Vater an Blasenkrebs erkrankt - Neoblase geplant

  • Hallo zusammen,


    Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.. Die letzten Monate waren sehr.. Emotional.

    Ich selbst bin 27 Jahre jung und lebe noch bei meinen Eltern.

    Mein Vater (72) hat Blasenkrebs pt2 g3 (die restlichen Werte sind nicht bekannt). Die Diagnose kam im März 19 nach der ersten Turb mit pt1 g3. Der urologe kam direkt mit der Empfehlung der radikalen zystektomie und Einsatz einer neoblase. Mein Vater hat das alles im Schock nicht richtig verstanden und hat alles abgelehnt. So sind wir im Nachgang gemeinsam zum Hausarzt (Erfahrung mit Krebs) der die Befunde auch erhalten hat. Hier wurde wir wirklich gut beraten was wir tun können. Das Wort Krebs zu hören im eigenen Familienkreis ist das schlimmste was man sich vorstellen kann. Man wird darauf im Leben nicht vorbereitet. Der Hausarzt hat uns alle Möglichkeiten genannt und auch im. Einzelnen erklärt. Mein Vater war sehr froh darüber und hat sich eine zweitmeinung eingholt - 2te turb. Also entschloss sich mein Vater zunächst diesen Weg einzugehen. Mai 2019 wurde die 2. Turn gemacht und die Diagnose war pt2 g3 muskelinvasislv=die Blase muss weg. Jetzt hat mein Vater die neoblase OP vor sich (nächten Donnerstag, kh winnenden ba-wü falls das jemanden was sagt) und die macht ihm angst. Mir macht sie noch mehr angst.. Ich kann leider im näheren Umfeld nicht viel darüber reden und hoffe hier das alles loswerden zu können. Da ich für meinen Vater versuche stark zu sein fällt es mir schwer.. Sehr schwer.. Lese sehr viel über die neoblase und Risiken und Lebenserwartung. Es gibt mir Hoffnung und macht mich zeitgleich verrückt.

    Ich versuche diesen Thread zu nutzen um meine Erfahrungen aus der Perspektive einer Tochter zu beschreiben. Welche Sorgen und Ängste einen plagen und hoffe hier auch gleichgesinnte oder etwas Mut zu finden. Werde den Verlauf der Neoblase dokumentieren. Ich hoffe das ist der richtige Ort.

    Liebe Grüße

    FIA

  • Guten Morgen und herzlich willkommen bei uns im Forum. Der Anlass ist mehr als bedrückend aber das kann man sich nicht aussuchen. Die Entfernung der Blase bei Deinem Vater sehe ich als unvermeidbar und notwendig an. Die OP ist bereits terminiert und auch hier ist kein Zeitverlust erkennbar. Dennoch, es wäre gut, den Befund insgesamt zu kennen. Denn da sind weitere Hinweise darauf, ob es zum Beispiel nach der TUR B einen Resttumor bzw Anschluss an das Venensystem und/oder Lymphsystem gibt. Was wären ggfs Indikatoren für eine zusätzliche Chemotherapie. Die Gesamtkonstitution Deines Vaters kenne ich nicht aber wenn er sich jenseits der 70 für eine orthotope Neoblase entscheidet ist das schon sehr sportlich. Die Folgen der OP sind eben nicht zu unterschätzen, insbesondere der Verlust der Kontinenz. Da kommt viel Übung und Beckenbodentraining auf Deinen Vater zu.


    Liebe Grüße, wolfgangm

    "wer kämpft, der kann verlieren; wer nicht kämpft, hat bereits verloren"

  • Hallo Fia1511 ,

    wie Wolfgang schon anmerkte, bei dieser Histologie ist es keine Frage mehr, die Blase muss raus. Die zweite Frage ist der passenden Harnableitung geschuldet.

    Dein Vater ist 72, da muss man schon einmal nachfragen ob die kontinente Neoblase noch das richtige ist. Mit 72 ist es wirklich sehr schwierig die kommende Inkontinenz in den Griff zu bekommen. 2 bis 3 mal nachts aufstehen um die Blase zu entleeren, tagsüber mit Vorlagen rumlaufen.. das kommt auf ihn zu.

