Nachsorge bei low risk-Tumoren nach 5 oder mehr Jahren

  • Liebes Forum,


    ich bin ja nun bald soweit - meine TUR-B ist 4,5 Jahre her, meine nächste Nachsorge ist erst in einem Jahr geplant.

    Nach der S3-Leitlinie bin ich mit einem low risk-Tumor ab 5 Jahren komplett aus der Nachsorge draußen. Das ist einerseits schön, andererseits ist das Rezidivrisiko auch nach 5 Jahren sicher nicht 0. Daher habe ich recherchiert, wie denn hier international die Empfehlungen sind.


    Zusammengefasst schaut es so aus:

    Deutsche S3-Leitlinie: keine Nachsorge mehr

    UK-NICE-Guidelines: keine Nachsorge mehr (das aber schon nach 12 rezidivfreien Monaten!)

    Europäische EAU-Guidelines: keine Nachsorge mehr

    AUA/SUO Joint Guideline (USA): nach Absprache mit dem Arzt


    Und etwas genauer:


    S3-Leitlinie:

    "11.2. Patienten mit einem low-risk nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinom sollten nach Erstdiagnose und transurethraler Resektion eine Zystoskopie nach 3 und 12 Monaten erhalten. Bei Rezidiv-Freiheit sollte das Zystoskopie-Intervall auf einmal pro Jahr erweitert werden. Wird kein Rezidiv festgestellt, sollte die urologische Nachsorge nach 5 Jahren beendet werden."


    Die Begründung dazu lautet:

    "In 5 Beobachtungsstudien wurde bei Patienten mit einem low-grade NMIBC die Rezidivraten in der Langzeitnachsorge untersucht. Die Qualität der Evidenz wird für diese Studien als niedrig eingestuft. Zwei der Arbeiten mit insgesamt 470 Patienten zeigten, dass die zystoskopische Detektion eines Tumors in der ersten Nachsorge verglichen mit tumorfreien Patienten in der ersten Zystoskopie mit einem deutlich höheren Rezidivrisiko in den Folgeuntersuchungen assoziiert war [1296, 1297]. Alle Studien konnten jedoch zeigen, dass das Rezidivrisiko mit der Länge des rezidivfreien Nachsorgeintervalls abnimmt. Zwei Beobachtungsstudien legen nahe, dass das Rezidivrisiko nach einer Zeitspanne von 5 oder mehr rezidivfreien Jahren minimiert ist [1297, 1298]. In der Arbeit von Mariappan und Kollegen wurde nach 5 Jahren Rezidivfreiheit lediglich bei einem Patienten (0,9%) ein erstes Rezidivereignis festgestellt. Hingegen konnten in der Studie von LeBlanc deutlich höhere Spätrezidivraten von annähernd 30% beobachtet werden, auch wenn Patienten in der Nachsorge zwischen zwei und zehn Jahren zunächst tumorfrei gewesen waren [1295, 1299].

    Ebenso zeigte eine Beobachtungsstudie von Thompson eine hohe Rezidivrate auch nach einem längeren tumorfreien Nachsorgeintervall. Insgesamt hatten 20 Patienten mit einem initialen Ta-T1 Tumor ein rezidivfreies Intervall von 5 Jahren. In der weiteren Langzeitbeobachtung entwickelten jedoch sieben Patienten (35%) eine Tumorprogression und hatten ein muskelinvasives Karzinom [1300]."


    Anmerkung: Diese Studie von LeBlanc gefällt mir nicht. 30 % Spätrezidive sind ein Wort. Und in der Thomspon Studie sogar 35 %. Auf der anderen Seite 0,9 % bei der Studie von Mariappan. Man sieht einmal wieder, wie ungenau Studien sind. Nehmen wir aber mal 15 -20 % als die vermeintliche Wahrheit in der Mitte - dann würde ich bestimmt nicht die Nachsorge einstellen wollen. Warum die S3-Leinitline das dennoch so empfiehlt, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. In den Begründungen finde ich nichts weiter dazu. Außer, dass dazu auf die NICE-Guidelines verwiesen wird, das Pendant zu den S3-Leitlinien in Großbritannien.



    Hier daher ein Zitat aus den NICE-Guidelines:

    "Low-risk non-muscle-invasive bladder cancer

    1.4.3 Offer people with low-risk non‑muscle‑invasive bladder cancer cystoscopic follow‑up 3 months and 12 months after diagnosis.

    1.4.4 Do not use urinary biomarkers or cytology in addition to cystoscopy for follow‑up after treatment for low‑risk bladder cancer.

    1.4.5 Discharge to primary care people who have had low‑risk non‑muscle‑invasive bladder cancer and who have no recurrence of the bladder cancer within 12 months.

    1.4.6 Do not offer routine urinary cytology or prolonged cystoscopic follow‑up after 12 months for people with low‑risk non‑muscle‑invasive bladder cancer."


    Anmerkung: M.E. fast schon fahrlässig, nach 12 rezidivfreien Moanten Zytologie und Zystoskopie einzustellen (1.4.6.).


    EAU-Guidelines:


    "Patients with low-risk Ta tumours should undergo cystoscopy at three months. If negative, subsequent cystoscopy is advised nine months later, and then yearly for five years."


