Darf ich mich bei euch reinmogeln? Ich weiß nicht, wohin mit mir.

  • Hallo liebes Forum,


    nach längerem stillen Mitlesen (bei den Harnableitungsthemen) habe ich mich dafür entschieden, einen Beitrag zu erstellen. Ich weiß, ich mogel mich hier etwas rein, weil ich keine Blasenkrebsproblematik habe aber ich bin mittlerweile wirklich sehr verzweifelt und meine Tage sind unfreiwillig tränenreich. Ich hoffe, die Mods sind mir nicht böse - ich weiß einfach nicht so recht, wo ich mit meinem Anliegen hin soll und ihr scheint mir an nächsten dran. Es geht um meine Blase, eine angedachte Zysektomie und die Wahl der Harnableitung.


    Zu mir, ich bin f(33), schlank, Nichtraucherin, habe eine unklare Autoimmunerkrankung (mit vielen chronischen Entzündungen im Körper - Bronchien, Augen, NNH) und bin seit 11 Jahren mit einer schweren Interstitiellen Cystitis am Kämpfen. Ich gehe nachts zwischen 8 und 16 mal auf Toilette und insgesamt zwischen 30 und 60 mal am Tag. Leider hat es bei mir 9 Jahre bis zur Diagnose IC gebraucht und in der Zwischenzeit ist meine Blase so "ruiniert", dass weder Botox (2x), Neurostimulation (8 Wochen), EMDA (hat etwas geholfen aber nach 10 Behandlungen Blasenruptur mit Ursosepsis) und 60 Stunden Hyperbare Sauerstofftherapie in einer Druckkammer etwas gebracht haben.


    Ich bin sozial, beruflich und überhaupt in allen Bereichen meines Lebens so eingeschränkt, dass ich auch aufgrund meines psychischen Zustands mit der Idee warm geworden bin, die Blase entfernen zu lassen. Mein Problem ist jetzt: Ich weiß nicht so recht, welche Harnableitung für mich in Frage kommt und alle Informationen der Chirurgen laufen darauf hinaus, dass das was die jeweiligen Ärzte operieren auch direkt die beste Methode ist. In der Selbsthilfegruppe sind alle furchtbar nett - aber die eigene Form der Harnableitung ist die Beste.


    Insbesondere in der Selbsthilfegruppe bin ich (unabsichtlich) super stark verunsichert worden. Nicht, weil die unfreundlich oder so waren - tatsächlich fand ich die Gruppe mega lustig und nett, trotz des doch sehr großen Altersunterschieds. Mir geht es darum, dass das KH mir zu einem Urostoma geraten hat. Soweit, so gut. Ich habe viele Sorgen und Ängste (kann ich normal meine Jeans tragen, kann ich normal Sachen heben - 10 kg sind für mich beim Einkaufen eher ein Witz, mein Hernienrisiko wegen meiner Bronchitis und dem Abhusten) - aber hey, ich konnte mich mit dem Gedanken anfreunden. Beutel dran und durch wurschteln klingt erstmal nicht so tragisch und wie es am Ende tatsächlich wird kann mir keiner ohne Glaskugel wirklich sagen - also habe ich mir ärztliche Zweitmeinungen (auch in Hernienzentren) eingeholt bzw. stehen noch aus und war mit der Entscheidung so langsam halbwegs "gar". Natürlich ist es schade, dass ich mich mit so wenig Leidensgenossinen in meinem Alter austauschen kann - nichts gegen "Lebensältere", aber ihr wisst ja, man steht oft an unterschiedlichen Stellen im Leben und während einige sehr darauf achten (müssen) auch auf Business-Meetings adrett gekleidet zu sein, ist das für andere nicht (mehr) in gleichem Maße relevant und die bequeme Schlupfhose geht auch total klar.


