Blasenkrebs pT1 high-grade (G2-G3) L0, V0

  • Ich wollte mich hier jetzt endlich auch vorstellen, nachdem ich mich schon vor ein paar Tagen registrierte. Ich bin Ehefrau, mein Mann weiß seit einer guten Woche, dass er Blasenkrebs hat. Die Blasenspiegelung war vor zwei Tagen. Die TUR-B findet in drei Tagen statt, erst danach werden wir über den weiteren Behandlungsverlauf entscheiden können.

    Im Moment macht uns der behandelnde Arzt und Chirurg Hoffnung, dass blasenerhaltend operiert werden kann, aber genau wird er das erst unter der OP sehen können. Ich versuche im Moment meinen Mann davon abzuhalten in Katastrophenbildern zu denken, sondern sich immer nur auf den nächsten Schritt zu konzentrieren.

    Ich möchte dieses Forum gerne dafür nutzen, mir selbst Mut und Unterstützung zu holen. Doch die geballte Erfahrungskompetenz ist mir genauso wichtig. Zu wissen, was auf einen zukommt, und wie man(n) das Ganze so gut wie möglich bewältigen kann, das gibt mir hoffentlich die Sicherheit, die meinem Mann hilft.

    Zur Zeit beschäftigt ihn bezüglich der anstehenden OP am meisten, wie stark wohl die Schmerzen nach der OP sein werden, und wie lange ihn das Brennen beim Wasserlassen wohl quälen wird. Er hat dies nach der Blasenspiegelung als sehr heftig erlebt.


    Soweit erst einmal für heute, ich werde weiter berichten und dann vielleicht auch ganz gezielte Fragen stellen können.

    kape

    Ich lese und schreibe für meinen Mann <3

    31.07.2018: 1. TUR-B

    13.08.2018: pT1 high-grade (G2-G3) L0, V0

    18.09.2018: 2. TUR-B

    27.11.2018: 1. BCG-Instillation

    08.02.2019: 3. TUR-B

  • Hallo Kape,

    herzlich Willkommen hier im Forum. Ich bin selber erst einige Wochen im Forum und auch eine Ehefrau eines Betroffenen. Genau wie du, war ich sehr unsicher und brauchte Hilfe. Ich habe sie bekommen Kape, habe viel gelesen und gelernt und Antworten erhalten, die ich verstehen konnte. Hier ist echt was los, hier sind Experten vom Feinsten und Menschen, die richtige Worte finden um zu helfen. Alles sonst, muss erst der Befund deines Mannes bringen......aber ich bin mir sicher, dass du bald viele Antworten erhälst.

    Herzliche Grüße

    Anne

  • Liebe kape,


    erstmal herzlich Willkommen in unserem Forum.

    Ich werde erstmal etwas über die TUR-B und die Wochen danach erzählen:


    TUR-B ist die Abkürzung für "Transurethrale Resektion der Harnblase", hierbei wird über die Harnröhre eine Optik und eine "Elektroschlinge" in die Blase eingeführt - mit dieser Elektroschlinge wird dann versucht den Tumor zu entfernen - im allgemeinen wird dabei bis hinunter auf die Harnblasenmuskulatur "geschnitten" - nur dadurch läßt sich dann später für den Pathologen zweifelsfrei feststellen, ob es sich um einen oberflächlich oder bereits muskelinvasiv wachsenden Tumor handelt.


    Die reine OP-Zeit beträgt je nach Tumorgröße ca. 30 Minuten ... bei größeren Tumoren kann es aber auch etwas länger dauern.

    Noch im OP-Saal wird deinem Mann dann ein Katheter gelegt bekommen - dieser Katheter hat meißt zwei Eingänge und einen Ausgang. An einem der Eingänge wird er an eine Spülflüssigkeit angeschlossen, diese Flüssigkeit ist nichts anderes als Kochsalzlösung - mit dieser wird die Blase über Nacht gespült. Der Urin + die gebrauchte Spülflüssigkeit wird zu einem Bettbeutel geleitet und wir regelmässig geleert.

    Sollte am nächsten Tag kein Blut mehr in dem Beutel sichbar sein, wird die Spülung der Blase beendet und dein Mann darf aufstehen und sich bewegen.

    Ab diesem Zeitpunkt ist es sehr sehr wichtig, dass dein Mann sehr viel trinkt!!!


