5 Wochen nach 2.TUR B Koagel ohne Ende

  • Hallo zusammen,

    die TUR- B Nachresektion ist nun fast 5 Wochen her und es kommen plötzlich wieder Koagel in Mengen und teils schauerlichen Größen heraus. Die Wundheilung ist offensichtlich gestört. Die Rotfärbung des Urins kommt, so glaube ich, von den Koageln und weniger von Nachblutungen. Hat wer gleichartige Erfahrungen gemacht? Liegt’s an einer schlampig ausgeführten Ausschabung?

    Oder wurde das Krebsgeschwür angeschnitten und wuchert munter weiter?

    OK der Countdown zur radikalen Zystektomie ( Termin leider erst 30.1.) läuft, aber mit diesem Drecksding in der Blase und alle ein zwei Stunden auf Toilette müssen finde ich keine Ruhe. Gibt’s da nix was einem wenigstens den Harndrang betreffend etwas mehr Ruhe verschafft?

    Liebe Grüße

    Waldemar

  • Moin Waldemar,

    fünf Wochen, das ist schon heftig. Hast Du stets darauf geachtet, viel und das Richtige zu trinken? Stilles Wasser und Tees sind empfohlen. Oftmals sind auch körperliche Belastungen die Ursache für schlechte Heilungsphasen.


    Gruß Wolfgang

    "wer kämpft, der kann verlieren; wer nicht kämpft, hat bereits verloren"

  • Hallo Wolfgang,

    ich hatte noch niemals zuvor Probleme mit der Wundheilung. Und die Empfehlung nur stilles Wasser und Tee hab ich so auch nicht bekommen. Ich trink so ziemlich alles, außer scharfe Alkoholika. Habe den Urologen extra gefragt ob ich abstinent bleiben muss. Er meinte Bier und Weinschorle in moderaten Mengen seien unbedenklich. Hab dennoch die eine oder andere Woche auf Bier/Wein verzichtet. Hatte aber keinen merklichen Einfluss auf den Harndrang, Blutung oder Koagelabgänge.

    Körperliche Anstrengung außer spazieren gehen und Kochen (mach ich sehr gerne) hat’s nicht gegeben. Im Gegenteil, das rumgelümmele geht mir tierisch auf die Knochen. Es knackt bei jeder Bewegung fast überall. Jetzt weiß ich woher die Bezeichnung alter Knacker herkommt😳

    Liebe Grüße Waldemar

  • Hier nochmal meine allgemeinen Informationen zur TUR-B, Trinkverhalten und warum eine Wunde in der Blase schlechter verheilt, als eine Schnittwunde an der Hand:


    TUR-B ist die Abkürzung für "Transurethrale Resektion der Harnblase", hierbei wird über die Harnröhre eine Optik und eine "Elektroschlinge" in die Blase eingeführt - mit dieser Elektroschlinge wird dann versucht den Tumor zu entfernen - im allgemeinen wird dabei bis hinunter auf die Harnblasenmuskulatur "geschnitten" - nur dadurch läßt sich dann später für den Pathologen zweifelsfrei feststellen, ob es sich um einen oberflächlich oder bereits muskelinvasiv wachsenden Tumor handelt.


    Die reine OP-Zeit beträgt je nach Tumorgröße ca. 30 Minuten ... bei größeren Tumoren kann es aber auch etwas länger dauern.


    Noch im OP-Saal wird Dir dann ein Katheter gelegt - dieser Katheter hat meißt zwei Eingänge und einen Ausgang. An einem der Eingänge wird er an eine Spülflüssigkeit angeschlossen, diese Flüssigkeit ist nichts anderes als Kochsalzlösung - mit dieser wird die Blase über Nacht gespült. Der Urin + die gebrauchte Spülflüssigkeit wird zu einem Bettbeutel geleitet und wird regelmässig geleert.


    Sollte am nächsten Tag kein Blut mehr in dem Beutel sichbar sein, wird die Spülung der Blase beendet und du darfst aufstehen und kannst dich bewegen.


    Ab diesem Zeitpunkt ist es sehr sehr wichtig, dass Du sehr viel trinkt!!!


    Warum ist dies Wichtig:


    Auch wenn man keine OP-Wunde / Narbe sieht, so hat man dennoch eine. Damit der Urin nicht zu konzentriert ist, muss sehr viel getrunken werden, am bestens sind Tee´s und stilles Mineralwasser - je mehr man trinkt, je besser ist es für die Blase.


    Es dürfen ruhig deutlich über 4 Liter sein ... am besten 5 bis 6 Liter - solange es dann keine Probleme mit dem Kreislauf (Blutdruck) gibt.


    Nach weiteren 2 bis 3 Tagen im Krankenhaus wirst du dann entlassen.


    Solltest Du im Krankenhaus "Blasenkrämpfe haben", was durch den Katheter ausgelößt werden kann - so laß Schmerzmittel geben lassen - ansonsten ist die OP nicht schmerzhaft.