    In der Selbsthilfegruppe wurde mein liebäugeln mit dem Stoma meines Empfindens nach aber dann eher mit Unverständnis begegnet. Vor allem zwei Frauen mit dem Mainz-Pouch und ein (ehemaliger?) Arzt sagten, dass der Pouch viel besser als das Stoma ist und sie damit super klar kommen. Keinesfalls direkt Stoma, lieber erst Pouch und wenn das nicht klappt Stoma. Und ja, ich sehe schon auch, dass man dann keinen Beutel am Bauch hat und das Katheterisieren wohl (laut deren Aussage) irgendwann gut klappt. Die Ladies leben z.T. schon über 10 Jahre gut damit und das hat mich sehr gefreut zu hören. Mein Arzt im Krankenhaus meinte jedoch, Neoblase wäre aufgrund der Möglichkeit, dass die IC-Symptomatik erhalten bleibt nicht ratsam (scheinbar ist das nicht so? Scheinbar haben viele IC-Patienten eine Neoblase/Pouch?) und ein Pouch sei für mich doof, weil ich bin ja gebärfähig (mein ausdrückliches Bekenntnis zur Kinderlosigkeit wurde, wie so oft bei Ärzten, natürlich ignoriert). Die Uroschwester war direkt sehr kritisch, weil Pouch/Neoblase mehr Komplikationen haben kann. Die Stomaschwester findet Urostoma/den Beutel schlicht praktischer im Alltag. Meine Bedenken aber waren eher hinsichtlich meiner (unklaren) Grunderkrankung, ich habe ganz viele entzündete Schleimhäute und mein Darm ist quasi das einzige Organ, dass so gar keine Schwierigkeiten macht. Ich denke, dass ich deswegen so wenig wie möglich und so viel wie nötig daran manipulieren sollte. Ich habe die Sorge, das meine Grunderkrankung sich mit großen Eingriffen am Darm noch schlechter dreht als eh schon. Dieses Argument wird aber so gar nicht gehört. Stattdessen ist der Pouch - zumindest habe ich das so rausgehört - laut zufriedenen Pouchies das Rundum-Sorglos-Paket, dass insbesondere für mein Alter die allerbeste Lösung ist. Das Stoma hingegen wurde mit Argumenten in der Art (sinngemäß - bitte - es klingt alles gemeiner, als es gesagt wurde) "Wenn du eine Pflasterallergie hast oder bekommst, hast du ein großes Problem", "Mit dem Pouch habe ich seit X Jahren halt wIrKLiCh keine Probleme" und "Das würde ich nicht machen, wie willst du so (entstellt?) einen Partner finden/Sex haben können" begegnet. Nochmal, es war niemand unfreundlich und jeder wollte nur mit seiner Sichtweise bestmöglich helfen. Nichtsdestotrotz hat mich z.B. der Verweis auf - ich sag es jetzt mal konfrontativ - weniger "fuckability" doch sehr befremdet. Dennoch klang der Pouch mit seinen Eigenschaften nun auch sehr "verlockend" (schwierig, hier die passenden Begriffe zu finden).


    Der Gruppenleiter war sehr nett und hat immer wieder klar gestellt, dass ich mich zu nichts drängen lassen soll. Das es meine Entscheidung ist und er mir hilft, weitere Informationen zu sammeln (zum Für- und Wider eines Pouch) und ich dann entscheiden soll, wie es sich für mich richtig anfühlt. Scheinbar hatte er mitbekommen, wie sehr ich mich überfahren gefühlt habe. Auch die anderen Frauen (vor allem die mit Urostoma) waren etwas entspannter und haben mein inneres Ringen verstanden. Einig waren sich nur alle darin, dass ich unglaublich viel Leben und Lebensqualität zurückbekomme, wenn ich die Blase entferne.


    Naja, jetzt habe ich so viel geschrieben, um zu sagen: Ich sitze jetzt hier, sehe die vielen tollen Vorteile eines Mainz-Pouch und denke mir "vielleicht doch ein Pouch, könnte ja klappen, vielleicht ist das mit dem Darm und meinem merkwürdigen Immunsystem nicht so tragisch, vielleicht kann ich damit auch prima noch 40 Jahre leben, bei anderen klappts ja auch und das obwohl die viel älter sind oder sogar mit einer Krebserkrankung kämpfen mussten". Meine ursprüngliche "Entscheidung" zum Stoma fühlt sich aber auch immer noch richtig an? Ich habe mich nur plötzlich wie ein Alien gefühlt, weil ich die Veränderung des Körperbilds zwar als gewöhnungsbedürftig aber machbar und nicht so schlimm eingeschätzt habe. Weil ich mir dachte, "naja, kleinerer Eingriff, weniger managen (vorallem nicht regelmäßig katheterisieren), DURCHSCHLAFEN und wenn ich Männer treffe, die damit nicht klar kommen, würde ich sagen: Reisende soll man nicht aufhalten". Ich bin Ingenieurin, ich mag es funktional, praktisch und wartungsarm. Aber ich bin auch "nur" eine Frau und will natürlich auch hübsch, attraktiv, selbstbewusst und "liebenswert" sein. Und jetzt habe ich irgendwie die Sorge, dass man mit 33 Jahren und freiwilliger Entscheidung zum Stoma mehr merkwürdig, unattraktiv und eingeschränkt ist als alles andere. Das meine vielleicht-Entscheidung nicht logisch wäre und ich mir mit einem endständigen Stoma die Option auf einen viel "besseren" Pouch verbaue. Aber erst Pouch und dann Stoma scheint mir auch nicht klug zu sein, weil immer mehr gesunder Darm darunter leidet.


