Philosophisches Duo
Heute am späten nachmittag saß ich mit meinem Freund Christian beim Italiener.
Wir sinnierten so für uns hin in die halbleeren Kaffeetassen.
Natürlich kamen wir über die Regierung, die Mäuskes, das Wetter und Urlaub auch auf die Situation allgemein zu sprechen.
Christian : “Eigentlich geht es uns den Umständen entsprechend doch unverschämt gut.Wir können uns jeden Nachmittag hier treffen, fahren beide ein schönes Auto, haben keine Geldsorgen und die Weiber rücken uns auch nicht mehr permanent auf die Pelle."
( Christian ist Junggeselle, hatte vor 9 Jahren einen schweren Schlaganfall, den er aber - bis auf chronische Nervenschmerzen, die seine Fahrten auf der schweren Jammama auf ca. zwei Stunden begrenzen - ganz gut überstanden hat, er ist jetzt 61 und war Studiendirektor, bis ihn der Schlag in die Frühpension - oder wie das bei Beamten heisst - zwang. )
Dann kam die Frage :
“Sag mal, was stört Dich eigentlich an Deinen Krebsfolgen am allermeisten ?”
Ich antwortete ohne zu zögern :
“Dass ich mich am Wochenende nachmittags nach dem Essen nicht mal für eine/zwei Stunden auf die Couch werfen kann.”
Versteht ihr ?
Nach diesem Monster in der Blase, der Angst danach, der riesigen Narbe, der fehlenden Erektion, kein Samenerguss mehr, dem abendlichen Aufrollen eines Parisers über den Lümmel mit anschliessen eines Bettbeutels, ( auch mit dem Wissen, dass ich dies jetzt bis an mein Lebensende in jedem Bett, egal ob zuhause, im Urlaub oder bei Freunden, jeden verdammten Abend durchführen muss ), der Folgeuntersuchungen usw. usw. war meine direkte Reaktion auf diese Frage, dass mich das Unvermögen eines kleinen Nachmittagschlafes am meisten stört, da ich dann auslaufe.
( Natürlich könnte ich entsprechende Vorkehrungen treffen, mich dick in Windeln packen oder ein Kondom-Urinal etc. überstreifen, aber dann wäre das freudebereitende Spontane ja nicht gegeben. )
Ich was selbst überrascht, mich mit der Situation dermaßen pragmatisch abgefunden zu haben, dass ich eine kleine Nebensächlichkeit als größten Störenfried betrachte.
Vielleicht macht dies der/dem einen oder anderen, die/der - noch - nicht in dieser Lage ist, ja etwas Mut.
Gruß
Eck

hard