Berliner Neoblase, kontinenzerhaltender, orthotoper Blasenersatz nach radikaler Zystektomie bei Frauen

  • Die Berliner Neoblase, wie die Methode genannt wird, mit der im Berliner Kontinenzzentrum bei Frauen nach radikaler Zystektomie eine orthotope Ileum-Neoblase angelegt wird, erfüllt obige Anforderungen voll und ganz.
    Denn das gewählte, methodische Prinzip sieht vor, nach der Blasenentfernung (Orientierung siehe Abb. 1) ein spannungsfreies Interponat zwischen Scheidenstumpf und Ligamentum flavum einzubringen (Abb. 2).
    Die Ileum-Neoblase wird dann, so wie es Hautmann angibt, gestaltet und orthotop auf dem Netzimplantat positioniert. Die Fixierung des stützenden Netzes am Zwischenbogenband des Steißbeins, etwa ein bis zwei Zentimeter am Ligamentum flavum unterhalb des Übergangwirbels und dann am Scheidenstumpf sichert die Neoblase vor einem Absenken ins kleine Becken und verhindert das Abknicken der Harnröhre (Abb. 3). Beckenbodenrekonstruktion und Anlage der Ileum-Neoblase erfolgen nach dem Ablaufschema der „Berliner Neoblase“ in nur einer Operation.

    Kennzeichnend für den komplexen Operationsmodus ist das schonende Anheben des Blasenbodens mit alloplastischem Material, was ein unzulässiges Abknicken des Blasenhals-Blasenboden-Winkels verhindert und somit eine Überlaufsymptomatik und Beckenbodenfehlfunktion ausschließt.
    Für die meisten Patientinnen ist zudem der Erhalt einer intakten Scheide sehr wichtig.
    Es soll damit ein Stumpfvorfall der verbliebenen Scheide verhindert werden und dadurch die sexuelle Sphäre mittel- bis langfristig bewahrt werden.
    Postoperative Blasenentleerungsstörungen sowie eventuelle negative gynäkologische Aus-wirkungen werden minimiert. Sekundäre Folgeeingriffe werden nicht erforderlich.


    Als Implantatmaterial hat sich ein extraleicht gewichtiges, titanisiertes Netz-implantat für Weichgewebe (TiLOOP® 16 g/m2) bei bisher 86 Ileum-Neoblasen-Operationen gut bewährt.
    Von hohem klinischem Wert ist die Oberflächenveredelung dieser Polypropylon-Netze durch Titanisierung der Faseroberflächen, weil in dem operativen Hochrisikobereich die Fremdkörperreaktion deutlich vermindert und das Entzündungsrisiko minimiert wird. Das konnten wir tierexperimentell für diese Implantatnetze nachweisen .


    Keine Probleme mehr mit Inkontinenz oder Hyperkontinenz ...
    ... belasten die Patientinnen dank der verbesserten Statik des Beckenbodens.
    Die guten Kontinenzergebnisse werden durch die annähernde Kugelform der gestützten Ileum-Neoblase physikalisch plausibel.
    Dennoch gibt es weitere Ansätze für methodische Verbesserungen. Nach Hinweisen von Hautmann, dem diese Methodik in praxi vorgeführt wurde, könnte die Verbesserung der Anastomose von Neoblase und Harnröhre eventuelle Kontinenzprobleme weiter minimieren.
    Bei Frauen ähneln die Probleme, welche sich aus der Konfiguration der Anastomose der Neoblase am Blasenhals ergeben, denen bei Männern.

    Die bisherigen Ergebnisse ...
    ... zeigen, dass 72 von 86 der operierten Frauen langfristig kontinent waren und keine einzige über eine Hyperkontinenz klagte, die eine Selbstkatheterisierung erfordert hätte.
    Neun Frauen berichteten über eine Belastungsinkontinenz Grad I (stress urinary incontinence; SUI I) (Harnverlust bei Husten, Pressen, Niesen, schwerem Heben) und fünf über eine SUI I–II.
    Darüber hinaus berichteten alle Patientinnen, dass sie sich nach wie vor als Frau fühlten und bei den meisten war der Geschlechtsverkehr nach der Operation körperlich nicht beeinträchtigt und bei allen nach wie vor möglich.
    Bei den bisher behandelten 86 Patientinnen fand dieses Verfahren insgesamt eine recht hohe Akzeptanz.