    Ich weiß auch gar nicht, was ich euch fragen möchte. Es ist meine Entscheidung, es sind meine Konsequenzen und die Sicherheit, die ich mir wünsche kann mir niemand geben. Es hilft mir - wie ich gerade feststelle - schon, das alles aufzuschreiben und meine Gedanken zu ordnen. Vielleicht ist mir nur wichtig, mich auch mal mitzuteilen - in einem Rahmen, in dem ich alle Gedanken unterbringen kann, ohne unterbrochen zu werden. Ich wünsche mir sehr, eines Tages einen Rucksack zu packen und dann für zwei Wochen allein einen Wanderurlaub im Harz machen zu können - weit weg von allem. Ich will endlich mal meine Ruhe haben. Schätze ich will auch endlich wieder eine Form von Freiheit. Ich hab nur nicht damit gerechnet, dass diese Entscheidung trotz meines Leidensdrucks so so hart und beängstigend wird. Ich weiß einfach nicht, was ich jetzt machen soll. Je mehr ich grüble, desto schlimmer werden meine Sorgen, Ängste und die Traurigkeit ob dieser schwierigen Entscheidung.


    Vielleicht ist meine Frage: Ist es in meinem Alter dumm, ein Urostoma zu nehmen, wenn man einen Pouch haben kann? Vielleicht habt ihr Gedanken und etwas Input für mich. Falls nicht, bedanke ich mich trotzdem für das Lesen von so viel Text.

  • Grüß Dich LeMoix ,


    sei herzlich willkommen in diesem Forum, in das Du Dich nicht reinmogeln musst, denn Dein Anliegen, Deine Gedanken und Ängste sind die, die uns hier alle beschäften und beschäftigt haben. Du bist also genau richtig😊 Wir alle hier sind keine Ärzte, sondern Betroffene und deren Angehörige, woraus sich ein großer Erfahrungsschatz ergibt.


    Du bist 32 Jahre alt, ein junger Hüpfer sozusagen, was Blasenersatz bzw. Ableitung betrifft. Umso mehr kann ich all Deine Überlegungen und Abwägungen nachvollziehen und jede einzele davon ist für sich richtig. Nun ist der Körper ein Gesamtkonzept, alles läuft ineinander und hängt voneinander ab. Da Du schon andere gesundheitliche Probleme hast, muss bei der Wahl der Ableitung dies mit einbezogen werden. An Deiner Stelle würde ich eine UniKlinik aufsuchen, die interdisziplinär arbeitet, so dass die Ärzte Informationen bündeln und daraus ein gangbares Konzept für Dich erarbeiten können. Übrigens: Bei allen 3 Ableitungsvarianten wird Darm verwendet. Am wenigsten davon benötigt das Stoma.


    Ich kann Dir kurz und knapp meinen persönlichen Erfahrungsbericht an Dich weitergeben: Ich wurde mit knapp 60 Jahren operiert. Habe eine Neoblase. Ich wurde per DaVinci operiert, war ohne größere Komplikationen 14 Tage in der Klinik und bin eine Woche nach Entlassung in die AHB. Dort wurde ich so gut gepeppelt, dass ich nahezu kontinent (tagsüber) nach Hause kam. Heuer sind 5 Jahe seit OP vergangen und ich führe mein Leben quasi wie zuvor. Sicherlich bin ich keine Sportskanone, ich muss auch nichts Schweres von A nach B bewegen. Aber ich nehme am Leben teil wie eh und je, schwimme, fahre Rad und vieles mehr.


    Es werden sich hier noch viele Mitglieder melden. Alles Gute für Dich.