    Wieder daheim:


    Hier auch unbedingt darauf achten, dass du Dich schonst - denn bis die OP-Wunde verheilt ist, kann es 4 Wochen dauern. Daher kann es sein, dass auch noch 2 bis 3 Wochen nach der OP Blut im Urin ist!


    Wichtig: Weiterhin sehr sehr viel trinken. Tee, stilles Mineralwasser .., ebenfalls kann Melone oder auch Gurken gegessen werden. Am Abend darf es auch eine Flasche alkoholfreies Hefeweizen sein - sonst bitte kein Alkohol.


    Nimm es bitte ernst, wir haben hier schon sehr oft "leichtsinnige Patienten" erlebt, die nach der TUR-B im Garten gearbeitet haben, Renovieren wollten - ober mal eine Kiste "Bier" in den Keller tragen wollten - all das hat nur dazu geführt, dass eine bei der OP verödete Ader aufgegangen ist - und sie in der Notaufnahme gelandet sind - wo dann in einer Not-OP die Ader wieder verschlossen werden mußte.


    Das Gewebe, welches man entnommen hat, wird in die Pathologie geschickt und dort histologisch untersucht - Der Pathologe erstellt dann einen histologischen Befund - dieser Befund ist ausschlaggebend, wie es dann weiter geht.


    von aller 3 Moante Blasenspiegelung bis zu einer Harnblasenentfernung ist alles im "Lostopf" aber erst die Histologie und dann sehen wir weiter.


    Laß Dir diesen "histologischen Befund" unbedingt aushändigen, darauf hast du ein Anrecht - bewahre diesen in deinen Unterlagen auf, letzlich kannst du dann davon auch eine Kopie machen um einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen.


    Folgen der OP:


    Zum einen wird es sich die ersten Tage (ca. ein bis zwei Wochen) so anfühlen, als hättest du eine Blasenentzündung. Es kann etwas schmerzen beim Urinieren und die Blase kann etwas verkrampfe.


    Du wirst einen sehr starken Harndrang verspüren - oftmals ist es so, dass die Toilette nicht zu weit entfernt sein sollte - und man keine "10 Meter" von dem Signal "Ich muss zur Toilette" bis "jetzt kommts" Zeit hat.


    Eine Wunde in der Blase heilt eben etwas schlechter, weil in der Blase ein "feucht-warmes" Klima herrscht und die Blase (somit auch die Wunde) ständig in Bewegung ist - denn die Blase dehnt sich, wenn der Urin aus den Nieren nachläuft und beim Urinieren zieht sie sich wieder zusammen.


    Daher wirklich beachten - es kann bis zu 4 Wochen dauern, bis die Blase soweit verheilt ist, dann man sich körperlich wieder belasten kann.


    Auch meine Hinweise, mit dem Trinkverhalten, dem Schonen usw. solltest du ernst nehmen!


    Gruß

    AndreasW

    22.06.2012 erste [lexicon='TUR-B'][/lexicon] apfelgrosser [lexicon='Tumor'][/lexicon] wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite [lexicon='TUR-B'][/lexicon], diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], ein [lexicon='rezidiv'][/lexicon] pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

  • Hallo Waldemar,


    ich glaube nicht, dass etwas falsch gemacht wurde oder Du eine Wundheilungsstörung hast.


    Bei meinem Mann war es nach jeder TUR B wie bei Dir. Er hatte Koagel ohne Ende. Ein paar Mal musste er deshalb sogar als Notfall in die Klinik, weil Koagel eine Blasentamponade verursachten. Es ging auf der Toilette nichts mehr.


    Woher das bei ihm kam, konnte man sich nicht erklären. Es kann an der Blutgerinnung liegen. Aber sicher ist das nicht.


    Es ist sehr unangenehm aber nicht ungewöhnlich.


    Alles Gute für Dich,

    KarLa

    Es gibt nur eine Sünde im Leben - und die ist, den Mut zu verlieren.

  • Hallo KarLa,

    der grundsätzliche Hinweis von Andreas ist sicher nicht verkehrt, auch wenn er ein persönliches Fehlverhalten für die erneute Koagelbildung impliziert.

    Dabei wollte ich nur wissen, ob hier ähnliche Erfahrungen gemacht wurden bzw. meine Erlebnisse mitteilen.

    Gott sei Dank gehen die Koagel, auch die großen, glatt durch und die Rotfärbung des Urins sieht nicht so aus, als würde es in der Blase oder den Harnwegen so richtig bluten.

    Außerdem wurde ziemlich tief in den Detrusormuskel geschnitten und auch nicht der ganze Tumor erwischt. Ich habe mal gehört, dass verletztes Tumorgewebe schlecht heilt?

    Es ist schon komisch irgendwie....da soll die Blase heilen, nur um in 4 Wochen entsorgt zu werden. Könnte die Blutung nicht einfach die Krebszellen wegschwemmen?

    Ich wünsche allen ein gutes, heilsames neues Jahr 2019, viel Glück und Stärke!

    Liebe Grüße

    Waldemar

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