Blasenentfernung nach Diagnose Adenokarzinom T2 G2

  • Seit einem Untersuchungsmarathon und stationärer Behandlung mit einer TURB haben wir seit gestern Abend endlich das Ergebnis: Es ist ein Adenoca der Blase T2G2. Keine Metastasen bei CT, Röntgen und Darmspiegelung gefunden. Der Urologe meinte, daß einzige, was gemacht werden könnte, wäre eine komplette Blasenentfernung. Gerne möchten wir dazu eine zweite Meinung haben, weil daß doch ein sehr großer Schritt ist. Welche Klinik käme dafür in Frage und hätte auch gute Erfahrungen mit künstlichen Blasen? Ich hoffe, es kann mir jemand weiterhelfen.

  • Wenn man es mal etwas genauer betrachtet, ist das Adenocarcinom das weitverbreiteste Blasencarcinom.
    Das AdenoCa entsteht in den Drüsen, in der Blase eben in den Schleimdrüsen, welche das Urothel, ( die Schleimhaut, welche die harnableitenden Wege vom Nierenbecken bis zum Ende der Harnröhre auskleidet ), speisen.
    Und die allermeisten Blasencarcinome sind Urothelcarcinome


    Das AdenoCa ist ergo keineswegs ungewöhnlich oder gar exotisch.


    Übrigens, was mir beim Nachforschen immer wieder auffällt :
    Es ist - fast ausschliesslich - von anderen befallenen Organen die Rede, kaum von der Blase.
    So steht z.B. bei Google unter “Adenokarzinom” ganz unten :
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    Von Blase liest man nichts, geradeso, als gäbe es diese gar nicht.
    Dabei ist der Blasenkrebs fünfthäufigste bösartige Tumorerkrankung des Menschen......


    Jetzt zu Deiner Frage, Hundefreundin :


    Nein, keineswegs wird die Blase wegen eines AdenoCa immer entfernt.
    Der Urologe hat diesen Vorschlag gemacht, da es sich um einem pT2G2 handelt, also um ein muskelinvasives Karzinom, ( Staging = pT2 ), und mäßig differenzierte Zellen, ( Grading = G2 ).
    Aufgrund des Erreichens der Blut - bzw Lymphbahnen, ( pT2 ), besteht die Gefahr der Metastasierung.


    Und genau hier, bei einem pT2G2, scheiden sich die Geister der Mediziner.
    Die eine Hälfte drängt auf eine radikale Zystektomie, also die komplette Entfernung der Blase, der Prostata und der Samenblasen,
    die andere Hälfte tendiert zur blasenerhaltenden Therapie, erst einmal durch eine Instillationstherapie wie BCG oder Mitomycin, und wenn diese versagen, zu einer Radiochemotherapie.


    Es ist eine Gewissensfrage, die euch hier niemand abnehmen kann.
    Wir haben hier im Forum sowohl als auch, wobei die “Sowohl´s” in der weiten Überzahl sind.
    Einige haben das Monster durch die Radiochemo im Griff, bei anderen hat diese Therapie versagt und sie sind die Blase letzthin doch losgeworden.
    Das Problem ist nur, dass nach einer Radiochemo der Darm so stark geschädigt werden kann, ( nicht : wird ), dass eine Neoblase nicht mehr möglich ist.


    Ich persönlich tendiere eher zur radikalen Zystektomie.
    Wenn keine Metastasen gebildet wurden, kann man davon ausgehen, das Monster mit hoher Wahrscheinlichkeit losgeworden zu sein. Sicher ist dies natürlich auch nicht......


    Gruß
    Eck :ecke: hard

  • Lieber Eckhard,


    bitte verzeih, wenn ich Dich ein wenig korrigieren muss.
    Das papilläre Urothelkarzinom, welches weitaus am häufigsten diagnostiziert wird, besteht aus einer Veränderung der Schleimhautzellen, eben des Urothels. Adenokarzinome enstehen durch bösartige Veränderungen der Schleimdrüsen, welche das Sekret produzieren, das sich auf der Schleimhaut befindet. In der Mikroskopie ergibt sich da ein anderes Bild in der Zellstruktur.


    Liebe Hundefreundin,


    aufgrund der Diagnose T2 G2 ist eine Zystektomie wohl indiziert.
    Eine Zweitmeinung einzuholen ist allerdings immer zu empfehlen. Die Ammerland Klinik in Westerstede hat einen guten Ruf, was die Urologie angeht. Infos der Klinik findest Du hier


    Liebe Grüße
    Hexe :tanzen:

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich danke Euch für die schnelle Antwort. Inzwischen haben wir hier im Forum schon sehr viel gelesen. Vor allem auch die Berichte über das Leben mit der Neoblase. Ich denke auch, daß wir da nicht drum herum kommen werden. Hoffen aber auch, daß das Monster sich nicht doch noch weiter ausgebreitet hat. Bisher war ja alles negativ. :-)


    Die Ammerlandklinik hat allgemein hier einen guten Ruf, auch in anderen Bereichen. Es gibt hier in der Nähe auch noch Debstedt bei Bremerhaven, da weiß ich allerdings nicht, wie die Urologie ist. Wir würden aber auch weiter fahren, wenns denn helfen würde. Haben schon an Heidelberg gedacht.


    Lieben Gruß


    Hundefreundin

  • Hallo,


    das Adenokarzinom macht nur 1% aller Harnblasenkarzinome aus. Da ich auch eine seltenen Form (Plattenepithelkarzinom) hatte, musste ich mich mit dem Thema : Seltene Harnblasenkarzinome etwas länger beschäftigen und kann dir nur raten: Versuche in ein Tumorzentrum zu gehen, dass mit multiprofesionellen Tumorkonferenzen arbeitet. Es gibt einige Unterschiede zum Urothelkarzinom. Z.B. sollte beim Adenok. in der Blase sehr genau auf einen anderen Primärtumor untersucht werden (Uterus, Magen, Dickdarm etc). Auch gibt es beim Adeno (wie beim Plattenepithelk.) keine standartisierte Chemo usw.
    Deshalb würde ich in deinem Fall auch auf jeden Fall eine Zweitmeinung einholen und die Ärzte unbedingt über das seltene Adenokarzinom ausfragen.


    Wenn du das Thema googelst wirst du auf den Satz treffen: Adeno und Plattenepithelk. haben eine schlechtere Prognose als das Urothelk. Lass´dich dadurch nicht verunsichern, es kommt daher weil es schneller invasiv wächst und somit später entdeckt wird. Deine persönliche Prognose richtet sich nach dem TNM Stadium wie beim Urothelk. auch.


    Alles Gute!

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