    Gruß Getuli

  • Hallo LeMoix,
    Du bist hier doch genau richtig. Wenn ich dich richtig verstehe, möchtest du eigentlich ein Stoma, bist aber unsicher, ob es wirklich das richtige ist. Also eins ist mal klar: im Grunde findet jeder die Ableitung am besten, die er selber hat. Und das ist ja auch gut so, man soll mit seiner Entscheidung zufrieden sein. Wenn ich es richtig verstehe, möchtest du die Auswirkungen auf den Darm minimieren, um da nicht noch ein Baustelle aufzumachen. Das alleine spricht natürlich schon sehr für das Stoma. In "meinem" Spital war die Auswahl nur Neoblase oder Stoma. Sie haben gesagt, Pouch machen sie nicht mehr, weil es zu viele Komplikationen gegeben habe. Aber es scheint, dass das irgendwie regional unterschiedlich ist und es muss wohl auch Spitäler geben, die das mit dem Pouch gut hinkriegen. Du hast mit Stoma nicht nur den Vorteil, dass weniger Darm entnommen wird, sondern auch dass du alle Probleme umgehst, die wegen der längeren Verweildauer vom Urin im ehemaligen Darm und der damit verbundenen Wiederaufnahme von zur Ausscheidung vorgesehenen Stoffe, entstehen können. So gesehen ist "technisch" das Stoma erstmal klar im Vorteil. Aber natürlich äusserlich sieht es anders aus und du hast die Geschichte mit den Beuteln sowie eine Schwachstelle in der Bauchwand, die ein Risiko für ein Hernie darstellt. Aber ich glaube das Risiko ist jetzt auch nicht sooo hoch, wenn man vernünftig bleibt. Ich habe selber über 50 Jahre mit einer Bauchnabel-Hernie gelebt, bevor sie operiert werden musste. Unh habe mit ihr relativ intensiv Krafttraining betrieben, also weit über 100kg gehoben, bis es dann halt nicht mehr ging. Jetzt mit Neoblase kann ich das auch wieder und das war bei mir persönlich ein dicker Pluspunkt für Neoblase.
    Lass dir einfach zeit mit der Entscheidung und lass sie gut reifen.

  • Liebe LeMoix,

    ich finde es toll, wie Du an die Entscheidung herangehst - nämlich von Deinem Standpunkt aus und nur von Deinem Standpunkt aus. Selbstverständlich solltest Du Dich mit allen Ableitungsmöglichkeiten beschäftigen und Dich informieren, aber die Entscheidung musst Du für Dich, Deinen Körper, Deine Vorlieben, Deine Abneigungen und Deine Gesundheit treffen. Das Alter spielt dabei in meinen Augen eher eine untergeordnete Rolle. Und die Meinung anderer auch.

    Ich habe ähnlich wie Du zahlreiche Probleme mit Autoimmunerkrankungen der Haut, der Augen, der Gelenke, früher auch noch Reizdarm. Insofern kann ich Deinen Gedankengang gut nachvollziehen und ich habe mich für die Ableitung entschieden, die in meinen Augen am wenigsten in den Körper eingreift, das Urostoma.

    Zu Deinen Fragen: Ich trage gerne enge, figurbetonte Kleidung und muss oft beruflich vor größeren Gruppen sprechen. Das ist überhaupt kein Problem, niemand in meinem Job weiß vom Urostoma und käme auch im Traum nicht darauf. friederike hatte als leidenschaftliche Salsa-Tänzerin ebenfalls Sorge, dass man etwas sieht, ist aber nicht so.

    Auch beim Sport und beim Reiten sieht man nichts, bevor ich in den Übungsraum gehe oder aufs Pferd steige, wird der Beutel noch mal schnell geleert. Und schnell heißt schnell - Männer pinkeln deutlich länger ;)

    Wenn Du eine körperliche Grundfitness hast, kannst Du die mit dem Beutel auch problemlos behalten. Allerdings sollte man wegen der offenen Bauchdecke darauf achten, regelmäßig zu trainieren, damit die Core-Muskulatur auch erhalten bleibt. Ich hebe heute, fünf Jahre nach der OP mit regelmäßigem Training ohne Probleme 15 Kilo, mit Sorgfalt auch 20 Kilo. Am Anfang muss man vorsichtig sein.

