Komplikationen nach Zystektomie und Anlage einer Ileum-Neoblase

  • Eine Zusammenfassung aus einer Dissertation von Anja Hägele.
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    Zusammenfassung:
    Zwischen April 1986 und September 2003 wurden an der Urologischen Universitätsklinik Ulm 754 Zystektomien mit Anlage einer Ileum-Neoblase durchgeführt. Insgesamt wurden 654 Männer (86,7 %) und 100 Frauen (13,3 %) mit dieser Form der Harnableitung behandelt. Das mittlere Follow-up der Patienten betrug 58,1 Monate. Der maximale Nachbeobachtungszeitraum betrug 208 Monate. Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Operation lag bei 61 Jahren (17 – 82 Jahre).

    Die orthotope Ileum-Neoblase wurde bei 66,7 % aller Patienten mit Zystektomie (754 von 1131 Patienten) angelegt. Es handelt sich bei diesem Patientengut entsprechend um eine Selektion:
    Patienten mit weit fortgeschrittenen Tumoren,Harnröhrenbeteiligung, hohem Alter, eingeschränkter Nierenfunktion oder schweren Begleiterkrankungen erhielten eher andere Formen der Harnableitung.

    Bei 754 Patienten traten in 437 Fällen (58 %) Frühkomplikationen, das heißt Komplikationen innerhalb der ersten 90 Tagen postoperativ auf.
    In 351 Fällen (46,6 %) kam es zu Spätkomplikationen, das heißt Komplikationen nach mehr als 90 Tagen postoperativ.

    Diese umfassen alle Komplikationen, die ausschließlich auf die orthotope Ileum-Neoblase als Harnableitung, nicht aber auf die Zystektomie, Lymphadenektomie oder Ausschaltung eines Darmsegments zurückzuführen sind.

    Die hier jetzt aufgeführten Komplikationen sind nicht zu verallgemeinern. Faktoren wie die Art der Neoblase (Hautmann, Studer ect.), das Alter der Patienten und andere Gegebenheiten sind zu berücksichtigen, hier aber nicht detailiert aufgeführt und nicht bewertet.


    Frühkomplikationen können sein:

    • Leckage (Undichtigkeit der NeoblaseStenosen im HarnleiterLeckage Harnröhrenanastomosen (Verbind. Neoblase / Harnröhre)
    • Neoblasendünndarmfisteln
    • Schleimtamponaden (Feste Verschleimung in der Neoblase)
    • Nachblutung aus einem Gefäß der Neoblasenwandfieberhafte
    • Harnwegsinfekte mit und ohne Schleimtamponaden
    • Urosepsis (Infektionskrankheit mit Bakterien aus dem Urogenitaltrakt)
    • Anurie
    • Darmatonie (Darmlähmung), seltenparalytischen Ileus (Darmverschluss)
    • Kurzdarmsyndrom (Durchfall, Diarrhoen)
    • Mucosafalte (Falte des Dünndarmsegments vor die Harnröhre),
    • Blutungen
    • Wundheilstörungen
    • Verletzungen und Komplikationen an Nachbarorganen (Rektumläsion, Milzläsionen
    • Verletzungen und / oder Durchtrennung von Nerven
    • Lymphabfluss-Störungen
    • Thrombosen des Venensystems
    • Herzinfarkt
    • Pneumonische Komplikationen (Ateminsuffizienz)
    • Lagerungsschäden durch die Lagerung auf dem Operationstisch
    • gastrointestinale Komplikationen
    • postoperativ lebensbedrohliche septische Komplikationen


    Mortalitätsanalyse: 23 von 754 Patienten verstarben innerhalb der ersten 90 Tage postoperativ nach radikaler Zystektomie und Anlage einer orthotopen Ileum-Neoblase (3,1 %).


    Spätkomplikationen


    Insgesamt traten im späteren Verlauf nach radikaler Zystektomie und Anlage einer Ileum- Neoblase 299 Komplikationen (40 %) auf, die als neoblasenspezifisch zu werten sind.
    Mit insgesamt 109 Spätkomplikationen (14,5 %) machen die Komplikationen der ureteroneovesikalen Anastomose den größten Anteil der neoblasenspezifischen Komplikationen aus.

    • Stenose bzw. Harnstauungsniere
    • funktionelle Blasenentleerungsstörungen (auch Mukosafalte und Verwachsungen)
    • Neoblasendünndarmfistel
    • Neoblasensteine, wobei hier Nahtmaterial in der Neoblase als Kristallisationskern diente.
    • vorübergehenden oder dauerhaften Einschränkung der Nierenfunktion
    • dialysepflichtige terminale Niereninsuffizienz
    • entgleiste metabolische Azidose
    • Harninkontinenz
    • Hyperkontinenz
    • Komplikationen der Darmsegmentausschaltung wie Darmverschluss, Darmstenosen, chronisch rezidivierende Diarrhoen
    • therapiebedürftiger Vitamin-B-12-Mangel
    • Narbenhernie
    • Nervenschmerzen
    • Lokalrezidiv mit Infiltration der Neoblase
    • Fisteln zwischen Darmsegmenten und der Neoblase