pT2a, später cT4; Blasenerhalt durch Teilentfernung (1/3), danach RCT

  • Hallo, liebe Leidensgefährten,


    da es in diesem Unterforum auch um Teilentfernung der Harnblase gehen soll, stelle ich meinen persönlichen gekürzten und leicht aktualisierten Erfahrungsbericht aus dem Radiochemotherapie-Forum hier ein, weil kaum ein Patient, dem eine Totalentfernung der Harnblase ins Haus steht, nach evtl. anderen Lösungen des Krebsproblems sucht, obwohl das durchaus angebracht und zu empfehlen wäre.


    Einen Erfahrungsbericht hier im Forum zu einer Blasenteilentfernung schein es auch noch nicht zu geben, daher mein Enschluss, den Bericht auch hier einzustellen.


    Wenn es in meinem Fall auch zuerst nur um die Möglichkeit einer RCT zum Blasenerhalt ging, wurde daraus dann doch eine Teilentfernung der Harnblase um 1/3.


    Mein Weg:
    Blasenkrebs-Diagnose (Nov. 2005, pT1 G2-3 und 1.TUR) .


    Unter dem Schock der Diagnose Blasenkrebs saß ich anfangs nächtelang am Computer, an Schlaf war nicht zu denken, und suchte in Foren, diversen Klinikseiten und sonstwo Antworten auf die Frage: Wie nun weiter? - und las in der Folgezeit auch einige sehr informative Broschüren der Deutschen Krebshilfe, vor allem auch zur „Strahlentherapie“.


    Schon im Januar 2006 sollte die Blase raus („wenn ich auf Dauer geheilt werden wollte“), so mein damaliger Urologe.
    Das lehnte ich ab, weil ein Danach mit Neoblase oder einer anderen Ersatzlösung für mich der totale Horrorgedanke war und auch noch ist, den ich für mich unter keinen Umständen akzeptieren wollte und kann.
    Lebensqualität stand und steht für mich eindeutig vor Lebensdauer.


    Nach einer Beratung durch einen Chirurgen der Urologie unseres Klinikumsund auch vereinzelt gefundenen positiven Erfahrungen im Internet zu Möglichkeiten der Strahlen- und Chemotherapie stand für mich eindeutig fest, dass ich auf meine Harnblase unter keinen Umständen verzichten werde, auch unter Akzeptanz aller sich evtl. daraus ergebenden negativen Konsequenzen.


    So folgten dann 12x Instillationen mit Mitomycin bis November 2006 und zwischenzeitlich 5x TUR (ca. alle 2 Monate) wegen dauernder Bindegewebswucherungen an den 2 OP-Stellen, die bei den immer vorhergegangenen Zystoskopien nicht als gutartig zu erkennen waren.


    Im Juni 2007 dann erneute Krebsdiagnose und TUR (pT2a,G 3) mit der dringlichen Empfehlung , die Blase doch entfernen zu lassen (entsprechend der statistischen Prognose über Heilungsaussichten).


    Während meiner vielen TURs hatte ich mich schon in der Strahlenklinik unseres Klinikums nach dortigen Möglichkeiten und Heilungsaussichten informiert und für mich entschieden: Das wird mein Weg, diesen kann ich akzeptieren und mich mental voll für eine erfolgreiche Behandlung motivieren.


    Am 27.8.2007 also Einzug in die Strahlenklinik zur Radiochemo-Therapie.


    Am dritten Tag glücklicherweise zur Sicherheit noch ein MRT mit dem Ergebnis, dass der Krebs nicht nur innerhalb, sondern pflaumengroß (cT4) auch außen an der Vorderwand der Blase saß (ohne Infiltration anderer Organe) und ein Bestrahlungserfolg fraglich erschien.
    (Im CT war der Außentumor nicht sichtbar gewesen, warum auch immer.)


    Empfehlung: Zumindest eine Teilresektion der Blase versuchen (ca.1/3 ) , danach Strahlen- und Chemotherapie wie geplant.
    Das war für mich akzeptabel.


    Falls die OP sich so als nicht ausführbar herausstellen sollte, war der Abbruch der OP vereinbart und sollte nur die Radiochemo-Therapie durchgeführt werden..


    So geschah es dann.
    - 18.9.2007 Blasenteilresektion gelang, keine feststellbaren Metastasen.
    - 9.-25.10. und 5.-16.11.2007 Strahlen- und Chemotherapie (Cisplatin/Carboplatin)


    Die Nebenwirkungen der Chemo (obwohl noch eine relativ harmlose gegenüber anderen) während und bis ca. 3 Monate nach der Behandlung waren recht erheblich, sehr unangenehm, aber doch aushaltbar.
    Gleiches gilt für die recht heftige Enddarmentzündung während und nach den 30 Bestrahlungen.


    Aber das ist jetzt alles vergessen, dank einer Klinik mit großartiger Urologie und Strahlenklinik und sehr kompetenten Ärzten und Schwestern.
    Ich habe mich dort, abgesehen von den Umständen, immer sehr wohlgefühlt.