    Ich will es mal so beschreiben, ist dein Vater mit 72 noch fit, hat sonst keinerleih Beschwerden, ist nicht wesentlich übergewichtig und eine zusätzliche anschließende Chemo ist auch nicht in Sichtweite, dann kann er es mit einer Neoblase durchaus schaffen. Die nächtliche Inkontinenz kommt aber auf jeden Fall, bis man nachts kontinent wird können durchaus 2-3 Jahre vergehen.

    Treffen die o.g. Parameter aber nicht zu, ist er mit einem Stoma wesentlich besser bedient. Kein nächtliches Aufstehen, also durchschlafen, einfache Versorgung, wesentlich kürzere Operationszeit, kürzerer Krankenhausaufenthalt. Das Stoma wird ihn in seinen Aktivitäten nicht behindern.


    Lasst Euch das noch mal durch den Kopf gehen.


    Gruß Rainer

  • Hallo Fia1511 ,

    ich bin 67 und habe ein Stoma. Ich bin nicht nur zufrieden, sondern ich kann sagen ich bin glücklich. Mache alles wie vorher auch, muß nachts nicht raus, trage keine Vorlagen, gehe baden (wie gerade) und es fällt nicht auf. Bei einem Alter jenseits der 60 würde ich mir das genau überlegen. Rainer hat es ja schon geschrieben. Wenn bereits muskelinvasiev, wie auch bei mir, sollte er sich das genau überlegen. denn dann folgt bestimmt noch eine Chemo. Beeratet darüber oder fragt hier, es werden bestimmt noch Andere schreiben.

    Gruß Siggi

    24.07.18 Blasenspiegelung, 30.07.18 TUR-B

    pTX ( mind.pT 2a),G3, L1, cN2, cMO Stadium IV

    4 Zyklen adjuvante Chemo mit Gemca/Cisplatin

    11.12.2018 Op Ileum Conduit

    pT2b, LO, VO, pNO (0/18) RO lokal G3

  • Liebe FIA,

    Willkommen auch von mir, wenn der Anlass auch bescheiden ist. Zur Wahl der Ableitung - Neoblase - haben Wolfgang und Rainer und Siggi schon geschrieben, dem schließe ich mich an.

    Zu den furchtbaren Ängsten: ja, das Wort Krebs ist in unseren Köpfen immer noch mit Tod, qualvollem Sterben, dahin siechen verbunden. Das ist aber falsch - viele krebsarten, so auch Blasenkrebs können heute, wenn sie einigermaßen rechtzeitig erkannt werden, so behandelt werden, dass ein lebenswertes, meist etwas verändertes, oft auch viel bewussteres und damit erfüllteres Leben möglich ist. Hier müssen wir das vermeintliche Todesurteil, dass aus der Zeit noch vor 20 Jahren oder auch weniger in unseren Köpfen „wohnt“ rausschmeißen. Die panische Angst nach der Diagnose kann ich gut verstehen, sie hatte auch mich seinerzeit ergriffen. Am besten dagegen kann Information helfen - lies dich hier ein bisschen ein, frag, was immer du wissen möchtest - wir versuchen zu helfen! Gern darfst du dich auch mal ausheulen!

    Lies auch bitte nicht so viel quer im Internet, oft werden da die schlimmen Ausgänge berichtet. Die, denen es wieder gut geht, schreiben selten lange weiter. Wir versuchen hier auch langfristig die viel häufigeren guten Verläufe bei blasenkrebs (mit ihren Ecken und Kanten) aufzuzeigen und weiter zu verfolgen.

    Ich denke, mit einem pT2 hat dein Papa gute Chancen - nur die Art der Ableitung sollte nochmal überdacht werden....

    Sei lieb gegrüßt von Barbara

  • Hallo FIA,


    Barbara hat recht! Krebs ist nicht gleich Tod.

    Ich hatte Blasenkrebs und Zystektomie mit 30, also in einem Alter, in dem Krens noch viel aggressiver ist als mit 72.

    Jetzt bin ich 59 und lebe ein glückliches Leben. Dass ich keine Blase habe, ändert daran ja gar nichts.


    Alles Gute deinem Vater.

    Hans

    1990: Blasenkrebs und Zystektomie mit 30.
    2008: Umbau der Harnableitung in Mainz Pouch 1.
    Sehr zufrieden damit, praktisch keine Einschränkungen. :thumbsup:

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