5 Jahre Blasenkrebs, 4 Jahre mit Neoblase - es geht mir gut -

  • am 8.2.2007 erfuhr ich, dass ich Blasenkrebs hatte, durch eine Makrohämaturie war eine Blasenspiegelung notwendig geworden, die den Befund erbrachte. Es folgte ein Jahr mit 3 TUR-B, Instillationstherapie mit Mitomycin, 2 Blasenspiegelungen und dann einer Kontroll-TUR-B im Januar 2008, die letztlich das Ergebnis erbrachte, dass der Blasenkrebs nicht mehr ohne großes Risiko lokal bekämpft werden konnte. Nach einer sehr kontroversen Diskussion, ob BCG oder Zystektomie für einen damals 49 jährigen Familienvater mit zwei Kindern, von Beruf Polizist, das richtige ist, habe ich mich nach intensiven Arztkontakten von Hamburg bis München für eine Zystektomie entschieden und das bis heute letztlich nicht bereut, obwohl es phasenweise recht schwierig war. Alles das ist hier, in diesem wundervollen Forum an vielen Stellen nachzulesen. Ich selbst habe mich etwas rarer gemacht, weil andere Prioritäten zur Zeit aktuell sind, aber heute will ich mal wieder updaten und mit meiner Geschichte Mut machen.


    Ich habe gerade den jährlichen Untersuchungstourismus mit Blutgasanalyse, Lungen-Röntgen, Blutwerten und CT-Abdomen hinter mir und darf feststellen auch fast genau 4 Jahre nach der Zystektomie am 28.2.2008 bin ich völlig krebsfrei und genieße das.


    Ich bin schon sehr lange tags wie nachts kontinent, eine nervschonende OP ermöglicht mir neben den vielen anderen Varianten von schöner Sexualität auch nach wie vor vaginalen Verkehr, wenn ich mich zusätzlich mit Levitra 10 mg. dope geht das auch über einen langen Zeitraum. Ich lebe nach wie vor meinen Beruf als leitender Polizist, was auch mal zu Tätigkeiten über 15 Stunden ohne Pause führen kann - ok. Ausnahmefall - spiele regelmäßig Volleyball und Beachvolleyball, bin kabarettistisch und sozial engagiert. Skifahren, Nordic-Walking, Fahrrad-Fahren und Wandern gehört zu den weiteren Aktivitäten, den ich kontinuierlich nachgehe. Mit einem Wort, ich lebe mein Leben von vor dem Blasenkrebs auch nach dem Krebs so weiter. Leider habe ich sogar das Rauchen von Zigarillos wieder angefangen, schmeckt natürlich, ist aber falsch, aber Rainer und Ecke verstehen das.


    Ich habe die Bicanorm-Gaben von 6 Tabletten täglich sukzessive auf 0 reduziert und die vierteljährliche Blutgasanalyse zeigt, dass es nach wie vor auch ohne geht. Ich bin daher völlig medikamentenfrei seit inzw. fast zwei Jahren.


    Aber natürlich ist auch bei mir nicht alles Gold was glänzt. Ich habe nach wie vor gelegentlich und dann sehr plötzlich massive Durchfälle. Ebenso habe ich häufiger und recht intensiv Blähungen, wofür man geeignete Räume suchen muss :-). Wenn ich zu fest schlafe, kann es sein, dass ich nachts nicht wach werde, vor allem nach etwas umfangreicherem Genuss von Bier und dann werde ich erst wach, wenn es feucht wird. Dafür habe ich aber immer die waschbare Auflage im Bett, so dass der Schaden gering bleibt. Das kommt i.d.R. nur vor, wenn ich gut gefeiert habe und mir nicht den Wecker stelle, um zur Toilette zu gehen.


    Ich habe - hier auch nachzulesen - immer offen meine Krankheit, ggf. bei Nachfragen auch die negativen Konsequenzen, offen kommuniziert und damit gute Erfahrungen gemacht. Mein Status als einerseits fit aussehender, andererseits zu 80 % schwerbehinderter Mensch, ist für meine berufliche Rolle durchaus dienlich, weil mich einerseits keiner schonen muss, andererseits Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gesundheitliche Probleme haben, sich mir , dem Chef ggü., oft ganz gut öffnen können, weil sie merken, dass ich nachfühlen kann.
    Sowohl mein eigenes Schicksal als auch die vielen Schicksale hier im Forum haben mich im Umgang mit Krankheit, Tod und Leben, Behörden und Ärzten kompetenter, gelassener gleichwohl durchsetzungsfähiger gemacht. Natürlich hätte ich gerne auf den Blasenkrebs verzichtet und wäre noch lieber der, der ich vorher war. Aber - klingt ggf. etwas verrückt - die Krankheit und alles, was daran hing, hat mich auch reicher, kompetenter gemacht.


    Ich wünsche uns, den Erkrankten und den Angehörigen kompetente Ärzte, Hoffnung und freue mich, wenn ich gerade für die jüngeren mit meinem Beispiel zeigen kann, dass es bei allen Aufs- und Abs Grund zur Hoffnung gibt. Dazu gehört Wissen um die Erkrankung, das gibt es hier reichlich. Dazu gehören Gesprächsführung und Schriftverkehr, auch dabei wird hier gut geholfen. Und dann gehört noch - unabhängig vom Ausgang - ein Annehmen der Situation, kein Aufgeben, ein Annehmen und Lernen dazu, dann ist auch Blasenkrebs eine Herausforderung im Leben, an der man auch wachsen kann. Bei mir war es so, ich wünsche es euch auch.


    Freitag, Samstag, Sonntag ist wieder Kabarett, wenn es das auf youtube gibt, stelle ich es ein - Glück Auf

    Andy :thumbup:

  • ........vielen Dank für diesen wunderbaren und weitgehend positiven Bericht.Ich hoffe und wünsche mir für Dich, dass Dein Befinden auch weitere Jahre so gut bleibtwie es ist.
    Ich feue mich!!


    Gruss Manny

    Gebt niemals auf!!

  • Hallo, Andy!
    Im Moment schreiben viele verunsicherte und ängstliche Erkrankte oder Angehörige.
    Dein Bericht wird Ihnen hoffentlich Mut machen. :)
    Ich lebe nun auch schon über 5 Jahre mit meinem Pouch - und ich lebe ebenfalls gut.
    Hoffen wir, dass es so bleibt!!!!!
    Gruß aus der Heide
    Löwe

    Positiv denkend und lebenslustig nach - Radikaler Zystektomie mit Anlage eines Nabelpouches am 17.11.2005.

  • Hallo Andy,


    lange nicht s von dir gehört.Schön das es dir so blendend geht.


    Dein Bericht wird hoffentlich vielen anderen etwas die Angst nehmen.Auch ich lebe seit 10 J.(22.03.02) sehr gut mit meinem Pouch, daß werde ich schön feiern.


    Mein CT im Januar war auch OK. Aber vorher hat man trotzdem immer noch Angst das was gefunden wird.Wir lassen uns nicht unterkriegen.


    Lg. Marion

  • Lieber Andy,
    vielen Dank fürs Mut machen!!! Sind wie doch alle hier auf der Suche danach.


    Ich wünsche Dir weiterhin alles, alles Gute!


    LG.
    Monika

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