    Warum ist dies Wichtig:

    Auch wenn man keine OP-Wunde / Narbe sieht, so hat man dennoch eine. Damit der Urin nicht zu konzentriert ist, muss sehr viel getrunken werden, am bestens sind Tee´s und stilles Mineralwasser - je mehr er trinkt, je besser ist es für die Blase.

    Gerade auch bei diesen Temperaturen, dürfen es ruhig deutlich über 4 Liter sein ... am besten 5 bis 6 Liter - solange es dann keine Probleme mit dem Kreislauf (Blutdruck) gibt.

    Nach weiteren 2 bis 3 Tagen im Krankenhaus wird dann dein Mann entlassen.

    Sollte er im Krankenhaus "Blasenkrämpfe haben", was durch den Katheter ausgelößt werden kann - so sollte er sich Schmerzmittel geben lassen - ansonsten ist die OP nicht schmerzhaft.


    Wieder daheim:

    Hier auch unbedingt darauf achten, dass sich dein Mann schont - denn bis die OP-Wunde verheilt ist, kann es 4 Wochen dauern. Daher kann es sein, dass auch noch 2 bis 3 Wochen nach der OP Blut im Urin ist!

    Wichtig: Weiterhin sehr sehr viel trinken. Tee, stilles Mineralwasser .., ebenfalls kann Melone oder auch Gurken gegessen werden. Am Abend darf er eine Flasche alkoholfreies Hefeweizen trinken - sonst bitte kein Alkohol.

    Nehmt es bitte ernst, wir haben hier schon sehr oft "leichtsinnige Männer" erlebt, die nach der TUR-B im Garten gearbeitet haben, Renovieren wollten - ober mal eine Kiste "Bier" in den Keller tragen wollten - all das hat nur dazu geführt, dass eine bei der OP verödete Ader aufgegangen ist - und sie in der Notaufnahme gelandet sind - wo dann in einer Not-OP die Ader wieder verschlossen werden mußte.


    Wenn der Histologische Befund da ist, laßt ihn Euch geben (Aushändigen), darauf habt ihr ein Anrecht - mit diesen Informationen, können wir dann auch genaueres sagen.


    Gruß

    AndreasW

    22.06.2012 erste [lexicon='TUR-B'][/lexicon] apfelgrosser [lexicon='Tumor'][/lexicon] wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite [lexicon='TUR-B'][/lexicon], diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], ein [lexicon='rezidiv'][/lexicon] pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

  • Hallo Anne und Andreas,

    vielen Dank für eure blitzschnellen Antworten und die herzliche Begrüßung.

    Und ganz herzlichen Dank an Andreas, für diese wichtigen Tipps und Hinweise. Viel Trinken also! Dann werde ich meinem Mann empfehlen sich die Wasser-App auf sein Smart-Phone zu laden, die mir hilft, meine kläglichen 2 Liter am Tag zu trinken. ;-). Gut dass aus unserem Wasserhahn der Nachschub unbegrenzt ist, und ich somit kein Wasser ins Haus schleppen muss.

    Andreas du schreibst von alkoholfreiem Weizenbier. Wir sind keine Weizentrinker, geht auch "normales" Alk-freies Bier? Oder ein Alk-freies Radler? Das trinken wir gerne mal und ist auch schon im Haus.

    Und was bedeutet vier Wochen schonen? Heißt das liegen? Oder sind moderate Unternehmungen erlaubt, wie z.B. Freunde besuchen oder Besuch empfangen? Oder auch mal ein Besuch im Museum oder in einer Ausstellung? Ich hätte es jetzt so verstanden, wie bei einer Hochschwangeren, die zwar alles machen darf, aber eben gemäßigt im Anstrengungsniveau und immer schön mit Pausen.

    Ich lese und schreibe für meinen Mann <3

    31.07.2018: 1. TUR-B

    13.08.2018: pT1 high-grade (G2-G3) L0, V0

    18.09.2018: 2. TUR-B

    27.11.2018: 1. BCG-Instillation

    08.02.2019: 3. TUR-B

  • Na dann werde ich mich mal auf deine weiteren Fragen stürzen:


    - Warum alkoholfreies Weizen ... weil dies gut Harntreibend ist und die Hefekulturen auch der Blase gut tun.

    Alk-freies normales Bier kann dein Mann probieren - wenn die Blase "danach zickt" wieder absetzen!

