von der Seitenwand links zeigen zusammengelegt 2,5 cm große Anteile von einem mäßiggradig bis wenig differenzierten,grobinvasiven, plump-papillären und soliden, urothelialen Carcinom der Harnblase (ICD C 67) mit ausgedehnter Infiltratic der Muscularis propria sowie mit einer Lymphangiosis carcinomatosa

    - Gefäß 6 von der Seitenwand Ostium rechts lassen 1,8 cm große Anteile und dann das Gleiche wie bei Gefäß 5


    Tumorklassifizierung pTX(mind. pT2a) + pTa, G3, L1, pNX, pMx, R1


    Nun soll ich mir einen Onkologen suchen zwecks Chemo mit Cisplatin/ Gemcitabine


    Ich hoffe. du kannst damit etwas anfangen


    Liebe Grüsse Sigrid

  • Ich habe zur Chemo einige Fragen,

    muß ich einen Onkologen aus dem Krankenhaus nehmen, indem ich die Op. hatte oder kann ich mitr in der Nähe einen suchen.

    da ich auf einem Dorf wohne würde ich gern einen in der Nähe suchen. Allerdings habe ich mit Onkologen gar keine Erfahrung.

    Welches KH sollte ich für die nachfolgende Blasen, Harnleiterentfernung nehmen?Hat jemand Erfahrung mit Landshut, Straubingen, Regensburg usw.?

    Neoblase kommt nicht in Frage, welche Möglichkeiten gibt es noch?


    Liebe Grüsse Sigrid

  • Liebe Sigrid,


    dann erstmal von mir ein herzliches Willkommen in unserem Forum - ich werde auch gleich versuchen, die Befunde zu übersetzten.


    Unsere Harnblase ist in verschiedene Schichten aufgebaut, daher kann man sehr genau beurteilen, wie Tief ein Tumor in die Blasenwand gewachsen ist.


    Grundsätzlich unterscheidet man aber erstmal in oberflächlich und muskelinvasiv wachsende Tumoren, damit Du eine Vorstellung hast von was ich jetzt schreibe eine Graphik:


    Tumorstadien1.jpgBei Dir hat man nun zwei Tumoren festgestellt:


    1. ein pTa G3:

    Hierbei handelt es sich um einen Tumor, der auf der Blasenscheimwand gewachsen ist und dadurch zu den oberflächlich wachsenden Tumoren zählt


    2. pTX(mind. pT2a) G3:

    Dies ist der Tumor, der unsere Aufmerksamkeit bedarf, da er eben bereits muskelinvasiv ist und zum einen nicht vollständig entfernt werden konnte, daher steht auch das:

    R1 im Befund - welches eben besagt - das noch Tumorreste in der Blase vorhanden sind


    Weiterhin konnte der Pathologe die genaue Eindringtiefe des Tumors nicht feststellen, deshalb das pTx und das mindestens pT2a ... hier kann es also durchaus sein, das der Tumor auch schon das pT3 - Stadium erreicht hat. Einen Anhaltspunkt lieferte dazu ja auch die Radiologie mit der Aussage T3.


    Der Tumor hat schon Anschluss an das Lymphsystem gefunden, deshalb steht in der Histologie das L1 und Lymphangiosis carcinomatosa - welches eben bedeutet, das der Tumor Anschluss an ein Lymphgefäß gefunden hat.

    Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass man während des CT´s einen oder mehrere befallene Lymphknoten gefunden hat.

    Dies wird durch das N2 im Befund ausgedrückt.



    Positiv ist bisher, dass noch keine Fernmetastasen gefunden wurden (M0).


    Insgesamt ist es ein Befund, wo man entscheiden muss, ob man erst die Harnblase entfernt und anschliessend eine Chemotherapie durchführt - oder eben eine neoadjuvante Chemotherapie macht und anschliessend dann die Harnblase entfernt.


    Wichtig ist, schnell zu handeln - denn mit jedem Tag, der ohne Behandlung verstreicht, gibt man dem Tumor mehr Zeit, sein unwesen in deinem Körper zu betreiben.


    Ich habe zur Chemo einige Fragen,

    muß ich einen Onkologen aus dem Krankenhaus nehmen, indem ich die Op. hatte oder kann ich mitr in der Nähe einen suchen.

    da ich auf einem Dorf wohne würde ich gern einen in der Nähe suchen. Allerdings habe ich mit Onkologen gar keine Erfahrung.

    Welches KH sollte ich für die nachfolgende Blasen, Harnleiterentfernung nehmen?Hat jemand Erfahrung mit Landshut, Straubingen, Regensburg usw.?

    Neoblase kommt nicht in Frage, welche Möglichkeiten gibt es noch?

    Chemotherapie - Onkologe:

    Diese Chemotherapie wird Teilstadionär gemacht, dass heißt - es wäre schon sinnvoll, den Onkologen zu nehmen, der im Krankenhaus arbeitet!


    Harnblasenentfernung:

    würde ich in Regensburg machen lassen am Caritas-Krankenhaus St. Josef

    https://www.caritasstjosef.de/jobs/node_uro.htm

    Diese Klinik hat einen guten Ruf und ist vorallem sehr erfahren, im Jahr 2016 hat man dort 64 Harnblasenentfernungen durchgeführt.


    Aufgrund deines Alters würde ich zu einem Urostoma raten.


    Gruß

    AndreasW

    22.06.2012 erste TUR-B apfelgrosser Tumor wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite TUR-B, diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte TUR-B, 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte TUR-B, ein rezidiv pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

  • Hallo Siggi, deine Histologie ist wirklich schon eine Hausnummer, viel mehr geht nicht. Leider. Die Tumorklassifizierung pTX(mind. pT2a) + pTa, G3, L1, pNX, pMx, R1 läßt meiner Meinung nach nur noch ein Stoma zu. Mindestens ein pT2a (heißt also schon ein T3, wenn nicht sogar T4, (siehe in der Grafik oben) , dazu der Lymphknotenbefall, die nicht komplette Entfernung (R1), Fernmetastasen pMx nicht beurteilbar, Regionäre Lymphknoten können nicht beurteilt werden (pNX), L1 = Lymphgefäßinvasion ist schon eine niederschmetternde Histo.


    Noch heute streiten sich die Ärzte ob eine solche neoadjuvante der richtige Weg ist. Frage auch danach ob erst eine Blasenentfernung mit anschließender Chemo (adjuvant) und Bestrahlung in Frage kommt. Die können dann gleich bei der OP die Stellen markieren die noch bestrahlt werden müssen. Ob bestrahlt werden kann liegt wiederum daran wo der Tumor bereits ins Muskelgewebe eingedrungen ist. Also alles genau hinterfragen.

    Siggi, bei diesem Histologischen Ergebnis muss man das gesamte Waffenarsenal herausholen und drauf halten. Lass nicht zuviel Zeit verstreichen, die Zeit drängt.


    Gruß Rainer

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