pT1 G3 und CIS /BCG Behandlung Abbruch - Neoblase + Inzidentelles Adenokarzinom Prostata pT2c

  • Hallo, mein Name ist Karl. Ich habe im Mai 2018 bei einer Blasenspiegelung die Diagnose Blasenkrebs erhalten. Im Juni vor genau 1 Woche wurde eine TUR Blase unter Hexvix und MMC Instillation durchgeführt. Der Histologische Befund ist pT1-(a;is) high grade. Es ist jedoch kein Muskelgewebe betroffen.

    Warte jetzt noch auf den Abschlussbericht vom Operateur, ob in 2 Wochen mit einer BCG Behandlung oder einer erneuten TUR begonnen wird.


    Ich hoffe, dass mir dieses Forum sehr viel bei meinen offenen Fragen helfen kann bzw. andere mit dem selben Ergebnis zurechtgekommen sind.

    Ansonsten geht es mir im Moment mit dieser Diagnose nicht so gut, da für mich alles zusammengebrochen ist.


    LG Karl;(


  • Lieber Karl,


    erstmal von mir ein herzliches Willkommen in unserem Forum. Das bei der ersten TUR-B Hexvix eingesetzt wurde ist sehr gut - ebenfalls, das eine Frühinstillation mit Mitomycin erfolgt ist.

    Aber:

    Bei einem pT1 G3 und (a;is)??? soll das CIS heißen?? wäre eine Nachresektion laut den Leitlinien zur Behandlung von Blasenkrebs vorgesehen. Diese Nachresektion sollte ca. 4 bis 6 Wochen nach der ersten TUR-B durchgeführt werden.


    Warum ist eine Nachresektion wichtig: Nur so kann die Tumorfreiheit festgestellt werden und das wäre dann eine bessere Voraussetzung für den Beginn einer BCG-Therapie. Macht man diese Nachresektion nicht und es findet sich dann während der BCG-Therapie ein schnelles "rezidiv", weiss man nicht ob das nun noch ein Tumorrest ist, oder doch ein versagen der BCG-Therapie voliegt.

    Meine Empfehlung: Nachresektion und 3 bis 4 Wochen später dann mit der BCG-Therapie beginnen.


    Nun ein zweites Aber von mir:


    Eine BCG-Therapie ist wahrlich kein Spaziergang - und teils von erheblichen Nebenwirkungen begleitet. Ob man sich diesen Nebenwirkungen aussetzen kann und will, muss jeder selbst entscheiden.


    Zur BCG-Therapie werde ich später noch genaueres schreiben.


    Bist du schon Renter oder noch am Arbeiten?

    Ich frage deshalb, weil du als an Krebs erkrankter einen Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis hast. Bei einem pT1 G3 wird dieser mit einem GdB 50 bis 60 für die Dauer von 5 Jahren ausgestellt.

    Durch diese Schwerbehinderung, hast du ein Anrecht auf einen früheren Renteneintritt.


    Gruß

    AndreasW

    22.06.2012 erste [lexicon='TUR-B'][/lexicon] apfelgrosser [lexicon='Tumor'][/lexicon] wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite [lexicon='TUR-B'][/lexicon], diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], ein [lexicon='rezidiv'][/lexicon] pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

  • Hallo Andreas, vielen Dank für den schnellen Kommentar. Ja, ich bin bereits Rentner. Hatte auch einige Pläne für meine jetzige Freizeit. Das wird sich sicherlich für die nächsten Jahre nicht umsetzen lassen.


    Gruß Karl

  • Nun aber zur BCG-Therapie:


    Die BCG-Therapie ist eine enorm anstrengende Therapie die sich über 36 Monate erstreckt und dabei ca. 27 mal lebendige Tuberkulosebakterien in die Blase gegeben werden - die dann eine "gewollte" Blasenentzündung und eine Immunreaktion auslösen. Daher nennt man diese Therapieform auch "Immuntherapie mit BCG".


    Informationen zur BCG-Therapie:


    Die BCG - Therapie ist in den meisten Fällen auch kein Spaziergang, hierbei handelt es sich im abgeschwächte aber dennoch lebendige Tuberkulosebakterien, die per Katheter in die Blase gegeben werden, dort müssen die Bakterien ca. 2 Stunden verbleiben und können dann ausgeschieden werden.

    Durch diese Bakterien kommt es in der Blase zu einer Immunreaktion, was eine Blasenentzündung auslöst. Diese Immunreaktion des Körpers soll dazu führen, dass die körperlichen Antikörper auch Krebszellen in der Blase bekämpfen und so neue Tumoren verhindern helfen.