    Und schließlich noch die AUA/SUO Joint Guideline:


    "33. For a low-risk patient whose first surveillance cystoscopy is negative for tumor, a clinician should perform subsequent surveillance cystoscopy six to nine months later, and then annually thereafter; surveillance after five years in the absence of recurrence should be based on shared-decision making between the patient and clinician."


    Anmerkung: Das ist m.E. auch die Praxis in Deutschland, obwohl es so nicht in den S3-Leitlinien steht. Nachsorge nach Absprache mit dem Urologen. Eine vernünftige Lösung, die ich auch anstrebe.


    Ich für mich werde die Nachsorge beibehalten. Ich gehe daher jedes Jahr zum Urologen und lasse ihn einen Blick in die Blase werfen. Das ist nicht angenehm, aber dafür werden Rezidive hoffentlich entdeckt, ehe sie so groß sind, dass sie durch Blut im Urin oder Beschwerden auffallen. Vielleicht hilft meine Recherche auch anderen Betroffenen.

  • Hallo JoFo76,


    Zuerst einmal Glückwunsch zu den rezidivfreien Jahren und ich drücke Dir die Daumen, das dies auch die nächsten Jahrzehnte so bleibt!


    Ich glaube dass die unterschiedlichen Prozentsätze der Statistiken sich einfach auf unterschiedliche Grundlagen berufen. Hinzu kommt noch die Variable = Mensch, welche stets unterschiedlich ist in Ihrer Ernährung, Veranlagung, Lebensweise, Einstellung, etc... so ist eine Statistik aus Asien, Amerika oder Afrika trotz gleicher Studienanzahl von Personen nicht auf Europäer zureffend, selbst innerhalb Europas gibt es ja schon etliche Unterschiede.


    Aber nichts desto trotz sagt jede Studie etwas aus und hilft die Dinge zu verstehen.

    Letztlich sollte man sich davon nicht beeinflussen lassen und die Dinge situativ mit den Medizinern besprechen auf den jeweiligen Fall.

    und hier kommt der wichtigste Faktor m.E. Ins Spiel, Vertrauen! Wenn man seinem Doc vertraut und er auch stets in deinem Interesse agiert und „Ängste“ ernst nimmt, dann benötigt man selbst keine Statistik.


    Ich teile deinen Entschluss jährlich zur Nachsorge zu gehen, um frühzeitig reagieren zu können und nix unbeobachtet wachsen zu lassen!


    Ich würde es sogar weiterhin im Quartal machen... glücklicherweise gewöhne ich mich daran und schmerzen habe ich weder dabei, noch danach. Lediglich der Drang zu pinkeln während der Untersuchung stört.


    Lässt du die Untersuchung klassisch ohne PDD, Hexvix o.Ä. machen?


    Bisher macht mein Doc nur die klassische Kamerabefahrung und Urinzytologie...


    Beste Grüße und nen schönen Feiertag


    Stefan

  • Hallo Stefan,


    ich selbst bin kein Freund der Zystokopie - ich finde sie sehr unangenehm. Aber es hilft ja nichts. Wobei ich festgestellt habe, dass das von Urologe zu Urologe sehr unterschiedlich ist. Bei dem einen habe ich bis zu vier Tage danach extremes Brennen bis hin zu leichter Inkontinenz, bei dem anderen ist am nächsten Tag nichts mehr zu merken. Da spielt wohl Gefühl und Erfahrung der Ärzte eine große Rolle, eventuell auch das verwendete Zystskop.


    Ich lasse sie - sofern möglich - immer mit PDD machen. Einmal im Jahr ist für mich ab jetzt in Ordnung. Ich komme von 3 Monaten über 6 Monate zu 9 Monaten. Und ab jetzt eben jährlich.


    Herzliche Grüße,

    Jofo76

  • Hallo


    Eigendlich bereitet das Einführen des Zystokops die Unannehmlichkeit . Mal spürte ich kaum was und ein anderes mal hat es beim vorbeischieben an der Prostata Schmerzen gegeben . Da half auch keine Schnappatmung, wie sie vom Urologen empfohlen wurde . Ist es erst mal in der Blase und die Urologin schaut nach, habe ich keine Schmerzen, auch nicht beim herausziehen des Zystokops. Trotzdem müssen wir alle da durch und freuen uns ,wenn nichts gefunden wird . Leitlinien sind Leitlinien und wenn ich das 5. Jahr überstanden habe, höre ich nicht auf mit den Blasenspiegelungen .


    MfG. Didi

  • Moin Didi,

    um den Durchtrittsschmerz durch die Prostata zu mildern, solltest du in diesem Augenblick den Schließmuskel entspannen, also so, als müsstest du pinkeln. Die Passage ist nur deswegen so unangenehm, weil der Widerstand des Schließmuskels überwunden werden muss. Und dadurch natürlich auch der Reibwiderstand an der Harnröhre hoch ist.


    Grüße

    Blasius

    Nach Zufallsfund 2006: pTa G2 (high grade) 5 x TUR-B und 30 x Mitomycin nun jährliche Kontrollzystoskopie mit Urinzytologie und PSA-Test