Undichtigkeit Mainz 1 Pouch nach Operation

  • Hallo zusammen!


    Nach 3 Zyklen Chemotherapie (Cisplatin/Gemcitabin) bin ich am 25.03.2020 cystektomiert worden, Tumorstadium pT3b (beginnend/umschrieben), G2, L1, V0, pN0 (0/5), M0. Begleitend ausgedehntes CIS. Die geplante Neoblase konnte nicht realisiert werden, da das CIS weit in die Harnröhre eingewachsen war.

    Daher intraoperativ Entschluß zum Mainz 1 Pouch.


    Postoperative Komplikation mit Perforation des Pouches durch den intraoperativ eingebrachten Bauchnabelkatheter, daher verzögerte Entfernung der Mono Js und des Bauchnabelkatheters nach 6 Wochen (sozusagen vorgestern).


    Der Verschluß des Pouches erwies sich nach Entfernung des Katheters als völlig insuffizient, der Urin floß im Schwall ungehindert nach draußen. Begründung: Der Pouch ist zu klein, Fassungsvermögen zur Zeit ca 30ml, daher kann der Verschlußmechanismus nicht funktionieren. Entschluß zur Wiedereinlage des Katheters, der abgestöpselt werden soll, damit der Pouch sich langsam dehnt.


    Nun liegt der Katheter 2 Tage. Nach 1 Stunde sind 200ml neben dem Katheter nach daußen geflossen, nach Öffnen des Katheters kommen aus den Pouch 20ml. Da die überwiegende Menge des Urins neben dem Katheter nach draußen fließt, kann nach meiner Meinung kein Druck aufgebaut werden, um den Pouch zu dehnen. Wie soll es weitergehen? Ich bin einigermaßen verzweifelt. Nach 5 Monaten Dauerstress bin ich ziemlich weichgekocht. Die Ärzte sagen, das Ganze wird sich mit der Zeit richten....


    Hat jemand von Euch entsprechende Erfahrungen gemacht? Habt Ihr Tips?


    ZurZeit hab ich einen wiederverschließbaren Urinbeutel auf dem Nabel kleben, den ich jede Stunde leere, der Puchkatheter liegt abgestöpselt im Beutel und wird ebenfalls jede Stunge geöffnet. Nachts lasse ich den Pouch offen und lasse alles ungehindert abfließen,


    Liebe Grüße mit der Hoffnung auf Rat, Christian

  • Hallo Fritz - Christian ,

    da hast du ja schon einiges hinter dir und ich verstehe dich schon, daß es dir langsam auch zu viel wird mit den Komplikationen.

    Trotzdem verlangt auch das Training mit dem Pouch viel Geduld. Du schreibst, daß der Katheter erst 2 Tage liegt. Welche Größe hat dieser Katheter, wurde er geblockt und mit wieviel ml, wurde eine Lagekontrolle mittels Ultraschall durchgeführt?

    Du hattest ja nach der Operation auch einen Bauchnabeldauerkatheter, war da auch schon das Stoma undicht?

    Zunächst muß erst mal das Stoma dicht werden (größerer Katheter) und dann kann das Training mit der Pouchblase zum Aufdehnen beginnen. Dazu sollte der Katheter unbedingt abgestöpselt bleiben und anfangs alle 90 - 120 Minuten geöffnet werden - auch nachts - Wecker stellen!!

    Ein kontinuierliches Ablaufen des Urins über Nacht ist eigentlich kontraproduktiv.


    Ich denke aber, daß du noch viel Geduld haben solltest, die Operation liegt erst 6 Wochen zurück und da funktioniert eben nicht alles gleich reibungslos.

    Ist denn eine AHB angedacht?

    Du siehst - viele Fragen.

    Gib dir einfach noch etwas Zeit.


    LG Gabi

    01/2013 TUR B, pT2a,G3

    03/2013 radikale Zystektomie mit Pouchanlage, Nephrektomie li., pT4a,V1,L1,Pn1,R1,G3,pN0(0/7)

    05-08/2013 Chemotherapie Gem/Cis

    "Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens"

  • Liebe Gabi,


    Danke für die schnelle Antwort!


