Chemotherapie mit nur einer Niere?

  • Moin liebe Foris, ich bin neu hier und lese seit ca. 4 Wochen still mit. Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen: Ich heisse Sabine und bin gerade 53 Jahre alt geworden.. Bei der TURB am 31.05.17 wurde ein muskelinvasiver Blasenkrebs festgestellt. Zusätzlich kam es durch den Tumor zu einem Nierenstau, so dass die linke Niere leider nicht mehr zu retten war. Inzwischen ist die radikale Zystektomie mit Entfernung der Niere und Anlage eines Mainz Pauch I erfolgt. Ich bin noch zur Genesung im Krankenhaus. Seit heute liegen nun auch die pathologischen Ergebnisse vor (die genaue Histanamie reiche ich noch nach). Obwohl es bei der OP und den Voruntersuchungen keine Auffälligkeiten gab, hat es sich dieser Krebs ganz schön gemütlich gemacht und leider auch einige Lymphknoten befallen. Tja und nun soll auch noch eine Chemo folgen. Volltreffer würde ich sagen. Das genaue Medikament werde ich noch erfragen. Ist das überhaupt mit nur einer Niere möglich? Gibt es hier Leidensgenossen mit entsprechenden Erfahrungen ?

  • Liebe Sabine,

    sei herzlich willkommen im allerbesten Blasenkrebsforum.

    Nun, du hast ja den Großteil schon geschafft , es soll die Chemo folgen. Prinzipiell ist das mit einer Niere schon möglich. Das ist gar nicht so selten.

    Im Normalfall wird Gemzitabin /Cisplatin verabreicht. Bei dir denke ich wird man das Cisplatin gegen ein anderes Zytostatika tauschen. Eines das nicht so nierentoxisch ist. Aber warten wir auf den Befund und welche Zusammensetzung die Onkologen

    Ge hst du noch vorher noch zur AHB ?


    Einstweilen einen lieben Gruss, Ricka

  • Hallo Ricka, lieben Dank für Deine Antwort. Zwischenzeitlich könnte ich mit dem Urologen sprechen. Doch zunächst die Klassifikation:

    Urethelkarzinom:pT3b pN2 (7/14) L1 V1 Pn0 G3 R0

    ICD-10-GM 2014: C67.8

    ICD-O:M8120/3

    Zusätzlich

    pTis

    ICD-10-GM 2014: C67

    ICD-O:M8120/2


    Und ja, diese beiden Medikamente sollen in 4 Zyklen nach der AHB eingesetzt werden. Die verbleibende Restniere hat eine hervorragende Arbeitsleistung.

  • Liebe Sabine,


    4 Zyklen Chemotherapie erachte ich persönlich als zu gering.


    Begründung:

    4 Zyklen werden für Patienten empfohlen, bei denen der Tumor Anschluss an das Lymphsystem (L1 / L2) gefunden hat - oder es befallene Lymphknoten gab. Insofern wäre unter dieses Gesichtspunkten eine 4 Zyklen - Therapie bei Dir notwendig.

    Aber:

    Leider steht in dem Befund noch das V1 , welches besagt, dass der Tumor schon Anschluss an eine Vene gefunden hat, somit muss hier davon ausgegangen werden, dass sich Krebszellen in der Blutbahn befinden, die Metastasen in anderen Körperregionen bilden können (Leber, Lunge z.b.).

    Hier wäre nach meiner persönlichen Meinung eine Ausweitung der Chemotherapie auf 6 Zyklen notwendig.


    Gruss

    AndreasW

    22.06.2012 erste TUR-B apfelgrosser Tumor wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite TUR-B, diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte TUR-B, 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte TUR-B, ein rezidiv pTa G1

  • Liebe Sabine,


    mein Krankheitsverlauf ähnelt deinem sehr, auch ich war gerade 53 Jahre jung, ja und ich verlor meine linke Niere ebenso, siehe auch meine Signatur unten.

    Nach der AHB wurden bei mir 4 Zyklen Chemotherapie Gem/Cis durchgeführt, wobei ein Zyklus nicht vollständig abgeschlossen werden konnte.


    Zum Procedere:

    Bevor mit der Chemo begonnen wird, untersucht man die Funktionsfähigkeit der verbliebenen Niere (Labor, Sammelurin auf Kreatinin-Clearance, evtl. Nierenszintigraphie) - ist da alles im grünen Bereich, kann man die Chemotherapie mit Gem/Cis durchführen. Ansonsten wird man auf andere Medikamente ausweichen.

    Die Nierenfunktion ist deshalb so wichtig, weil bei dem Cisplatinschema die Niere ordentlich gewässert wird - mit ca. 3 Liter Kochsalzlösung, des weiteren bekommt man ein Diuretikum, was die Nierentätigkeit nochmals anregt. Während der Gabe von Cisplatin bekam ich auch einen Dauerkatheter für 24 Std. in den Pouch.