    Ich hatte anfangs erhebliche Probleme mit einer (vermeintlichen) Pflasterallergie. Ich habe mehrere Wochen, fast schon Monate gebraucht, um Beutel zu finden, die bei mir keinen Juckreiz - und zwar am gesamten Oberkörper! -ausgelöst haben. Meine Stomaberaterin war schon fast verzweifelt. Inzwischen weiß ich, dass ich keine ursächliche Pflasterallergie hatte, sondern eine Autoimmunerkrankung der Haut, die durch die Beutelpflaster massiv getriggert wurde. Erkannt wurde das erst im vergangene Jahr. Ich habe auch so einen guten Weg mit verschiedenen Lotionen und für den Notfall Cortison-Lotion gefunden. Heute kann ich gut damit umgehen, die Haut hat sich völlig beruhigt.

    Nackt finde ich den Beutel natürlich nicht so schön. Ich mochte meinen Körper ohne Plastik lieber. Aber da ich - genau wie Du es beschreibst - auf "praktisch, quadratisch, gut" stehe und mir der Krebs keine Alternative ließ, bin ich sehr froh über mein Urostoma. Es ermöglicht mir eine gutes Leben. Ich kann durchschlafen (allerdings nur mit einem ultrahässlichen großen Bettbeutel, der würde mich in Deinem Alter bestimmt stören), muss mir keinen Kopf machen. Und ich habe mich völlig daran gewöhnt. Gehe inzwischen auch an den FKK-Strand. Reise. Lebe.

    Das passt für MICH. Weil ich eine Aversion gegen das Kathetern hatte und einen totalen Horror vor Inkontinenz beim Sport mit Neoblase. Ich habe lange über den Pouch nachgedacht, hatte aber z.B. Angst, irgendwann nicht mit dem Katheter reinzukommen. Leider wurde mir das bei einer Zweitberatung beim UKE Hamburg (top für Pouch-OPs) auch bestätigt, dass die Sorge berechtigt sei. Völlig irrational vielleicht, aber meine Sorgen. Du hast vielleicht andere? Neben der starken und nachvollziehbaren Sorge um Deinen Darm?

    Ich glaube, Du hast schon ein gutes Bauchgefühl. Was aus meiner Sicht gegen das Urostoma bei jemandem Deines Alters spricht, ist der Bettbeutel. Den muss man in Kauf nehmen, wenn man durchschlafen will. (Du kannst natürlich auch einmal nachts aufstehen, dann brauchst Du ihn nicht.) Eine Pflaster-Intoleranz könnte bei jetzt schon vorhandenen Hautproblemen natürlich auch auftreten, aber ich glaube, die könntest auch Du gut in den Griff bekommen.

    Ich hoffe, ich konnte Deine Sorgen in Bezug auf das Urostoma ausräumen. Wenn Du Fragen hast, frag' gerne. Ob das Urostoma allerdings wirklich das richtige für Dich ist, kannst allein Du entscheiden. Du wirst hier bestimmt auch noch von begeisterten Neoblasen- und Pouch-Frauen hören. Vielleicht Rutschgi ? Sie war nur wenige Jahre älter als Du, als sie sich für den Pouch entschieden hat. Es gibt noch zwei weitere von IC betroffene und junge Frauen hier in der Gruppe, allerdings habe ich ihre Namen nicht parat.

    Drücke Dir die Daumen für eine gute Entscheidung!

  • Liebe LeMoix, da Feuerpferd mich in ihrem Post erwähnt haT, fand ich deinen neuen thread.

    Das mit den Ableitungen ist wirklich eine heftige Entscheidung. Mandelauge hat eine Neoblase, wie sie selbst schreibt, eine perfekt gebaute. Vielkeicht fragst du sie mal, wo das stattgefunden hat. Bei der weiblichen Anatomie muss man wohl anders bauen.

    Für mich wäre eine Neo nicht in Frage gekommen, denn sie belastet die Nieren. Hat man gesunde, ist es kein Problem. Sind sie vorgeschädigt, besser Urostoma.


    Durchschlafen ist mit Urostoma möglich, weil man den Beutel, der auf dem Körper klebt, abends mit einem Schlauch zu einem größeren verbindet, der von Feuerpferd erwähnte hässliche Nachtbeutel. Der liegt dann neben dem Bett. Ist jetzt für Schäferstündchen alles nicht so doll. Es gibt hübsche Spitzengürtel die den KörperBeutel verdecken. Aber irgendwann sagt man: "Gute Nacht, Schatz, ich klemme jetzt den Nachtbeutel an." Das muss man einkalkulieren.


