Multilokulärer Blasentumor pT2/Cis high grade

  • Guten Tag liebe Forum-Mitglieder

    fühle mich wie vom Blitz getroffen....in meinem Bericht steht,nun nach Ausschabung der Blase TUR-B

    ...Multilokulärer Blasentumor,Hintergrund,und Seitenwand = pT2/is high grade

    was bedeutet bitte ..2/is ?....Danke für eine verbindliche Info dazu.


    Die Urologen der Sindelfinger Klinik haben mir zu einer schnellsten Entfernung der Blase geraten.

    Bitte um Hilfe und Rat... .bin total verzweifelt..was ich machen soll

    Herzlichen Dank Werner

  • Guten Abend Werner und herzlich willkommen bei uns im Forum. Die Aussage der Mediziner ist unbedingt zu unterstreichen. Ein pT2 ist inzwischen muskelinvasiv und somit ist die Blase unverzüglich zu entfernen. Vielleicht magst Du ein wenig zum bisherigen Verlauf der Erkrankung sagen. Gerne aber auch Fragen stellen.


    Gruß Wolfgang

    "wer kämpft, der kann verlieren; wer nicht kämpft, hat bereits verloren"

  • Lieber Werner,


    auch von mir ein ganz herzliches Willkommen hier bei uns im Forum. Der Anlass ist nicht schön, aber wir werden versuchen Dir zu helfen.


    Und gleich mal zu Deinen Fragen:

    - multilokulär bedeutet an mehreren Stellen, d.h. hier haben wir es mit mehreren Tumoren zu tun

    - pT2/cis bedeutet: pathologisch, also vom Pathologen, nicht vom Operateur, dann wäre es noch klinisch, als cTx, festgestellter T2 Tumor, in Verbindung mit einem cis.


    Zu den verschiedenen Tumorstadien haben wir hier eine gute Grafik, die das Thema schön veranschaulichen kann:



    Du siehst, ein pTcis ist zwar noch oberflächlich, aber er ist leider ein ganz gemeiner, heimtückischer Geselle, den man gut im Auge behalten muss.

    Ein pT2 ist schon in die Blasenmuskulatur eingewachsen und hier ist, auch ohne Cis, oft die einzige Option: Blase raus. Und ja, viele Tumore wachsen langsam, aber das Urothelkarzinom ist da anders: aggressiv und es wächst vergleichsweise schnell. Insofern schließe ich mich Wolfgang und den Ärzten an, bitte zügig operieren lassen.


    Soweit ersteinmal in Kürze, da unterwegs, später mehr...


    Aber eines noch: auch mit Ersatzblase, derer es verschiedene Möglichkeiten gibt, lässt sich gut bis ausgezeichnet leben! Lies Dich gerne in Ruhe ein und dann stell uns all Deine Fragen und heul Dich aus, wir haben alle ähnliche Geschichten durch und möchten Dir gerne ein wenig die Angst nehmen und Dir zur Seite stehen!


    Ganz liebe Grüße, Mandelauge

    Nach pT2b pN0 pL0 pV0 R0 (lokal) G3, glückliche und stolze Besitzerin einer Neoblase nach Hautmann, perfekt gebaut von Prof. Magheli in Berlin - Glück gehabt :)

  • rainer

    Hat den Titel des Themas von „Werner Grüß Euch....bin der Neue“ zu „Multilokulärer Blasentumor pT2/Cis high grade“ geändert.
  • Hallo Werner, wjk .

    Wie meine Vorschreiber schon sagen,bei dieser Histologie führt an der Blasenentfernung kein Weg vorbei. Du bist jetzt 69 Jahre alt, wie sieht es bei Dir aus mit Vorerkrankungen ? (Herz, Knochen, ect..) bist du noch recht fit ?

    Harnableitungen gibt es im Grunde dreierlei:


    Neoblase : hier wird aus einem Stück Dünndarm (Ileum) eine neue Blase geformt. Bei Frauen wird diese Blase möglichst durch ein Netz gestützt, damit sie nicht nach hinten abknickt. Man kann hyperkontinent werden, dann muss man selbst Kathetern, aber auch inkontinent werden, aber meist klappt es nach einiger Zeit und Übung. Man sollte alle 3-4 Stunden, auch nachts entleeren.


