Vater an Blasenkrebs erkrankt

  • Hallo,


    Bei meinen Vater wurde Blasenkrebs diagnostiziert. Er wurde schon an der Blase operiert doch leider ist der krebs schon in den Muskel eingewachsen. Zudem hat er noch in die Prostata gestreut. Morgen wird ihm die Prostata und die Harnblase entfernt. Die Diagnose lautet „Hochdifferenziertes muzinöses Adenokarzinom der Harnblase„ der Arzt hat uns gesagt das die Art sehr selten und sehr aggressiv ist. Seine lymhknoten sind nicht angeschwollen. Doch bis wo der Krebs gestreut hat werden wir erst in 2 Wochen erfahren

    Hat wer Erfahrungen damit?


    Mein Vater ist 51 Jahre alt und in guter Verfassung. Bitte kann mir wer Hoffnung machen das er es überlebt

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  • Nun staune ich schon ein wenig Atlantis , dass noch niemand sich die Mühe gemacht hat um Dich zu begrüßen hier im Forum Blasenkrebs. Dies hole ich hiermit nach und möchte ein wenig zum Ablauf schildern. Das Forum wurde gegründet von Betroffenen und deren Angehörigen die sich dazu gesellten. Alles Laien wie Du und ich. Keine Ärzte, kein medizinisches Fachpersonal. Der größte Schatz über den wir verfügen sind die gesammelten Erfahrungen von mehr als dreitausend Mitgliedern und die geltenden Leitlinien für die Behandlung von Blasenkrebs.


    Einer guten Tradition folgend wäre es schon hilfreich, etwas von dem bisherigen Verlauf der Erkrankung zu erfahren wobei der Befund schon sehr eindeutig ist.


    Gruß wolfgangm

    05/2009 CIS, 02/2010 pT4 a, G 3, sechs Zyklen Chemotherapie, Gem/Cis, 08/2018 Nephrektomie rechts


    "wer kämpft, der kann verlieren; wer nicht kämpft, hat bereits verloren"

  • Hallo Atlantis , auch von mir herzlich willkommen. Wahrscheinlich wird dein Vater gerade operiert, d.h. ihm wird die die Blase und die Prostata entnommen und ein neues System zur Harnableitung angelegt. Für welches System hat er sich entschieden? Conduit (mit Beutel) oder Neoblase (ohne Beutel)? Oder Pouch (der aber bei Männern eher selten ist)? Dass er die OP gut übersteht, davon gehe ich aus, denn sie wird mittlerweile sehr häufig gemacht. Es geht in deiner Beschreibung einiges durcheinander, was die Begrifflichkeit betrifft. Von "Streuung" spricht man dann, wenn der Tumor in die Lymphbahnen oder Blutbahnen eingedrungen ist und über diese in den Körper "verstreut" wurde. Das wird vor der OP durch ein CT abgeklärt. Wenn im CT Metastasen sichtbar sind, wird erst eine Chemotherapie gemacht. Da dies bei deinem Vater nicht stattgefunden hat, sondern gleich operiert wurde, gehe ich davon aus, dass es solche Streuungen noch nicht gegeben hat, der Tumor also im besten Fall noch nicht in dem Lymph- oder Blutbahnen angekommen ist. In die Prostata, die ja gleich neben der Blase liegt ist der Tumor eher eingewachsen, ohne Streuung. Es ist also zunächst mal eine gute Nachricht, dass dein Vater heute operiert wird ohne vorhergehende Chemotherapie. Bei der OP werden Gewebeproben entnommen und dann histologisch untersucht, was ca. eine Woche dauert. Dabei wird festgestellt, wie weit der Tumor fortgeschritten ist und ob die Lymph- oder Blutbahnen betroffen sind. Wenn dies der Fall sein sollte, wird noch eine Chemotherapie angeschlossen.

