Mikrohämaturie: Wie viel Diagnostik ist notwendig? *

  • Makrohämaturie bezeichnet das mit dem bloßen Auge erkennbare Vorhandensein von Blut im Urin, im Gegensatz zur Mikrohämaturie, die lediglich durch weitergehende diagnostische Methoden (Urin-Stix, Mikroskopie) diagnostizierbar ist.

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    Die im Dezember 2012 von der AUA publizierte überarbeitete Leitlinie zur Diagnostik, Evaluierung und Nachbetreuung
    von Patienten mit asymptomatischer Mikrohämaturie gibt den behandelnden Urologen einen relativ strengen Algorithmus vor.
    So sollen Patienten nach dem vollendeten 35. Lebensjahr bei durch Mikroskopie des Harnsediments verifizierter Mikrohämaturie
    einer kompletten Diagnostik inklusive Zystoskopie, Beurteilung der Erythrozytenmorphologie und Kontrastmittelcomputertomographie
    zugeführt werden.


    Bei Vorliegen von Proteinurie und/oder dysmorphen Erythrozyten ist die Konsultierung eines Nephrologen anzustreben,
    es sollte jedoch keinesfalls auf die urologische Diagnostik verzichtet werden.


    Der Standpunkt der Renal Association weicht von dem oben genannten ein wenig ab, da bei einer isolierten Mikrohämaturie
    ab einem Patientenalter von 40 Jahren eine urologische Vorstellung empfohlen wird und bei gleichzeitigem Vorliegen von Proteinurie und Mikrohämaturie
    eine alleinige nephrologische Abklärung als ausreichend postuliert wird.


    Im Gegensatz zu den strengen Vorgaben der AUA steht die Realität der täglichen Praxis. In einer in Cancer im Jahr 2010
    publizierten Studie wurden retrospektiv die Krankengeschichten einer Patientenkohorte, die in eine NMP-22-Screeningstudie eingeschlossen wurden,
    aufgearbeitet.
    Es handelte sich dabei um langjährige Raucher beziehungsweise um Patienten, die in der Färbemittel- oder Petroleumindustrie tätig waren. Hierbei zeigte sich bei einer
    Hämaturie-Rate von 14,9 % (164/1099 Patienten), dass 42,1 % der Patienten keinerlei weitere Abklärung erfahren haben und eine Zystoskopie lediglich
    bei 12,8 % der Patienten durchgeführt wurde.
    Es konnte somit gezeigt werden, dass selbst bei Hochrisikopatienten die Abklärung nur zu einem geringen Prozentsatz leitlinienkonform stattfindet.


    Der rezent von der Mayo Clinic publizierte Hämaturie-Risikoscore könnte eine interessante Möglichkeit bieten, um die Lücke zwischen den strengen
    Leitlinien und der klinischen Realität zu verkleinern. Ziel ist es, jene Patienten zu identifizieren, bei denen trotz Vorliegen einer Mikrohämaturie auf eine Diagnostik
    mittels Zystoskopie und CT ge-Asymptomatische Mikrohämaturie: fahrlos verzichtet werden kann. Es konnte gezeigt werden, dass die stärksten
    positiv prädiktiven Faktoren für das Vorliegen eines Tumors des Harntraktes das Alter und eine Makrohämaturie- Anamnese sind. Die Autoren kommen
    basierend auf ihren Daten zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Tumor der Blase zu diagnostizieren, bei Patienten < 50 Jahre und ohne
    Makrohämaturie in der Anamnese beinahe null ist.


    Quelle: J UROL UROGYNÄKOL 2013; 20 (Sonderheft 5)