    Therapieplan wird sich wie folgt aufteilen:

    1. eine 6 wöchige Initialtherapie mit je einer Therapie pro Woche

    2. der Erhaltungstherapie mit 3 Instillationen in wöchentlichem Abstand in den Monaten 3, 6, 12, 18, 24, 30 und 36 (gerechnet nach der letzten TUR-B). In diesem Schema werden insgesamt 27 Instillationen über einen Zeitraum von 3 Jahren verabreicht.


    Nebenwirkungen:

    Bei einer immunologischen Behandlung mit BCG kann die Harnblase in den Tagen nach der Behandlung gereizt sein. Dies kann insbesondere beim Wasserlassen zu Schmerzen (Krampfartig) führen und Harndrang verursachen. Die Patienten können auch etwas Blut im Urin und leicht erhöhte Temperatur haben und an Müdigkeit leiden.

    Weiterhin kann die Therapie grippeähnliche Symptome wie Schüttelfrost, Fieber, Muskelschmerzen, Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall verursachen.

    All diese Nebenwirkungen betreffen Großteils die ersten 48 Stunden nach der Instillation des BCG - danach sollten sie deutlich abklingen. Der verstärkte Harndrang aber, kann noch Monate nach der Behandlung auftreten (Reiz - und Schrumpfblase).


    Hygiene:

    Am Tag und Folgetag der Instillation sollte man verstärkt auf die Hygiene achten und nicht nur nach jedem Toilettengang die Hände waschen, sondern auch desinfizieren, ebenso ist es hilfreich die Toilette selbst mit Desinfektionsspray nach jedem Toilettengang zu reinigen.

    Durch den verstärkten Harndrang sollte man ebenso darauf achten immer eine Toilette in der Nähe zu haben, aus eigener Erfahrung weiß ich, das man oftmals keine 20 Meter weit kommt, wenn man erst mal merkt das man mal "muss".

    Durch die Blutbeimengungen im Urin, der dann auch Gelleeartig sein kann, bietet es sich an am Tag der Instillation und dem Folgetag Einlagen zu tragen, sodass man sich die Unterwäsche nicht versaut.

    Diese Inkontinenzeinlagen kann der Urologe als so genanntes Hilfsmittel verschreiben, sollte dies geschehen sein, sollte man mit der Krankenkassen in Kontakt treten und sich das Sanitätshaus nennen lassen mit denen sie zusammenarbeiten. Danach dann das Sanitätshaus aufsuchen, dort findet eine Beratung statt und eine Abklärung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse.


    Nach der Instillation:

    ca. 1 1/2 Stunden nach der Instillation kann man beginnen mit trinken, das Beste sind Tee´s oder stilles Mineralwasser. Kohlensäurehaltige Getränke können die Blase zusätzlich reizen. Je mehr man trinkt, je besser wird die Blase gespült, Anhaltspunkt ist ein Liter Flüssigkeit pro Stunde das sollte man dann ca. 4 Stunden lang machen und ab dann kann weniger getrunken werden.

    Gönne Dir am Tag der Instillation + dem Folgetag ruhe, auch wenn du wahrscheinlich nach den ersten Instillationen kaum Nebenwirkungen verspüren wird, werden die Nebenwirkungen von Behandlung zu Behandlung mehr werden, teilweise kann es auch Aufgrund der Nebenwirkungen zu einem Therapieabbruch kommen.

    Ebenso muss der Arzt bei der Instillation aufpassen, dass z.B. die Harnröhre nicht verletzt wird und somit BCG in die Blutbahn kommt, denn dann kann es zu einer Bcgitis kommen (Tuberkulose).


    Sexualität während der BCG-Therapie:

    Hier empfehle ich bis ca. 6 Wochen nach der letzten Instillation einen Kondom zu nutzen, denn die BCG-Bakterien können recht lange in der Blase "überleben".


    MedacBCG-Fachinformationen



    Ließ Dir diese Fachinfo wirklich sehr gut durch - um dann auch die Nebenwirkungen einschätzen zu können. Vorallem aber sollte der Urologe über die Nebenwirkungen informiert werden (vorallem dann, wenn sie verstärkt auftreten).


    weitere Nebenwirkungen (kann bis zu 1 Behandelten von 100 betreffen)


    • Schwere systemische BCG-Reaktion/-Infektion, BCG-Sepsis (weitere Informationen finden Sie weiter unten)


    • Mangel an Zellen im Blut (Zytopenie)


    Anämie (Abnahme des Hämoglobins im Blut)


    • Reiter-Syndrom (Arthritis mit Entzündung der Haut, der Augen und der Harnwege)


    • Lungenentzündung (miliare Pneumonie)


    • entzündliche Reaktionen der Lunge (Lungengranulomatose)


    Leberentzündung (Hepatitis)


    • Hautabszesse


    • Hautausschlag, Entzündung der Gelenke (Arthritis), Gelenkschmerz (Arthralgie).