    Ich weiß von jungen Menschen mit Stoma auf Grund von Morbus Crohn, dass sie auf Liebesleben nicht verzichten. Es gibt sehr attraktive Menschen, die sich auf Insta (ich nutze das alles nicht, nix von Meta) mit ihren Stomas präsentieren und Vorbild sein wollen.


    Mein Rat: Eine Stomaberaterin kontaktieren, sich das alles erklären lassen, die kommen um bei der Entscheidjngsfindung zu helfen. (Sanitätshäuser, Krankenhäuser haben solche ausgebildeten Leute oder Versorger fragen, wie z.B. GHD oder Prolife), Beutel aufkleben, gucken, wie deine Haut reagiert, wie es für dich aussieht, sich anfühlt. Nachtbeutel auch zeigen lassen. Manche haben sogar ein klenes Plastikstoma dabei, also so ein rundes, rotes Ding, wie es später aus deiner Bauchdecke gucken würde, damit man es sich vorstellen kann. Meines heißt La Fresa. Die Erdbeere.


    Gleichzeitig gucken, wo viele Neoblasen Ops gemacht werden, notfalls ein paar Hundert km fahren. Dort beraten lassen. Wenn der Beckenboden gut ist und das Training in der AHB gut geklapot hat, sind Neoblasen oft nach wenigen Wochen wie die eigene, in deinem Fall besser. Du bist jung, da bauen Muskeln gut auf. Nierenwerte checken! Fachärzte dafür heißen Nephrologen.


    Pouch wird leider nur noch selten operiert, (wahrscheinlich weil die Neos immer besser werden) entsprechend ist die Nachsorge bei evtl. Komplikationen manchmal kompliziert.


    Mit welchen Nachteilen könntest du am besten leben. So muss die Frage lauten. So wie du deine Blase schilderst, ist alles besser als das. Viel Glück!!!

  • Liebe LeMoix


    Dank an friederike und auch von mir noch ein verspätetes, aber sehr herzliches Willkommen. Hach ja, um die "beste" Ableitung bzw. die Vor- und Nachteile der Möglichkeiten wird oft mit mit harten Bandagen gekämpft. Mir etwas unverständlich, da die Entscheidung hochgradig individuell ist und dann auch von Fall zu Fall Gründe für und gegen bestimmte Ableitungen sprechen. Nicht zuletzt empfinden Patienten Vor- und Nachteile als unterschiedlich gravierend. Eben individuell.


    Ja, ich habe eine wirklich perfekte Neoblase und ja, das hängt u.a. mit einem Netz unter der Blase (Berliner Neoblase) und dem Erhalt der Gebärmutter zusammen. Ich kann Dir diesbezüglich viel erzählen und Kontakte zu sehr guten Ärzten hier in Berlin vermitteln.


    Ich bin mir aber gar nicht so sicher, ob das für Dich zielführend ist. Ich kenne mich leider nicht gut damit aus, hätte aber Sorge, ob bei dem möglichen Leben ganz nah am jetzigen nicht das Thema IC bestehen bleibt: Zum einen, weil Harnleiter und Harnröhre bestehen bleiben und diese mit Urothel ausgekleidet sind wie die Blase und zum anderen, ob nicht der Körper die Schmerzen auf die neue Blase überträgt (wie chronische Schmerzen oder Phantomschmerz). Hattest Du hierzu was gehört?
    Zum anderen finde ich Dein Argument bezüglich des noch so unbelasteten Darms bestechend. Es gibt bei Neoblasen nunmal manchmal Probleme bei bestimmten Lebensmitteln (Blitzdurchfall und Blitz meint Blitz). Davon bin ich auch verschont geblieben, aber es kann auftreten.


    Bezüglich Pouch musste ich auch sofort an Rutschgi denken, vielleicht meldet sie sich noch.


    Frag gern alles was Du wissen möchtest und liebe Grüße

    Mandelauge

    Nach pT2b pN0 pL0 pV0 R0 (lokal) G3, glückliche und stolze Besitzerin einer Neoblase nach Hautmann, perfekt gebaut von Prof. Magheli in Berlin

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