    Parallel zur geschilderten Behandlung habe ich Ende Mai 2008 meine zweite 12-wöchige Mistel-Spritzkur (Lektinol von Madaus) beendet, die mir beide auf meine Nachfrage hin verordnet wurden und von der Barmer-Krankenkasse auch anstandslos bezahlt wurden.


    Man muss aber nach solchen Dingen und ergänzenden Therapie-Möglichkeiten fragen und je besser man informiert ist, umso besser ist man dazu auch in der Lage.


    Seit Sommer 2007 war ich außerdem beim Heilpraktiker (Immunsystem-Stärkung ) in Behandlung. Das wurde im Sommer 2008 beendet.


    Mein bisheriges Ergebnis:
    Mir und meiner Harnblase geht es bestens.
    Obwohl ein Drittel der Blase fehlt, hat sie sich inzwischen gedehnt und es gibt keinerlei anfängliche Beeinträchtigung (Harndrang) mehr.
    Sie ist voll funktionsfähig. Ich muss nachst nicht raus und bin nach wie vor dicht.


    Die bisherigen Kontrollbefunde (halbjährliche Zystoskopien und ebensolche MRT) sind bisher in Ordnung und ich hoffe, dass es so bleibt.


    Wenn nicht, dann haben sich für mich bis jetzt zumindest diese 4½ Jahre mit einer nach wie vor voll funktionsfähigen Blase gelohnt, egal, was da evtl. noch kommen und sich entwickeln könnte.


    Ohne Wenn und Aber : Ich würde alles noch einmal wieder genau so machen.


    Was sagte mir mein Klinik-Chirurg in der ersten Begegnung 2005:
    Entscheiden Sie sich für die Therapie, mit der Sie sich identifizieren können und das machen wir.


    Abgerechnet über Erfolg oder Misserfolg einer Therapie wird sowieso erst am Ende, evtl. auch gegen die Statistik und allgemeine Standard-Therapie.


    Dieser Standpunkt war es, der mir die ganze Zeit die nötige Zuversicht und den Optimismus gab und gibt.


    Es gibt eben nicht unbedingt nur den einen Weg = Blasenentfernung. Die Therapiemöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren sehr erfolgversprechend erweitert. Man muss sich nur etwas informieren.


    Für mich war und ist es grundwichtig , mich so umfassend wie möglich allseitig zu informieren und auch dadurch zu wissen und zu entscheiden, was ich letztendlich will und was auf keinen Fall.


    Ich muss auch sagen, dass ich im Klinikum Frankfurt(Oder) nur verständnisvolle Ärzte hatte, die nach Aufzeigen der Risiken immer sagten: Wenn Sie das so wünschen, dann machen wir das so, wenn es machbar ist, wenn es auch nicht gerade unsere Standard-Methode ist.
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    Vielleicht kann ich mit diesem Bericht, dieser Erfahrung jemandem Mut machen, für den eine Blasenentfernung auch ein nicht vorstellbarer und nicht akzeptierbarer Weg ist.


    Über den weiteren Verlauf will ich hier gerne weiter berichten.


    Ich bin übrigens inzwischen 69 Jahre alt und die Befunde sind bis jetzt alle OK.


    Sollte es evtl. Fragen geben, beantworte ich sie gern.


    Gruß Ebs

  • Mist !


    Wollte noch die Zwischenräume verringern - nicht möglich. die Bearbeitungsmöglichkeit ist völlig unbrauchbar, weil zu kurz.


    Gruß Ebs



    Hallo Ebs,


    ich habe, Dein Einverständnis voraussetzend, diese Zwischenräume ausgeräumt :grinsen:
    Eckhard

  • hallo Ebs
    auch ich hatte mich für eine Blasenaugemantation 2007 entschieden. Leider kollabierte der Darmlappen und entfalltete sich nicht. Deshalb enstschloss ich mich zum Mainz Pouch I.

    :rolli: Krümelchen
    Tetraplegikerin seit 1990, Mainz Pouch I seit 2007

  • Hallo Krümelchen,


    bei mir handelte es sich nicht um eine Vergrößerung der Blase (Blasenaugemantation), sondern nur um eine Teil-Zystektomie (Verkleinerung zur Krebsentfernung).


    Gruß Ebs

  • Hallo Ebs, ich glaube ich hatte Dir schon einmal zu Deiner erfolgreichen Therapie gratuliert. Wenn man wirklich alles auf eine Karte setzt (und das hast Du letztendlich ja bei einem pT2a G3) getan muss man
    nicht nur ein bisschen, sondern einen großen Haufen Glück und 3 Schutzengel dazu haben. Zum Glück standen Dir diese alle zur Seite.
    Von 11/2005 bis Ende 2007, runde 2 Jahre durch das Tal der Tränen zu gehen, immer Zittern und Bangen, Chemo, Strahlenschäden, dazu gehören Nerven wie Drahtseile. Nun, Du hast es höchstwahrscheinlich geschafft, mußt aber zugeben das es nicht einfach war (das liest man aus Deinem Bericht) und es wird auch nicht jedermanns Sache sein.


    Und deshalb, weiter so, Glückwunsch.


    Gruß Rainer

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