    Zu der speziellen Tumorart deines Vaters kann ich nichts sagen, da kenne ich mich nicht aus. Aber es werden sich sicher noch andere zu Wort melden.

    zunächst alles Gute für deinen Vater, dass er die OP gut übersteht und wieder auf die Beine kommt. Die weitere Therapie wird sich dann ergeben.

    Viele Grüße

    Claudia

  • Danke wolgangm für die Begrüßung


    Was meinst du mit eindeutig? Wie stehen die Chancen? Ich habe so viele Fragen


    Mein Vater hatte vor der ersten OP minimale Schmerzen beim Wasserlassen. Erst nach der OP hat es angefangen mit dem Blut. Bis auf das hat er keine Schmerzen. Die Ärzte sagen das er in der Prostata ist wie kann es das auf der Diagnase pt2 minimal steht. Es ist doch PT4 wenn er schon in der Prostata ist oder nicht?


    Vielen Dank für die Antworten in voraus


    Lg

  • Vielen Dank für die Antwort Claudia

    Die Arzte haben gesagt das nur ein Beutel möglich ist das auch der Blasenhals betrifft ist.

    Mein Vater versteht leider nicht so gut Deutsch und ich kann wegen meiner Arbeit nicht zu den Besprechungen mit. Das heißt er ist nur in der Prostata eingewachsen und hat nicht gestreut.

    Wenn die Blutbahnen oder Lymphknoten befallen ist eine Heilung noch möglich?


    Lg

  • Hallo Atlantis ,

    mit eindeutig meint Wolfgang, dass klar ist, dass die Blase raus muss. T2 mindestens bedeutet, T2 oder tiefer eingewachsen.

    Hier mal ein Bild und darunter eine etwas umfangreichere Darstellung für eine bessere Einordnung:

    47-tumorstadien-jpg

    Bis T1 spricht man von oberflächlichen Tumoren und ab T2a von invasiven. Dann ist die Blasenentfernung unumgänglich.

    Weiterhin entscheidend ist, wie stark die Tumorzellen schon entartet sind von den Originalzellen. Dabei bedeutet G1 oder lowgrade, dass sie noch relativ nah am Original sind G3 oder high grade bedeutet eine starke Entfernung vom Original. Je höher das G desto aggressiver ist der Tumor.

    Außerdem wird noch geprüft ob Anschluss an das Lymphsystem L und den Blutkreislauf V besteht:

    L0 kein Anschluss, L1 Anschluss und an den Blutkreislauf V0 keiner, V1 Anschluss - wenn das gegeben ist besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit für Metastasen. Befall von Lymphknoten wird mit N gekennzeichnet z.B. N0 (0/20) bedeutet kein Knoten befallen - 0 von 20 entnommenen Lymphknoten (nur bei Blasenentfernung).

    Ein großes M drückt die Metastasierung aus, die entweder mit bildgebende Verfahren (CT, MRT) oder bei der OP festgestellt wird.

    Zuletzt noch das kleine n - das drückt den Befall von Nervengewebe aus, wieder mit n0 - kein Befall, n1 Befall.


    Es hilft jetzt nichts als warten auf die Ergebnisse der Pathologen. Erst dann wird man das Ausmaß genau bestimmen können und zuordnen können, was ist ursächlich Blase und was ist ggf. eingewachsen oder was eigenes in der Prostata.

    Das Adenokarzinom in der Blase ist sehr selten, ich denke, daher hatte sich auch noch niemand gemeldet.

    welche Chancen er hat, dazu kann niemand eine Aussage machen. Tut mir sehr leid, aber ist so. Versuch ein bisschen die Ruhe zu bewahren, damit kannst du dem Vater am besten helfen. Lies dich gern bei uns ein bisschen ein und frag gezielt, was du wissen möchtest.

    Einstweilen Gruß von Barbara

    Berliner (netzgestützte) Neoblase seit 4.9.2015 wegen BCG resistentem CIS, entdeckt 2014 durch NMP22 (IGEL beim Gyn)

    "Alles hat einen Zweck, selbst wenn es uns nur an das erinnert, was wir nicht tun sollten." Catherine Ryan Hyde

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