    Aber Alk-freies Radler - darauf würde ich verzichten, durch die Zitronenlimonade kann es passieren, dass der Urin "zu sauer" wird - das wäre so, als ob du Dir eine Scheibe Zitrone auf eine frische Schnittwunde legen würdest!!!


    Was das schonen betrifft: Natürlich könnt ihr spazieren gehen ... natürlich könnt ihr auch Freunde besuchen oder besuch empfangen, auch ein Besuch im Museum der in einer Ausstellung sollte drin sein - aber bedenke:

    Nur weil man in ein Museum geht, heißt es nicht, dass man dann das trinken einstellen sollte! - daher auch wenn ihr unterwegs seit, immer Wasser dabei haben und ihn trinken lassen.

    Ja - dadurch kann es passieren, dass dein Mann dann häufig auf die Toilette muss - das ist auch richtig und muss so sein.


    Gruß

    AndreasW

    22.06.2012 erste [lexicon='TUR-B'][/lexicon] apfelgrosser [lexicon='Tumor'][/lexicon] wurde soweit wie sichtbar entfernt
    03.07.2012 Tumorklassifikation:
    ICD-0: C67 M8130/21 G1 pTa pNx pMx l0 v0 Rx
    22.10.2012 zweite [lexicon='TUR-B'][/lexicon], diesmal ohne Befund
    16.12.2013 dritte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], 5 rezidive wurden entfernt. high grad (rpTa)
    24.06.2016 vierte [lexicon='TUR-B'][/lexicon], ein [lexicon='rezidiv'][/lexicon] pTa G1

    „I am the master of my fate, I am the captain of my soul“

    • Hilfreich

    Hallo Kape

    !

    Ich habe das Procedere, das deinem Mann bevorsteht, gerade hinter mir!

    Es ist nicht weiter schlimm, zumindest körperlich!!

    Von der OP merkt man nichts, die Beutel sind danach etwas lästig, aber ich bin gleich damit herumgewandert, und nach 3 Tagen war ohnehin alles o.k.!

    Viele Hinweise hast du ja hier schon bekommen. Hier noch einige Anmerkungen aus meiner Sicht:

    Ich habe vor und nach der OP Arnica-Globuli genommen und Tee von Schafgarbe getrunken (waren Tipps von anderer Stelle). Ob der problemlose Verlauf bei mir daran lag, weiß ich natürlich nicht, habe ja keinen Vergleich, wie es ohne gegangen wäre. Aber mir ging es gut!!

    Beim Wasserlassen gab es Blasenkrämpfe, unangenehm, aber mit Schmerzmitteln (Sulfonnovalmin) gut in den Griff zu bekommen. Brennen in der Harnröhre gehört auch dazu!

    Häufiger Harndrang wird auftreten. Nachts hilft eine Bettflasche, damit man wenigstens nicht jedes Mal aufstehen muß!

    Laß deinen Mann einfach machen, er wird merken, was ihm gut tut!!

    Aus Sicht des Betroffenen sei angemerkt, daß es für einen selbst kontraproduktiv ist, wenn man von der zu Recht besorgten Ehefrau ständig darauf hingewiesen wird, was man tun oder lassen soll, daß man genug trinkt, sich schonen soll oder was auch immer! Wir kriegen das schon hin und können uns auf unser Körpergefühl verlassen! Alles kein Problem, köperlich!

    Schlimm für die Betroffenen ist der Kopf, die Gedanken bis zum Vorliegen der histologischen Befunde! Laß deinen Mann reden, hör zu, aber unterlasse Ratschläge!

    Auch Mutmacher, wie "Du packst das", helfen nicht! Oder wurde einem Krebskranken jemals gesagt "Du schaffst das aber bestimmt nicht"!?? Sachlichkeit und objektive Informationen sind angesagt, damit man sich mit der gegebenen Situation auseinandersetzen kann!!

    Unternehmt viel, schonen, heißt nicht Sofa und grübeln! Es geht eigentlich fast alles, macht Mut und lenkt ab!! Das elendigliche Warten bis zum Befund kann einem allerdings niemand abnehmen!!

    Soweit zur subjektiven Sicht eines gerade erst Betroffenen!

    Einen schönen Sonntag, und nutzt den Tag!

    Liebe Grüße

    Hans-Peter

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