    Über die Anzahl der Zyklen kann ich nichts weiter dazu schreiben, das wird unterschiedlich gehändelt. Auch die Schemata sind von Klinik zu Klinik unterschiedlich. Ich bin froh, daß ich die 3 1/2 Zyklen einigermaßen überstanden habe, benötigte u.a. Bluttransfusionen, hoch dosiert Antibiotika, anregende Medikamente für die Blutplättchenbildung, bekam vorübergehend eine Nierenfistel - alles in allem sehr anstrengend.


    Lass dich aber nicht irritieren, jeder reagiert da anders - besprich dich einfach mit deinem Onkologen und vertraue ihm.


    Falls du noch Fragen hast, kannst du mir ja eine PN schreiben.


    LG Gabi

    Januar 2013: TUR B (pT2,G3)
    März 2013: radikale Cystektomie,Anlage Indiana Pouch,Nephrektomie li.
    Diagnose:Muskelinvasiver Blasentumor pT4a,pN0 (0/7),cM0,L1,V1,Pn1,G3,R1 (PD)
    Mai - September 2013 4 Zyklen Chemotherapie GEM/CIS
    Hoffnung ist eine Art von Glück, vielleicht das größte Glück, das diese Welt bereit hält.

    Der Weg ist das Ziel


  • Liebe Sabine,

    das ging ja schnell mit dem Befund und ich muss sagen, du hast wirklich in die Vollen gegriffen. Mein Mann hatte auch einen pT3b G3 + CIS aber ohne Befall. Steht in Signatur unten. Er hat auch ohne Befall 4 Zyklen Gem/CIS gemacht, weil ab einem pT3b G3 der Krebs bereits die Blase verlassen hat, heisst die Gefahr ist gross, dass er sich woanders angesiedelt hat. Es ist bei so fortgeschrittenem Stadium schon wichtig, da auch durch die Op eine Streuung oder Verbleib von Krebszellen möglich ist. Zwar selten aber schon vorgekommen.

    Also mach mindestens 4 Zyklen, mir wären 6 wie AndreasW schreibt auch sypatischer. Man wird sehen wie die verbliebene Niere das verkraftet, ansonsten muss man halt während der Zyklen das Cisplatin wechseln. Ist auch möglich.

    Es ist gut wenn du selbst ein Augenmerk darauf hast und weisst worum es geht. Und lass dich nicht zu einer ambulanten Chemo überreden. Mach sie zumindest teilstationär. Das lange wässern ist ambulant sehr anstrengend. Ich denke aber dir werden sie wegen der Nierenüberwachung gleich eine stationäre anbieten.

    Mein Mann hatte kaum Nebenwirkungen, also warte es ab es ist wirklich bei jedem

    anderst.

    Grüß Ricka

  • Hallo Sabine, wie ricka schon sagt mach es nicht ambulant meine Mama war Tag 1 bis Tag 2 im Krankenhaus also 1 Nacht und Tag 8 konnte sie abends nach Hause es ist schon ziemlich anstrengend so eine Chemotherapie und ein bisschen Geduld braucht man da leider auch das ist mir zunehmender Zeit meiner Mama immer schwerer gefallen....falls du Fragen hast schreib mir einfach eine PN können uns gerne genauer austauschen falls du mehr wissen magst LG Olivia

  • Hallo,


    kann aus Erfahrung auch nur zu einer stationären Chemo raten. Ich war damals 65 und war während der Behandlung (incl. Bestrahlung) fix und alle. Der Aufwand lohnte sich, denn bin bis heute krebsfrei.


    Gruß Ebs

  • Ihr Lieben, vielen Dank für Eure Rückmeldungen und Tipps. Die Chemo ziehe ich auf jeden Fall und auch stationär durch. Auch lasse ich mich einen Port legen. Die Bestätigung zur AHB in St. Peter Ording ab 08.08. habe ich schon. Dort werde ich das Thema Chemo auch noch einmal auf den Tisch bringen. Und auch, ob der gleichzeitige Einsatz von Methadon zur besseren Unterstützung und Linderung der Nebenwirkungen der Chemo eine sinnvolle Maßnahme sein kann.

    Gesundheitlich geht's gut voran, schon eine Woche nach der OP kann ich selbstständig aufstehen und gehen. Stuhlgang funzt und macht seinem Namen alle Ehre. Mein Pouch wurde bereits 2x gespült und hat bereits am Anfang ein Fassungsvermögen von 150ml. Das soll lt. Ärzte ein sehr solider Wert sein. Kurz, es läuft :)