    Zusammenfassend ...
    ... kann festgestellt werden, dass das mit der „Berliner Neoblase“ angestrebte Therapieziel, der Patientin bei einer onkologisch stadiengerechten radikalen Zystektomie mittels kontinenzerhaltender Beckenbodenrekonstruktion ohne funktionelle Beeinträchtigung der weiblichen Anatomie und der sexuellen Sphäre, die individuelle und soziale Lebensqualität zu erhalten (verbessern), voll erreicht wird.


    Zur Beckenbodenstabilisierung bei bisher 86 Ileum-Neoblasen-Operationen bewährte sich das extraleichte titanisierte Netzimplantat für Weichgewebe (TiLOOP® 16 g/m2; Exklusiv-Vetrieb: pfm • produkte für die Medizin AG, Köln) als Implantat in diesem operativen Hochrisikobereich mit Darmtangierung und höherer Keimdichte.
    Wegen der Oberflächenveredelung dieser Polypropylon-Netze durch Titanisierung werden Fremdkörperreaktionen deutlich vermindert und auch das Entzündungsrisiko minimiert.
    Mit der „Berliner Neoblase“ soll nach radikaler Zystektomie ein positives medizinisches und soziales Ergebnis erreicht werden, d.h. nicht nur den Tumor beseitigen sowie die Harn- und Stuhlkontinenz erhalten, sondern auch dem Fortbestehen eines angemessenen Sexuallebens eine Chance eröffnen.

    Komplett und mit Abbildungen nachlesen könnt ihr den Beitrag hier :
    http://www.andrologen.info/topgyn/archiv/2008topgyn_dez.pdf



    Anmerkung :
    Natürlich ist dieser Beitrag über die “Berliner Blase” von Berliner Ärzten des Franziskus-Krankenhauses Berlin verfasst worden und sollte daher genau so und nicht anders bewertet werden.
    Manche Passagen - z.B. über den Mainz-Pouch oder das Urostoma - werden sehr drastisch überzeichnet, um den Vorteil der eigenen “Berliner Blase” hervorzuheben.
    Aber letzten Endes scheint mir, daß die orthotope Neoblase nach “Berliner Art” hinsichtlich der Hyperkontinenz für Frauen doch besser ist als bisher von mir angenommen.
    Ich kann mir nicht vorstellen, daß in einem solchen Beitrag viel geschwindelt wird, zumindestens nicht bei den tatsächlichen Fallzahlen.......

  • Hallo Eckhard,


    vielen Dank für diese ausführliche Information der "Berliner Neoblase". Momentan bekomme ich die BCG-Instillation.
    Die 3.te in der letzten Woche war die Hölle.
    Eine Zweitmeinung aus Herne: Bei meinem Gutachten könnte ich mich schon mal mit dem Gedanken abfinden, die Blase zu verlieren. Ich frage mich, ob die BCG's Sinn machen....
    Jetzt habe ich aber mit der "Berliner Neoblase" für mich eine Alternative gefunden. Weisst Du, ob diese auch in NRW operiert wird?
    Über eine Antwort freue ich mich sehr::


    GglG Katharina

  • Liebe Katharina,


    ich bin zwar nicht gefragt worden :grinsen: , möchte Dir aber trotzdem antworten.
    Auch hier in NRW werden mittlerweile "Berliner Blasen" konstruiert, die bloß nicht so heißen :D . Die enge Zusammenarbeit von Chirurgen aller beteiligten Fachrichtungen hat auch hier die Zahl der Trägerinnen von orthotopen Neoblasen ohne Kontinenzprobleme ansteigen lassen. Vom Klinikum Ibbenbüren weiß ich definitiv, dass dort erfolgreich orthotope Neoblasen bei Frauen "eingebaut" werden. Info über das Klinikum und seine Urologie findest Du hier:
    http://www.mathias-stiftung.de…logie-kinderurologie.html
    Schick Dr.Hönecke einfach eine E-Mail oder frage telefonisch an.


    Liebe Grüße
    Hexe :tanzen:

  • liebe katharina


    ich habe gerade deinen beitrag gelesen
    ich kann dir die klinik in herne sehr empfehlen ich selber wurde auch dort operiert ( neoblase)
    ich wünsche dir viel krafft und schnelle genesung


    lg manuela

  • wolfgangm

    Hat das Thema geschlossen