Was taugen Alternativen zur Zystektomie bei Blasenkrebs?

  • Erzeugt am : 20. September 2021

    Uhrzeit : 15:30

    Von : Blasenkrebs Online-Selbsthilfegruppe

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    Titel : Was taugen Alternativen zur Zystektomie bei Blasenkrebs?

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    Inhalt :

    Beim 73. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Stuttgart stellte Prof. Gerd Lümmen, Troisdorf, im Rahmen des Akademie-Forums “Urothelkarzinom – Neue Perspektiven” am 15.09.2021 aktuelle Alternativen zur radikalen Zystektomie beim Blasenkarzinom vor.

    Der Chefarzt der Urologie an dem GFO Kliniken in Troisdorf (Nordrhein-Westfalen) ging zunächst auf die Situation ein, wenn die Therapie mit Bacillus Calmette-Guérin (BCG) beim hochgradigen nicht muskelinvasiven Blasenkarzinom (High-grade-NMIBC) zu keinem Erfolg führte. Nach den Leitlinien soll dem Patienten dann die radikale Zystektomie empfohlen werden. Jedoch wird eine solch drastische Therapie von vielen Patienten abgelehnt.

    BCG-refraktäres High-grade-NMIBC

    Bei High-grade-NMIBC, das nicht auf BCG angesprochen hat, konnte eine Phase-II-Studie mit dem Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab “gute Tolerabilität und vielversprechende Antitumoraktivität” zeigen, so Lümmen. In der Studie KEYNOTE-057 (Balar et al. Lancet Oncol 2021;22:919) erhielten 101 Patienten 200 mg Pembrolizumab i.v. alle drei Wochen bis zu 24 Monaten. 39 von 96 Patienten (41%) erzielten eine komplette Remission (CR) nach drei Monaten mit einer medianen Dauer des Ansprechens von 16 Monaten. Bei 18 der 39 Patienten hielt die CR über zwölf Monate an. Die Rate von Nebenwirkungen der Grade 3 und 4 betrug 13 Prozent. “Es laufen noch weitere Studien mit Checkpoint-Inhibitoren in dieser Situation, und wahrscheinlich werden wir in einem bis zwei Jahren weitere positive Daten bekommen”, sagte Lümmen.

    Ein völlig neues Therapiekonzept wurde in einer Phase-III-Studie von Boorjian et al. vorgestellt (Lancet Oncol 2021;22:107): “Nadofaragene firadenovec” ist eine Gentherapie, die mittels eines replikationsdefizienten, rekombinanten Adenovirus DNA für humanes Interferon alpha-2b in die Tumorzellen schleust. “Die Therapie war effektiv mit hervorragendem Nutzen/Risiko-Verhältnis”, so Lümmen. In der Open-label-Studie erhielten 157 Patienten 75 ml der neuen Therapie intravesikal verabreicht, entsprechend 3×1011 Viruspartikeln pro Milliliter. Die Therapie wurde nach drei, sechs und neun Monaten wiederholt. 55 von 103 Patienten (53%) mit Carcinoma in situ (CIS) ohne oder mit Ta/t1-high-grade-Tumor erzielten nach drei Monaten eine CR. 25 dieser 55 Patienten hatten eine anhaltende Remission über zwölf Monate. Drangsymptomatik war die häufigste Nebenwirkung von Grad 3/4 und trat bei einem Patient der Behandelten auf.

    Lümmen ging auch kurz auf die intravesikalen “Drug-delivery-Systeme” bei dieser Indikation ein (EMDA mit Mitomycin, HIVEC mit Mitomycin und Pirarubicin, Synergo, photodynamische Therapie mit 5-Aminolävulinsäure oder Photoporphyrin). “Aus meiner Sicht haben diese Therapien keinen Durchbruch gebracht”, sagte Lümmen.

    Trimodale Therapie beim MIBC

    Beim muskelinvasiven Blasenkarzinom (MIBC) wird seit einiger Zeit die “trimodale Therapie” als Alternative zur radikalen Zystektomie diskutiert. Sie beinhaltet die transurethrale Resektion des Blasentumors (TURB-T), Chemotherapie und Radiotherapie. Der “ideale Patient” für diese Therapieform hat, so Lümmen, einen cT2-Tumor, eine komplette TURB-T, keine Hydronephrose, kein CIS und keine multifokalen Tumoren. Als wichtigster Parameter für einen Erfolg hat sich hochsignifikant (p<0,0001) ein Tumordurchmesser nicht größer als 3 cm erwiesen.

    Die Zystektomie bleibt in dieser Indikation jedoch der Goldstandard, wie Lümmen betonte. “Das Problem ist, dass es keine randomisierten, kontrollierten Studien zum Vergleich von TMT und radikaler Zystektomie gibt.”

    Im Anschluss an seinen Vortrag diskutierte Lümmen den Stellenwert der Zystektomie-Alternativen bei NMIBC und MIBC mit Sitzungsleiter Prof. Markus Kuczyk, Hannover. Dabei wurde der Troisdorfer Chefarzt deutlich: “Bei High-grade-NMIBC gibt es eine Chance zur lokalen Therapie – dann würde ich den Patienten zur Zystektomie zwingen.” Kollege Kuczyk schränkte auch die Bedeutung der TMT als Zystektomie-Alternative bei MIBC ein: “Die Vergleichbarkeit mit der Zystektomie ist nur für hochselektierte Patienten innerhalb von Studien in den vier großen Zentren gezeigt.”

    (ms)

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    pT4 a, G 3 und CIS, sechs Zyklen Chemotherapie, Gem/Cis


    "wer kämpft, der kann verlieren; wer nicht kämpft, hat bereits verloren"

  • wolfgangm

    Hat das Thema freigeschaltet.