    Der aus dem Bauchnabel und dem Pouch führende Katheter wurde intraoperativ eingelegt, der Urin floß die ersten 6 Wochen über die Mono Js gesondert ab. Auch schon während dieser Phase lief kontinuierlich Flüssigkeit/Urin neben dem Katheter aus dem Bauchnabel, allerdings in geringerem Maße.


    Es wurden dann vor wenigen Tagen die Mono Js entfernt, so daß der Urin jetzt in den Pouch fließt. Parallel nahm der Flüssigkeitsaustritt neben dem Katheter aus dem Bauchnabel zu.


    Dann wurde der Bauchnabelkatheter entfernt, der Verschluß des Pouches funktionierte gar nicht, so daß der Katheter unter Röntgenkontrolle erneut gelegt wurde.


    Jetzt läuft bei abgestöpseltem Katheter 90% des Urins neben dem Katheter aus dem Bauchnabel, beim Öffnen des Stöpsels entleeren sich aus dem Pouch 20-30ml. Druck im Pouch zum Dehnen kann so ja nur in geringem Maße aufgebracht werden.


    Eine AHB ist wegen Corona zunächst nicht geplant, wäre unter anderen Bedingungen aber sicher sinnvoll.


    Meine Fragen sind zunächst:

    Sind solche "Schwierigkeiten" zun Anfang "normal" bzw nicht ungewöhnlich?

    Zweitens: Soll ich den abgestöpselten Katheter in einem Stomabeutel liegen lassen (das Auf- und Zustöpseln ist dann ein ziemliches Gematsche und keinesfalls steril, so daß ich Infektionen fürchte) oder lieber die Flüssigkeit in eine Binde/Vorlage/Verband laufen lassen, den ich stündlich wechsele. Dann liegt der Stöpsel an der"frischen Luft" und nicht in einer feuchten Kammer, was vielleicht besser ist.


    Was ist Dein Rat?


    Lieben Dank, Christian

  • Hallo Christian,

    diese Anfangsprobleme sind eher ungewöhnlich. Normalerweise wird der Katheter gezogen und man beginnt mit dem Katheterisieren des Pouches anfangs stündlich und erweitert dann langsam die Intervalle.

    Den Katheter abgestöpselt im nassen Milieu des Stomabeutels liegen zu lassen halte ich persönlich auch für sehr unhygienisch. Außerdem wirkt der Katheter wie eine Schiene, an der sich die Keime wunderbar in den Pouch vorarbeiten können. Da geb ich dir vollkommen recht.

    Hm, das ist jetzt eine schwierige Situation.

    Zunächst suche nochmals das Gespräch mit deinem behandelnden Urologen und erkläre ihm deine Bedenken. Da muß Abhilfe geschaffen werden und zwar sofort.

    Der jetzige Zustand ist auf keinen Fall zu akzeptieren.

    Ist denn der Stomabeutel dicht?

    Wenn ja und du damit zurecht kommst, könnte man den DK nicht wieder entfernen und abwarten, ob der Stomaeingang nach einiger Zeit enger und dicht wird. Das ist aber nur eine persönliche Meinung - ich bin kein Arzt. Oder man legt einen größeren Katheter z.B. CH 18 oder 20.

    Vorlagen sind im Prinzip nicht schlecht. Bei der Urinmenge, die du über das Stoma verlierst, wirst du die Vorlage mindestens alle 2 Stunden wechseln müssen.

    Es ist wirklich keine einfache Situation und ich bin da auch ein wenig ratlos.


    LG Gabi

    01/2013 TUR B, pT2a,G3

    03/2013 radikale Zystektomie mit Pouchanlage, Nephrektomie li., pT4a,V1,L1,Pn1,R1,G3,pN0(0/7)

    05-08/2013 Chemotherapie Gem/Cis

    "Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens"

  • Danke Gabi, Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich werde mich Montag an meinen Urologen vor Ort wenden (ich bin ja als Hamburger in Berlin operiert worden), um seinen Rat einzuholen.


    Ich werde berichten.


    Christian

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