Ich möchte mich vorstellen, bin neu hier...

  • mein Lebensgefährte ist 2015 an Blasenkrebs erkrankt..ein Tumor PT1 wurde im August 2015 entfernt..es wurde nun bereits 4 mal eine TUR-B gemacht..nach der zweiten TUR-B..eine sechswöchige BCG Therapie verordnet..im Dezember 2016 wollte man ihm die Blase entfernen, nach einer Zweit- bzw. Drittmeinung..versucht man es nun neuerlich mit einer BCG-Therapie..seine Diagnose lautet Carcinoma in situ..die BCG-Therapie verträgt er so recht und schlecht..zwei Tage brennt es immer höllisch..immer wieder Fieber und jetzt nach der zweiten Dosis kam neben einem Harnwegsinfekt eine Nebenhodenentzündung dazu..mich würde intressieren ob es generell auch Alternativen gibt..wie Misteltherapie?..ob wer Erfahrungen damit hat..ob man sonst was tun kann..Ernährung? Ich las auch von Synergo Therapie..welche Vorteile hätte diese gegenüber der BCG-Therapie?

  • Um wirkich eine Fach - und Sachgerechte Antwort auf deine Fragen liefern zu können, fehlt mir der zeitliche Verlauf und die Histologien der insgesamt 4 TUR-B ebenso wie der Zeitrahmen wann diese BCG-Initialtherapie durchgeführt wurde.
    Nur mit diesen Angaben ist es uns möglich den Krankheitsverlauf abzuschätzen und entsprechend Antworten zu können.


    Gruss
    AndreasW

    22.06.2012 erste TUR-B apfelgrosser Tumor wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite TUR-B, diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte TUR-B, 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte TUR-B, ein rezidiv pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

  • Hallo Andreas,


    Ende August war die erste TUR-B - Tumor in der Blase wurde entfernt, dann wurde neuerlich eine TUR-B Mitte September angeordnet, es wurde nachgeschaut ob tatsächlich alles erwischt wurde, damals hieß es ja..bei dieser OP wurde eine Harnleiterschiene gelegt, nach dem diese entfernt wurde, begann man dann im Jänner 2016 mit der BCG-Therapie - 6 Wochen lang, nach Abschluss wurde eine Spül-Zytologie gemacht bei der wurden dann neuerlich high-grade Krebszellen festgestellt, und die dritte TUR-B für Mitte April angesetzt, bei dieser OP wie wir erst seit Dezember wissen, perforierte die Blase, das wurde uns aber erst von dem Arzt mitgeteilt wo wir eine Zweitmeinung im Dezember einholten ..bei den darauf folgenden Kontrollterminen wurden immer wieder diese hochgradig bösartigen Krebszellen bestätigt, so wurde für den 25. November 16 nochmals eine TUR-B angesetzt, vor dieser wurde uns mitgeteilt, dass man zugleich die Prostata biopsiert und wahrscheinlich sehr tief resektiert werden muss, das alles blieb aber ohne Befund, übrig blieben nur die "bösen Krebszellen"..dennoch teilte man uns bei dieser Befundbesprechnung im Dezember 2016 mit, dass man an eine Zystektomie denkt, und diese Jänner oder Februar 2017 machen will,...mein Lebensgefährte ist 68 Jahre und nach diesem Befund, war er so richtig fertig, no na will er die Blase und die Prostata erhalten, so holten wir uns eine Zweit- und Dritt-Meinung die letztendlich sich insofern gedeckt haben, dass beide Ärzte unabhängig der Meinung sind..bei einem PT1 Tumor der nicht streut, und eben dieses Carcinoma in situ, kann man nicht nach der ersten sechswöchigen BCG-Therapie sagen, dass diese nicht "wirkt"..man könne diese Inst...illationstherapie sogar bis zu zwei Jahre versuchen..so sich nichts anderes ereignet..so hat mein Lebensgefährte am 10. Jänner 17 wieder mit der BCG-Therapie begonnen, wie gesagt bisher 2 mal, leider wurde vor der dritten BCG ein Harnwegsinfekt festgestellt, ein Antibiotikum verschrieben, und es gesellte sich die Nebenhodenentzündung dazu, die nun stationär behandelt wurde...jetzt wieder Antibiotikum-Tabletten und für den 23. Februar ist die nächste BCG-Gabe geplant..

  • Liebe Bine,
    Ich möchte erstmal allgemein auf die BCG-Therapie eingehen:


    Die BCG - Therapie ist in den meißten Fällen auch kein Spaziergang, hierbei handelt es sich im abgeschwächte aber dennoch lebendige Tuberkulosebakterien, die
    per Katheder in die Blase gegeben werden, dort müssen die Bakterien ca. 2 Stunden verbleiben und können dann ausgeschieden werden.
    Durch diese Bakterien kommt es in der Blase zu einer Immunreaktion, was eine Blasenentzündung auslößt. Diese Immunreaktion des Körpers soll dazu
    führen, das die körperlichen Antikörper auch Krebszellen in der Blase bekämpfen und so neue Tumoren verhindern helfen.


    Therapieplan wird sich wie folgt aufteilen:


    1. eine 6 wöchige Initialtherapie mit je einer Therapie pro Woche


    2. der Erhaltungstherapie mit 3 Instillationen in wöchentlichem Abstand
    in den Monaten 3, 6, 12, 18, 24, 30 und 36 (gerechnet nach der letzten TUR-B). In diesem Schema werden insgesamt 27 Instillationen über einen Zeitraum von 3 Jahren verabreicht.