    Pouch : auch hier wird aus Darm eine Blase geformt, aber der Ausgang liegt am Bauchnabel und muss immer kathetert werden. Es kann zu Verwachsungen am Zugang kommen. Auch hier sollte alle 3-4 Stunden entleert werden.


    Urostoma : das ist die schonendste OP. Dabei wird mit Hilfe eines kleinen Darmstücks ein Ausgang auf dem Bauch geschaffen, auf den ein Beutel aufgeklebt wird. Das ist die einfachste, aber sicherste Variante und später im Alter gut zu händeln.


    Ich denke je nachdem wie sich Dein allgemeiner Gesundheitszustand darstellt kommt eine der drei Ableitungen in Frage.

    Falls du weitere Fragen hast dann stelle sie bitte.


    Gruß Rainer

  • Lieber Werner,


    hier noch ergänzend Berichte von Mitgliedern über Kliniken in Deiner Nähe:

    Sindelfingen UKS (bist Du hier vielleicht sogar?)

    Stuttgart Diakonie-Klinikum

    Villingen-Schwenningen


    Grundsätzliches zur Erkrankung und deren Behandlung findest Du auch in dieser Broschüre: ">


    Nun zu den verschiedenen Möglichkeiten der Harnableitung:

    Es gibt derer drei, wobei jede ihre Vor- und Nachteile hat. Der Vollständigkeit halber möchte ich Dir alle drei kurz vorstellen:


    1. orthotope Neoblase:

    - Bildung eines Reservoirs aus stillgelegtem Darmgewebe.

    - Entleerung natürlich, d.h. durch die Harnröhre.

    - Vorteil: ästhetisch vermutlich die schönste Lösung.

    - Nachteile: setzt voraus, das kein Tumor im Bereich der Harnröhre und deren näherem Umfeld sitzt; lange OP-Dauer; sehr häufig Inkontinenz, am Anfang eigentlich immer, die auch nicht immer mit der Zeit in den Griff zu bekommen ist; manchmal Hyperkontinenz, die Entleerung klappt nur mittels Katheter, die man selbst setzen muss; durch das mühsame neu erlernen der Kontinenz und dadurch anfangs nächtliches Aufstehen im 2-4-Stunden-Takt für ältere Patienten in den meisten Fällen keine Empfehlung.


    2. Pouch: alles ähnlich wie die orthtope Neoblase, nur mit eine Art Ventil im Bauchnabel, in das der Katheter gesetzt werden muss.

    - Vorteil: bei Befall der Harnröhre eine echte Alternative zum Urostoma.

    - Nachteil: wenige Ärzte beherrschen die Anlegung noch wirklich gut, hier muss man suchen; häufig treten Verwachsungen auf, die operativ zu beheben sind.

    -> hier bitte liebe Pouchis gerne ergänzen!


    3. Urostoma:

    - Es wird ein neuer Ausgang an der Bauchdecke gelegt und mit einem Beutelchen fest abgedeckt. Der Urin wird so aufgefangen und kann, wenn voll, unkompliziert entleert werden.

    - Vorteil: kürzeste OP-Dauer; sofort durchschlafen können; sozusagen dicht, bzw. keine Gefahr des in die Hose pinselns, es sei denn der Beutel löst sich mal (selten); einfaches Handling auch im Alter.

    - Nachteil: der größte ästhetische Eingriff in die eigene körperliche Unversehrtheit, es gibt aber schöne Lösungen zum Abdecken mittels Gürtel (jedenfalls für Frauen...).


    Was in Frage kommt, entscheidet zum einen die Lage der Tumore, aber auch Deine Fitness, Deinen Wunsch wird man versuchen zu berücksichtigen, die onkologische Sicherheit geht aber vor und letztendlich wird es im OP entschieden, wenn das ganze Ausmaß der Erkrankung sicher beurteilter ist.


    So, ich denke wir haben Dich ersteinmal genug gefüttert, verdaue das erstmal und dann stelle alle Deine Fragen.


    Liebe Grüße vom Mandelauge


    Oh, Rainer hat mich überholt, doppelt sich jetzt etwas...

    Nach pT2b pN0 pL0 pV0 R0 (lokal) G3, glückliche und stolze Besitzerin einer Neoblase nach Hautmann, perfekt gebaut von Prof. Magheli in Berlin - Glück gehabt :)