Nach Diagnose heute morgen gehöre ich auch zum Club

  • Guten Tag an alle, ob Angehörige oder Betroffene. Es begann vor vierzehn Tagen mit einer der üblichen Routineuntersuchungen. Ein Männer-Checkup, den ich alle zwei Jahre beim Hausarzt machen lasse. Schließlich bin ich 58. Alles war wunderbar und OK, bis dem Arzt bei der Verabschiedung einfiel, dass ich ja keinen Urin mitgebracht hatte. Schnell ohne große Befürchtungen nachgeholt und ein paar Minuten gewartet, bis der Doc kam und mich zur Seite winkte: Ob ich Beschwerden beim Wasserlassen habe, fragte er. Ich wusste gar nicht, dass man so etwas überhaupt haben kann und schwupp hatte ich die Urologen-ÜW in der Hand.


    Google is your friend - Und dazu hatte ich bis zum heutigen Urologenbesuch Zeit. Diese Zeit war schrecklich. Alles traf zu: Mann, Alter, Nikotinabusus, unauffälliger PSA-Wert, Sypmptomfreiheit und erschwerend 2 (oder waren es 3?) Radio-Jod-Therapien vor 35 Jahren. Damals wurde mir die Schilddrüse total enfternt (Ob das damals ein Karzinom war, wurde mir nie genau mitgeteilt. Wer zu jener Zeit als Patient eine Frage stellte, bekam eins mit dem Skalpell übergebraten).


    Heute bat ich also beim Urologen um einen NMP-Test (EUR 20,00). Schon beim Sonogramm entdeckte er Unregelmäßigkeiten und ging wenige Minuten später an die Spiegelung. Die Untersuchung machte mir nichts aus. Nur sein zunehmendes Schweigen dabei. Im Abschlussgespräch erfuhr ich dann von meinem Harnblasentumor und vereinbarte für den 29. September eine OP mit dieser seltsamen Elektroschlinge, zu der mich Google bereits mehrere Male führte. Ich wollte halt zunächst noch meinen Urlaub vom 7.-21. September wahrnehmen.


    Als ich mich dann mit meiner Frau unterhielt, entschlossen wir uns, den Urlaub abzublasen und stattdessen zu operieren. Ich hoffe, der Doc geht auf meine Bitten ein und gibt mir einen früheren Termin.


    Das Meer hätte mir wohl ohnehin kaum Freude bereitet und die Meeresfrüchte hätten nicht mehr so köstlich geschmeckt, denke ich.


    Die nächsten Tage werde ich nutzen, diese Delle in meinem Gehirn los zu werden, dieses Gefühl auf glühenden Wolken zu gehen und mich in diesem Forum noch umschauen.


    Ich weiß: Die Rezidivrate ist sehr hoch. Das ist so ein wenig wie Rouge et Noir beim Roulette. Vielleicht bleibt mir genug Zeit, all meine Dinge zu ordnen. Aber es ist nie genug Zeit.


    Danke an alle, die dies lesen.


    Es tut gut, sich ein wenig die Puste herausschreiben zu können.

  • Hallo Novalis,


    mir ging es vor fünf Jahren ähnlich. Ich hatte auch das Gefühl eine Delle im Hirn abbekommen zu haben und wusste sofort was ich Alles nicht mehr will falls das gut ausgehen sollte.


    Es dauerte aber seine Zeit um langsam darüber nachzudenken was ich alles will falls das gut ausgeht.


    Ich weis schon wie schwer das ist, aber probier das einmal zu erforschen in der Zeit die Du jetzt vor der OP hast und die man sonst nur nutzt sich Gedanken zu machen was Alles sein könnte. Das erfährts Du durch die TURB und das histologische Gutachten, sich darüber jetzt schon zuviel Gedanken zu machen ist Energieverschwendung.



    Liebe Grüße und Alles Gute aus Tirol


    Gernot

  • Wünsche dir alles gute, bei mir ist es bis jetzt gut ausgegangen.Drücke die Daumen.

  • Hmm, novalis,


    ich würde keinesfalls noch fast fünf Wochen mit der erforderlichen TUR-B warten.....


    Es kommt sicherlich nicht auf einige Tage an, aber innerhalb von fünf Wochen kann sich ein bisher nur oberflächlicher Tumor bis zur Blut/Lymphbahn durcharbeiten, also zum Beispiel kann in dieser Zeit aus einem pTa oder pT1 ein pT2 werden.
    Und dann werden die Probleme viel größer....


    Wenn der Urologe das Karzinom - erstaunlicherweise - bereits bei der Sono gesehen hat, ist es sicherlich nicht klein.
    Daher verstehe ich auch nicht, warum er Dich nicht sofort, unverzüglich, zur TUR-B geschickt hat.
    ( Nur ein äusserst erfahrener Urologe kann durch eine Blasenspiegelung - und dies auch nur sehr bedingt - beurteilen, wie tief das Monster bereits eingewachsen ist. )


    Mach diese Woche noch einen Termin zur TUR-B, dann wirst Du aller Wahrscheinlichkeit Deinen Urlaub am 07. Septenber noch antreten können, denn für die Ausschälung bist Du nur 2-3 Tage in der Klinik.
    ( Ausser natürlich, man stellt einen richtigen Trum fest, welcher sofort raus muss. Dann kannst Du den Urlaub vergessen.... )


    Stell den Befund hier ein.


    Gruß
    Eck :ecke: hard

  • Hallo Novalis,
    völlig richtig was da Eckhard schreibt.
    Mein Haustier hatte der Urologe auch schon per Sono gesehen. Drei Tage später mußte ich antreten zur TUR-B.
    Versuche einen früheren Termin zu bekommen. Es ist nicht nur damit Du keine wertvolle Zeit verlierst, Du bekommst eh nicht den Kopf frei.


    Balu

  • Zunächst einmal: Befund einstellen. Welchen Befund? Ich habe nichts in der Hand. Nur die mündlichen Infos des Urologen.


    Den Entschluss zur Zytoskopie nach Sonographie traf er, als er mir etwas zeigte das, so wörtlich, "wie eine Veränderung an der Schleimhaut aussehen könnte".


    Weiter meinte er: "Ich gucke mir seit 23 Jahren Blasen an, und sehe sehr schnell, wenn da etwas ist".


    Die Wahl für einen späteren OP-Termin stellte er mir frei, wobei er mich natürlich über die Risiken eines potentiell schnellen und agressiven Wachstums aufklärte.


    Etwas weiteres spielte eine Rolle: Ich bin selbständig. Ohne Arbeit kein Essen. Ergo muss ich das mitplanen. Termine sind da einzuhalten. Natürlich wäre ein Einwand berechtigt: Wenn ich erst mal tot bin, kann ich ohnehin keine Termine mehr wahrnehmen und Essen brauche ich auch nicht. Insofern denke ich nicht gerade logisch.


    Aber ich bin derzeit in einer Situation, in der es schwer fällt, noch logisch zu denken.


    Dennoch habe ich mich zu einem früheren OP-Termin entschlossen. Ich habe ihn angemailt und um Alternativtermine gebeten.

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