    Nebenwirkungen:
    Bei einer immunologischen Behandlung mit BCG kann die Harnblase in den Tagen nach der Behandlung gereizt sein. Dies kann insbesondere beim Wasserlassen zu Schmerzen führen und Harndrang verursachen. Die Patienten können auch etwas Blut im Urin und leicht erhöhte Temperatur haben und an Müdigkeit leiden.
    Weiterhin kann die Therapie grippeähnliche Symptome wie Schüttelfrost, Fieber, Muskelschmerzen, Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall verursachen.
    All diese Nebenwirkungen betreffen großteils die ersten 48 Stunden nach der Instillation des BCG - danach sollten sie deutlich abklingen. Der verstärkte Harndrang aber, kann noch Monate nach der Behandlung auftreten (Reiz - und Schrumpfblase).


    Hygiene:
    Am Tag und Folgetag der Instillation sollte man verstärkt auf die Hygiene achten und nicht nur nach jedem Toilettengang die Hände waschen, sondern auch desinfizieren, ebenso ist es hilfreich die Toilette selbst mit Desinfektionsspray nach jedem Toilettengang zu reinigen.


    Durch den verstärkten Harndrang sollte man ebenso darauf achten immer eine Toilette in der nähe zu haben, aus eigener Erfahrung weiss ich, das man oftmals keine 20 Meter weit kommt, wenn man erstmal merkt das man mal "muss".
    Durch die Blutbeimengungen im Urin, der dann auch Gelleeartig sein kann, bietet es sich an am Tag der Instiallation und dem Folgetag Vorlagen zu tragen, sodass man sich die Unterwäsche nicht versaut.


    Nach der Instillation:
    ca. 1 1/2 Stunden nach der Instillation kann man beginnen mit trinken, das beste sind Tee´s oder stilles Mineralwasser. Kohlensäurehaltige Getränke können die Blase zusätzlich reizen. Je mehr man trinkt, je besser wird die Blase gespült, Anhaltspunkt ist ein Liter Flüssigkeit pro Stunde das sollte man dann
    ca. 4 Stunden lang machen und ab dann kann weniger getrunken werden.


    Gönne Dir am Tag der Instillation + dem Folgetag ruhe, auch wenn Du wahrscheinlich nach den ersten Instillationen kaum Nebenwirkungen verspüren wirst, werden die Nebenwirkungen von Behandlung zu Behandlung mehr werden, teilweise kann es auch Aufgrund der Nebenwirkungen zu einem Therapieabbruch kommen.


    Ebenso muss der Arzt bei der Instillation aufpassen, das z.B. die Harnröhre nicht verletzt wird und somit BCG in die Blutbahn kommt, denn dann kann es zu einer Bcgitis kommen (Tuberkulose).


    Die Nebenhodenentzündung kann auch eine Nebenwirkung der BCG-Therapie sein, sie ist äusserst selten und kann einen Therapieabbruch notwendig machen. Da man immer wieder Krebszellen im Urin gefunden hat, sollte man bei der Blasenspiegelung getrennt aus beiden Harnleitern Urinproben entnehmen und diese auf Krebszellen untersuchen lassen. So könnte man ausschliessen, das Nieren oder Harnleiter befalle sind. Eventuell kann man auch eine Harnleiterspiegelung durchführen lassen.


    Mein Fazit:
    Im alter von 68 Jahren würde ich mich nur sehr ungern einer BCG-Therapie aussetzen wollen, denn diese ist schon für wensentlich jüngere Patienten eine echte Herausforderung und führt nicht selten zu einem Therapieabbruch.
    Ob die Synergo - Therapie überhaupt in Österreich angeboten wird, darüber liegen mir keine Informationen vor - ich weiss nur, dass sie an den Studien nicht teilgenommen haben. Dies ist aber inzwischen 8 Jahre her - sodass es auch dort zu einem umdenken gekommen sein kann.


    Gruss
    AndreasW

    22.06.2012 erste TUR-B apfelgrosser Tumor wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite TUR-B, diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte TUR-B, 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte TUR-B, ein rezidiv pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

  • Hallo Andreas,


    danke für die ausführliche Info, die sich in vielem mit dem "Empfinden" meines Lebensgefährten deckt, von dem neuen Arzt weiß ich, dass die Synergo-Therapie zur Zeit nur in Wien angeboten wird, der Arzt meinte auch, sie wäre noch eine Alternative, so die BCG-Therapie nicht greift, ich habe sie nur deswegen angesprochen, weil vielleicht hat hier in diesem Forum jemand ja bereits Erfahrungen damit gemacht, ich las darüber nur, da diese Therapie ähnlich wie die BCG-Therapie gehandhabt wird, nur "warm"...aber angeblich soll sie effektiver sein, in Bezug auf "abtöten" Krebszellen...Lg Sabine

  • Liebe Sabine,


    die Synergo - Therapie ist von ihrer Wirksamkeit sehr vergleichbar mit der BCG-Therapie, hat aber geringere Nebenwirkungen.


    Bei der Synergo-Therapie wird das Medikament Mitomycin durch "Microwellen" auf ca. 40 bis 42 Grad erwärmt und befindest sich in einem Kreislauf - in der Blase sind Temperaturfüher die die Temperatur überwachen und somit erkennen, ob das Mitomycin erwärmt oder etwas gekühlt werden muss um dieses Temperaturfenster möglichst konstant zu halten.
    Durch diese Therapie wirkt Mitomycin auch in tiefere Blasenschichten und ist somit eine Alternative zur Behandlung von Blasenkrebs. Diese Form der Behandlung macht es aber notwendig immer für eine Nacht im Krankenhaus zu bleiben.
    Ob diese Therapie aber für deinen Mann in Frage kommt, können nur die Ärzte in Wien sagen.


    Gruss
    AndreasW

    22.06.2012 erste TUR-B apfelgrosser Tumor wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite TUR-B, diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte TUR-B, 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte TUR-B, ein rezidiv pTa G1

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