    In den meisten Fällen sind diese Nebenwirkungen Zeichen einer allergischen Reaktion (Überempfindlichkeitsreaktion) gegenüber BCG. In einigen Fällen kann es erforderlich sein, die Behandlung abzubrechen.


    • Harnwegsinfektion, Blut im Urin (Makrohämaturie)


    • ungewöhnlich kleine Blase (Einschränkung der Blasenkapazität), ungewöhnlich geringe Urinmengen (Harnstauung), Schrumpfblase


    • Entzündung der Hoden (Orchitis)


    • Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis)


    • entzündliche Reaktion der Prostata (symptomatische granulomatöse Prostatitis)


    • niedriger Blutdruck (arterielle Hypotonie)



    Gruß

    AndreasW

    22.06.2012 erste [lexicon='TUR-B'][/lexicon] apfelgrosser [lexicon='Tumor'][/lexicon] wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite [lexicon='TUR-B'][/lexicon], diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], ein [lexicon='rezidiv'][/lexicon] pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

  • Lieber Karl,


    auch von mir ein ganz herzliches Willkommen hier bei uns, auch wenn es kein guter Anlass ist.

    Andreas hat Dir schon viele Fachinformationen und hilfreiche Infos gegeben. Jetzt muss man eben abwarten was der Abschlussbericht sagt. Stell gerne die Ergebnisse hier ein, Namen und Adressen unbedingt schwärzen. Wir werden versuchen Dir zu helfen und mit Rat und Trost zur Seite zu stehen.


    Ansonsten geht es mir im Moment mit dieser Diagnose nicht so gut, da für mich alles zusammengebrochen ist.


    Ja, lieber Karl, es ist erst einmal ein richtig schlimmer Schreck und es geht einem wirklich schlecht, ist verzweifelt.

    Aber, auch wenn Du Dir das jetzt wahrscheinlich noch nicht vor richtig vorstellen kannst, es wird besser. Es dauert ein bisschen und ist wirklich keine schöne Zeit. Aber mit der jetzt kommenden Auseinandersetzung mit den möglichen und notwendigen Therapien, dem Wissenserwerb um die Erkrankung und dem Austausch mit anderen Betroffenen, wirst Du merken, dass alles machbar ist. Hier sind so viele Mitglieder mit ganz unterschiedlichen Geschichten und Ergebnissen und die allermeisten, die ihre Behandlung erst einmal hinter sich haben, leben heute sehr gut und wieder fröhlich vor sich hin.

    Das wollte ich Dir noch als Mutmacher mitgeben.


    Ansonsten lies Dich ein und stell all Deine Fragen, heul Dich auch einfach aus, wüte herum.... Wir werden Dich unterstützen, wo wir können :)

    herzliche Grüße vom Mandelauge

    Nach pT2b pN0 pL0 pV0 R0 (lokal) G3, glückliche und stolze Besitzerin einer Neoblase nach Hautmann, perfekt gebaut von Prof. Magheli in Berlin - Glück gehabt :)

  • Hallo Mandelauge,

    ja das mit dem Schreck ist noch bescheiden ausgedrückt.

    Wo ich mich immer noch Frage, warum es so lange gedauert hat (bei mir fast 4 Monate), bis das Ergebnis Blasenkrebs fest gestellt wurde. 2 Monate wurde ich mit Antibiotika behandelt. Dann CT und Krebs Marker Test, unzählige Ultraschalluntersuchungen und zum Schluss Blasenspiegelung, wo man den Tumor gesehen hat. Bei der Voruntersuchung zur OP wurde ein Ultraschalluntersuchung von einer Ärztin durchgeführt, die auch beide Tumore gesehen hat. Ich bin nach wie vor der Meinung, hätte man den Tumor früher entdeckt, das Ergebnis nicht so dramatisch ausgefallen wäre.

    Im Forum kann man ja des öfteren lesen, dass wen CIS im Tumorherd vorhanden ist, es besser wäre, gleich die gesamte Blase zu entfernen.

    Wie sind da die Meinungen hier im Forum?

    Zugute kommt im Moment, dass kein Muskelgewebe noch betroffen ist. In Anlage werde ich meinen Histologischen Befund anhängen zum besseren Verständnis.

    Gruß Karl

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